Welcher Weg führt zum professionellen Baumpfleger?

Welcher Weg führt zum professionellen Baumpfleger?Viele Wege führen nach Rom – oder zum Berufsbild Baumpfleger. Denn bislang ist die Baumpflege kein geschützter Ausbildungsberuf. Deshalb gibt es auch keine vorgezeichnete Ausbildung dorthin. Zahlreiche verschiedene Qualifikationen versprechen einen Einstieg in den Beruf des Baumpflegers, verwirren am Ende aber mehr, als dass sie Orientierung geben. Wir bringen Licht ins Dunkel und zeigen euch die verschiedenen Möglichkeiten der Ausbildung zum Baumpfleger/-in auf.

Was macht man in der Baumpflege eigentlich?

Wie der Name sagt, pflegt man Bäume. Bäume sind in der Regel sehr hoch und die Kronen von außen schwer zugänglich. Baumpfleger benötigen also neben Kenntnissen der Baumbiologie, Baumkrankheiten und fachgerechtem Baumschnitt, auch die Fähigkeit, die Krone zu erreichen. Dafür gibt es eine spezielle Technik: die Seilklettertechnik.

Klettern und Technik

Der SKT-A Kurs

Der Einstieg in die Ausbildung zum Baumpfleger/-in und ins dafür notwendige Baumklettern ist der SKT-A Kurs: Seilklettertechnik Stufe A. Dieser Einsteigerkurs lehrt die Teilnehmer, wie sie sicher und kräfteschonend in die Baumkrone klettern. Am Ende des Kurses sind die angehenden Baumpfleger in der Lage, den gesamten Baum am Seil gesichert zu beklettern. Außerdem kennen sie die notwendige Ausrüstung und wissen, wie sie Kollegen im Notfall aus dem Baum retten.

SKT-A Kurs Gruppe

Der SKT-B Kurs

Natürlich müssen diese Fähigkeiten in der Praxis trainiert, gefestigt und ausgebaut werden. Bevor es mit dem zweiten Kletterkurs – dem SKT-B Kurs – weitergeht, sind 300 Kletterstunden im Baum Pflicht! Dieser nächste Kletterkurs der Ausbildung zum Baumpfleger lehrt den sicheren Umgang mit der Motorsäge oben im Baum. Voraussetzung für alle Teilnehmer ist dafür zusätzlich die Motorsägenfachkunde AS-1 oder eine vergleichbare Zertifizierung.

Die Ausbilder zeigen im Kurs zudem, wie abgeschnittene Baumteile mit Seilen zum Boden abgelassen (Rigging) und Stammstücke von oben nach unten stückweise abgesägt (Abtragung) werden.

SKT-B Kurs Motorsäge

Rettung als zentrales Thema

Baumkletterer sollten sich beim Thema Rettung regelmäßig auf dem Laufenden halten und sich auf den neusten Stand der Technik bringen. Der Rettungsfall eines Kollegen ist die Ausnahme, doch gerade deshalb fehlt im Alltag die Praxis. Im Ernstfall zählt bei der Rettung jede Sekunde und externe Rettungskräfte verfügen möglicherweise nicht über die notwendige Technik und Erfahrung. Deshalb muss bei einer Baustelle ein zweiter Kletterer mit vor Ort sein, um im Notfall zu helfen.

» Um Up-to-date zu bleiben, bietet die Münchner Baumkletterschule das „Climb-Update“ an.

Baumwissen und Baumpflege

Nach der Technik folgt das Wissen um Baumbiologie, Baumkrankheiten und Baumschnitt. Diese Kenntnisse vermitteln der „European Tree Worker“ (ETW) und der „European Tree Technician“ (ETT), wobei der ETT auf den ETW aufbaut. Die einzige Möglichkeit, den ETT-Lehrgang ohne abgeschlossenen ETW zu absolvieren, ist eine abgeschlossene, dreijährige Ausbildung in einem grünen Beruf.

In den Lehrgängen erfahren die Teilnehmer alles rund um Baumbiologie, die Rolle der Wurzeln und des Bodens, Schadensdiagnose und Baumpflege. Außerdem lernen sie, Maßnahmen in der Praxis zu planen, Leistungen abzurechnen und Kosten zu kalkulieren. Der ETW und der ETT sind – wie die Namen verraten – europaweit (bis auf wenige Länder) anerkannt.

Spezialfall: Grüne Berufe

Wer bereits eine abgeschlossene Ausbildung im grünen Bereich und drei Jahre Praxis hat, dem steht der Fachagrarwirt Baumpflege offen. Diese Weiterbildung behandelt die Grundlagen der Baumpflege, Rechtsthemen und Betriebswirtschaft. Der Fachagrarwirt Baumpflege bietet die gleiche Expertise wie der ETT, ist jedoch nur in Deutschland zugelassen.

Baumkrone

Studium der Arboristik

Seit 2003 gibt es in Deutschland das erste Bachelorstudium in der Baumpflege. Im Studiengang Arboristik lernen die Studierenden alles Wichtige zu Baumbiologie, baumbewohnenden Tieren, Bodenkunde und Klimatologie, Stadtbaummanagement und Baumkontrolle sowie Kernthemen der Unternehmensführung. Die Absolventen haben nach Abschluss des Studiums die Möglichkeit, sich in der Baumpflege selbstständig zu machen und in Planungsbüros, Naturschutzämtern oder Landschaftsbaubetrieben zu arbeiten.

Weiterbildung und Spezialisierung

Jede/r Baumkletterer/in und jede/r Baumpfleger/in hat gewisse Vorlieben und Aufgaben, die ihr/ihm mehr liegen als andere. Deshalb spezialisieren sich die meisten auf bestimmte Aufgabengebiete. Kletterschulen und grüne Bildungsanstalten bieten Weiterbildungskurse zu den unterschiedlichsten Themen an: Artenschutz in der Baumpflege, Baumkontrolle, Obstbaumschnitt oder der Einbau von Kronensicherungen.


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