Workshop: Artenschutz und Baumpflege

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Artenschutz geht alle an. Aber mehr als alle den professionellen Baumpfleger. Denn viele bedrohte Arten haben sich in siedlungsnahe Bereiche zurückgezogen. Dort, in Parks, Gartenanlagen, Alleen und auf alten Straßenbäumen treffen sie dann auf den Baumpfleger, der eigentlich nur Bäume pflegen will. Aber auch – gesetzlich gefordert – seltene Arten schützen muss. „Nur“ Bäume pflegen geht nicht mehr. Bei Baumprofis ist der Artenschutz immer dabei. Ein Workshop von TreeConsult erleichtert den Zugang zu diesem umfangreichen Thema.

Bereits zum vierten Mal veranstaltet Brudi & Partner, TreeConsult einen zweitägigen Workshop, in dem das Thema Artenschutz in Baumpflege und Baumkontrolle im Mittelpunkt steht. Bewährter Tagungsort ist das Kloster Bernried und der angrenzende Stiftungspark mit seinen zahlreichen Baumriesen, ein Hotspot der Biodiversität, wo der Eremit ebenso zu Hause ist, wie verschiedene Fledermaus- und Brutvogelarten. Neu ist, dass der Workshop in diesem Jahr als Partnerveranstaltung mit der Münchner Baumkletterschule stattfindet. Der fachliche Austausch von praktischen Baumpflegern mit Sachverständigen und Behördenvertretern zu diesem Thema soll so weiterhin intensiviert werden.

Bäume außerhalb der Wirtschaftswälder als Lebensräume mit besonderer Bedeutung für die Tierwelt
Viele seltene Baumbewohner, die in Höhlen und absterbenden Bäumen leben, sind heute aus den Wirtschaftswäldern nahezu verschwunden. Heute finden diese Arten häufig nur noch im siedlungsnahen Bereich, in Parks oder großen Gartenanlagen mit wertvollem Altbaumbestand geeignete Lebensräume. Genau hier ist der Baumpfleger, nicht der Forstmann, tätig und hat nicht nur Gelegenheit Artenschutz zu betreiben, sondern sogar die gesetzliche Verpflichtung.

Ziele der Fortbildung
Der Baumpfleger ist derjenige, der oft als einziger die Lebensräume der Tiere entdecken kann, bevor die Bäume gefällt oder zurückgeschnitten werden. Ihm kommt daher eine besondere Verantwortung zu, potenzielle und tatsächlich genutzte Lebensstätten zu erkennen und zu schützen. Er hat auch das notwendige Know-How, durch zielführende baumpflegerische Maßnahmen Habitate langfristig zu erhalten. Ziel der Fortbildung ist es daher, jedem Baumpfleger eine Grundlage an Kenntnissen zu vermitteln, die ihn dazu in die Lage versetzen soll

•   potenzielle und tatsächlich bewohnte Habitate zu erkennen,
•   sensible Phasen verschiedener Baumbewohner zu kennen,
•   Alternativen aufzuzeigen, wie Baumpflege im Einklang mit dem Artenschutzrecht umgesetzt werden kann,
•   zu erkennen, wann das eigene Wissen nicht mehr ausreicht und gegebenenfalls Artenexperten hinzugezogen
    werden müssen. Dies ist besonders wichtig, denn ein zweitägiger Workshop macht einen Laien auf dem
    Gebiet der Biologie noch lange nicht zum Experten, so dass es auch nach dem Workshop noch Fälle geben wird,
    bei denen Fachexperten zu Rate gezogen werden müssen.

Die Referenten sind alle ausgewiesene Experten:
Andreas Detter umreißt die rechtlichen Grundlagen des allgemeinen und des besonderen Artenschutzes und die Anforderungen an die Fachleute. Basierend auf seiner jahrelangen Erfahrung als Baumpfleger sowie als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger übersetzt er die oft schwer zu fassbaren Regelungsinhalte anhand klarer Beispiele in die Praxis der Baumpflege.
„Es ist schon wichtig, sich die einzelnen Bestimmungen einmal Wort für Wort anzusehen, um Fragen, die sich in der Praxis stellen, auch beantworten zu können. In jedes Seminar bringen vor allem die Teilnehmer wieder neue Fallkonstellationen ein, die wir interdisziplinär diskutieren und für die wir Lösungen erarbeiten.“

Reimut Kayser, ehemaliger Biologielehrer und seit vielen Jahrzehnten leidenschaftlicher Ornithologe, geht in seinen lebendigen Vorträgen vor allem auf die Höhlenbrüter ein. Die stellen in zweierlei Hinsicht für die Baumpflege ein „Problem“ dar, da sie die Bäume ggf. in ihrer Bruchfestigkeit beeinträchtigen und zum anderen aber als mindestens besonders geschützte z. T. auch streng geschützte Arten unter das Artenschutzrecht fallen.
„In unseren Wirtschaftswäldern werden alte Bäume als Lebensraum zurückgedrängter Tierarten, z.B. Höhlen bewohnender Vögel, immer seltener. Der Erhalt älterer Bäume im Siedlungsbereich wird daher immer wichtiger – eine verantwortungsvolle Aufgabe der zeitgemäßen Baumpflege!“

Eva Kriner, Dipl.-Biologin war bisher jedes Jahr dabei und erläutert anhand der Biologie der durchwegs streng geschützten Fledermäuse deren Lebensweise im Jahresverlauf. Anders als bei den Vögeln, sind Fledermäuse das ganze Jahr über, an oder in Bäumen zu finden.
„Baumhöhlen und Verstecke in Rindenspalten gehören für unsere mitteleuropäischen Fledermausarten zu den wichtigsten Quartiertypen. Gleichzeitig sind sie oft schwierig festzustellen. Bei Baumpflege- und Fällaktionen sind sie hochgefährdet. Daher ist es wichtig, dass Baumpfleger, die bei Ihrer täglichen Arbeit am ehesten auf Fledermausquartiere in Bäumen treffen, solche Quartiere erkennen und einzuschätzen wissen. Bei dem Workshop werden die dazu erforderlichen Grundkenntnisse vermittelt.“

Als dritte wichtige Artengruppe, die dem Baumpfleger regelmäßig begegnen kann, werden die xylobionten (holzbewohnenden) Käferarten in diesem Jahr wieder von Dr. Jürgen Schmidl vorgestellt.
„Würden Sie jemanden an sich herumschnippeln lassen, der die Biologie Ihres Körpers nicht kennt? Baumpfleger müssen den Baum als Lebensraum für Tiere erkennen und behandeln.“

Die Teilnehmer erhalten ein detailliertes Teilnahmezertifikat, eine Prüfung findet nicht statt.

Termin: 8. bis 9. Juni 2015
Anmeldung über Brudi & Partner, TreeConsult oder Münchner Baumkletterschule

 
Online blättern im Kletterblatt 2015: "Workshop: Artenschutz und Baumpflege" Nach oben
 

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