Kletterblatt 2005 - page 28

Bei der Beurteilung von Bäu-
men im Rahmen von Kontrol-
len oder der Festlegung baum-
pflegerischer Maßnahmen be-
steht oft genug das Problem,
wie Baumsymptome, die als
Gefahrens- oder Versagensmo-
mente definiert sind, richtig
bewertet werden. Hier kommt
es immer wieder zur Anwen-
dung des „Kann-Prinzips“: Es
kann sein, dass dieses Phäno-
men ein Zeichen ist für usw.
In der gutachterlichen Praxis
gibt es für die Einordnung die-
ses „Kann sein“ eine Abstu-
fung von Wahrscheinlichkeits-
graden.
Diese Abstufung von Wahr-
scheinlichkeitsgraden scheint
mir ein gutes Hilfsmittel zu
sein, festgestellte „Problem-
zonen“ am Baum einzuord-
nen, um nicht vorschnell aus
dem „Kann sein“ ein „Es ist“
werden zu lassen.
Es gibt viele klare Fälle, wo es
keine Unsicherheit bei der Ein-
schätzung gibt. Es gibt aber
auch genug unklare Situatio-
nen, die keine eindeutige Fol-
gerung zulassen. Zwar sollte
grundsätzlich klar sein, dass
ein Schadens- oder Schwäche-
urteil nicht nur für sich allein
betrachtet werden darf, son-
dern stets im Gesamtzusam-
menhang eine Einschätzung
erfolgen muß. Oft genug aber
wird dieses Vorgehen vernach-
lässigt oder nicht angewendet,
und es kommt zu Überreaktio-
nen bei der Kontrolle bzw.
den aus ihr resultierenden
Pflege- oder Fällmaßnahmen.
Der „Absinkende Ast“ ist ein
gutes Beispiel für dieses Pro-
blem. Wird bei einem Starkast
auf der Unterseite stärkeres
Wachstum sichtbar, so kann
das ein Anzeichen für eine
nachlassende Spannkraft des
Baumes sein.
In der Fachliteratur wird bei
diesen Zeichen von gelegent-
licher Versagensursache ge-
sprochen. Und obwohl beim
Bemerken dementsprechender
Anzeichen kein Grund für Hys-
terie besteht, kommt es den-
noch oft genug z.B. zur Ent-
nahme von Starkästen.
Mit den aufgezeigten Wahr-
scheinlichkeitsstufen kann die-
se Situation überprüft werden,
wenn der Zustand des Gesamt-
baumes mitberücksichtigt wird:
Baumart, Baumalter, Vitalität
des Baumes usw.
Allein das Vorhandensein von
Druckholz an der Astunterseite
dürfte noch kein Grund für ein
wahrscheinliches Versagen in
Folge dieser Absenk-Beobach-
Thema
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„kann sein...“
Wahrscheinlichkeiten statt
Bewertung von Baumsymptomen
Es reicht nicht aus, bei
der Bewertung von
Bäumen mit dem Prinzip
Hilflosigkeit „Kann sein,
dass ...“ zu operieren.
Wie können aber
Problemzonen am Baum
genauer eingeordnet
werden?
nach Roland Dengler, Vortrag Osnabrücker Baumpflegetage 1990
Abstufung von Wahrscheinlichkeitsgraden
äußerst wahrscheinlich:
höchstgradige Wahrscheinlichkeit
sehr wahrscheinlich:
stark überwiegende Wahrscheinlichkeit
wahrscheinlich:
überwiegende Wahrscheinlichkeit
eher wahrscheinlich:
leicht überwiegende Wahrscheinlichkeit
ebenso wahrscheinlich
Wahrscheinlichkeit und Unwahrscheinlichkeit
wie unwahrscheinlich:
halten sich die Waage
eher unwahrscheinlich:
leicht überwiegende Unwahrscheinlichkeit
unwahrscheinlich:
überwiegende Unwahrscheinlichkeit
sehr unwahrscheinlich:
stark überwiegende Unwahrscheinlichkeit
äußerst unwahrscheinlich:
höchstgradige Unwahrscheinlichkeit
äußerst unwahrscheinlich
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