Kranfällung mit Seilklettertechnik (SKT)

Kranfällung mit Seilklettertechnik (SKT)Die Fällung eines Baums mit dem Kran in Verbindung mit der Seilklettertechnik (SKT) ist ein Streitpunkt zwischen den zuständigen BGen für Gartenbau (SVLFG) und für Transport und Verkehr. Bei der SVLFG ist das Arbeitsverfahren unter bestimmten Voraussetzungen zulässig. Unser technischer Leiter Bernhard Schütte blickt im folgenden auf die Entwicklung dieses Streitfalls zurück, erläutert die aktuelle Situation zwischen den BGen und stellt unseren Kurs zur Kranfällung mit SKT vor.

Sicheres Arbeitsverfahren: ja oder nein?

Arbeiten mit dem Kran: Ja – Nein – Vielleicht? Vor dieser Frage steht man als Baumkletterer nicht nur aus rein praktischen Gründen. Die wären eventuell Sicherheitsgewinn, Zeitersparnis oder ergonomische Vorteile des Arbeitsverfahrens, um nur einige stellvertretend zu nennen.

Bevor die Entscheidung für den Kraneinsatz fällt, muss man für sich noch klären, ob das, was man auf der Baustelle plant, auch zulässig ist – oder ob es nur unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt ist, ob vielleicht die an der Arbeit Beteiligten unterschiedliche Vorschriften oder Anschauungen zu dem Thema haben.

Treffen der zuständigen BGen zur Kombination SKT und Kran

Kranfällung mit Seilklettertechnik (SKT)Es hätte alles so einfach sein können. 2011 haben sich Vertreter der damaligen Gartenbau BG (SVLFG), der BG Bau und der BG Transport und Verkehr getroffen, um einer Vorführung der Kombination von Seilklettertechnik und Mobilkraneinsatz beizuwohnen. Nach der Vorführung gab es im Kreise der Anwesenden wenige Bedenken gegen das Verfahren. Dazu ist anzumerken, dass es eigentlich gar nicht so viel zu regeln gab.

Der Einsatz eines Krans zum Heben von Lasten war für die BG Transport und Verkehr oder vielmehr die versicherten Kranfirmen absolutes Alltagsgeschäft und die SKT war auch seit zehn Jahren etabliert. Es gab also keine Regel die klar verboten hätte, dass ein Kran Baumteile hebt, die ein Kletterer im Baum abschneidet. Strittig oder in der gewünschten Form nicht zulässig war der Transport des Kletterers am Kran. Weder der Zustieg noch die Wege durch den Baum durften am Haken stattfinden. Weil genau dieses Vorgehen aber viel Kraft sparen kann und ein effizienteres Arbeiten ermöglicht, wurde es trotzdem praktiziert und es bestand ein entsprechender Druck, dieses Verfahren zu regeln und zu beschreiben.

SVLFG: Merkblatt B09 „Seilklettertechnik im Gartenbau“

Bei der Gartenbau BG gab es eine Arbeitsgruppe, die Details für einen ersten Entwurf zusammenstellte. Nach dem positiven Ergebnis der Vorführung wurden die Regeln für den Einsatz von Fahrzeugkranen in der GBG 1.1 festgehalten. Inzwischen findet man die Informationen dazu im Merkblatt B09 der SVLFG „Seilklettertechnik im Gartenbau“ (PDF, S. 22 ff.). Es wäre wünschenswert gewesen, dass auch die Berufsgenossenschaft Transport und Verkehr in ihrer Funktion als Unfallversicherer schriftliche Festlegungen für ihre Versicherten (Kranführer) getroffen hätte. Das ist leider nicht geschehen.

Problem: Verfahren für SKT zugelassen, für Kranführer nicht

Kranfällung mit Seilklettertechnik (SKT)So kam es dazu, dass Baumkletterer ihre Baustellen mit Mobilkraneinsatz planten und dabei ausdrücklich auf die Vorteile des Personentransportes am Kranhaken setzten – aber mit diesem Vorhaben scheiterten, weil die Kranfirmen auf Nachfrage bei ihrer Berufsgenossenschaft erfuhren, dass das nicht zulässig sei.

Die Gartenbau BG, jetzt SVLFG, stellte sich hinter ihre Versicherten, weil man dort gesehen und verstanden hatte, dass der Personentransport am Kranhaken die Versicherten, also die Kletterer, schützen kann. Das gilt nicht absolut für jede Baustelle, sonst wäre der Kran inzwischen das Standardarbeitsmittel. In klar definierten Situationen kann das Ankern am Kran aber tatsächlich körperschonender und sicherer sein als alle anderen Alternativen.

Um also eine Fällung mit SKT und Mobilkran auszuführen, musste und muss man eine Kranfirma finden, die akzeptiert, dass die SVLFG den Kletterern (nach einer nachvollziehbaren und schlüssigen Gefährdungsbeurteilung) das Ankern am Kran erlaubt. Dann ist eigentlich alles in Ordnung.

Mögliche Lösungen des Konfliktes

Die Lösung dieses Konfliktes zwischen den zwei Unfallversicherern wäre auf zwei verschiedenen Wegen möglich. Entweder Vertreter der beiden Berufsgenossenschaften setzen sich ein weiteres Mal zusammen und kommen noch einmal zu dem Ergebnis von 2011, setzen die Erkenntnisse aber auf beiden Seiten schriftlich um. Oder das Bundesministerium für Arbeit und Soziales klärt die Sachlage extern über eine Verankerung des Verfahrens in einer Technischen Regel zur Betriebssicherheit (TRBS). Solche Regeln präzisieren Vorgaben der Betriebssicherheitsverordnung und existieren unter anderem auch für Zugangs- und Positionierungsverfahren unter Zuhilfenahme von Seilen.

Bis zur, wie auch immer ausfallenden, Lösung können Baumkletterer aber nach den Empfehlungen aus dem Merkblatt B09 in Kombination mit Mobilkranen arbeiten.

Neuer Kurs „Kranfällung mit Seilklettertechnik“

Kranfällung mit Seilklettertechnik (SKT)Weil Fällarbeiten mit dem Kran im Vergleich zum Einsatz von Riggingtechniken, wie sie im SKT B-Kurs gelehrt werden, völlig verschieden sind, steht die berechtigte Frage im Raum, wie man das nötige Wissen dazu erlangen kann. Wie immer gibt es den Weg von Versuch und Irrtum oder aber die Möglichkeit, von Kollegen zu lernen, die diesen Weg schon mehr oder weniger weit gegangen sind.

Um eine weitere Alternative zu schaffen, bietet die Münchner Baumkletterschule den Kurs „Kranfällung mit Seilklettertechnik“ an. Voraussetzung für die Teilnahme ist der SKT B-Ausweis und ausreichende Erfahrung mit der Motorsäge und Riggingtechniken im Baum. Es wurde bewusst auf eine Mindestzahl an Kletterstunden verzichtet, weil der souveräne Umgang mit den fortgeschrittenen Techniken nur bedingt durch die Zahl der Stunden im Baum beeinflusst wird. Das soll aber auf keinen Fall heißen, dass man sich deswegen gleich nach dem B-Kurs zum Krankurs anmelden kann. Es geht im Gegenteil eher darum, dass man auch mit vielen Stunden vielleicht nicht gut vorbereitet ist, wenn die Arbeit nur auf Obstbäumen und kleinen Fichten stattfand.

Kursinhalte

Der Kurs schafft über drei Tage eine solide Grundlage für die Arbeit mit dem Kran. Am Anfang werden die Planung und die Einsatzvoraussetzungen besprochen. Die Gefährdungsbeurteilung und die Rettungsplanung werden an die besonderen Baustellenbedingungen angepasst. Die Rettungen werden praktisch geübt. Die Möglichkeiten des PSA-Ankerpunktes am Kran werden vorgestellt und besprochen.

Der zweite Kurstag gehört dem Einsatz von Anschlagmitteln, den Lastabschätzungen und den Schnitttechniken für die Kranarbeit. Am dritten Tag geht es nur noch um die praktische Anwendung des vermittelten Wissens. Jeder Kursteilnehmer schlägt Baumteile an, kommuniziert mit dem Kranführer und schneidet Äste/Stammteile ab, die dann aus dem Baum gehoben werden.

Niemand muss einen Kurs absolvieren, um dieses Verfahren legal anzuwenden. Trotzdem spart es vielleicht Material, Geld und Nerven, mit einer fundierten Ausbildung in diesen neuen Arbeitsbereich zu starten. Die Ausbilder der Münchner Baumkletterschule freuen sich auf neugierige, motivierte Kursteilnehmer!

>> Alle Infos, Termine und Anmeldeformular im Kursprogramm

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