Kletterblatt 2005 - page 76

Entstehung
Ausführung
Wie ein Spinnennetz schwebt da eine
Netzlandschaft zwischen den Eichen des
Allerparks in Wolfsburg. Das Netz ist be-
weglich und doch belastbar, es gibt nach
unter dem Gewicht der kleinen und gro-
ßen Kletterer und gibt ihnen doch Halt,
wenn sie bis zu vier Meter über dem Bo-
den der Berg-Tal-Kletterlandschaft folgen.
Diese Netzlandschaft in Wolfsburg wirkt leicht
und einfach. Und doch stecken viel Überlegun-
gen und Arbeit dahinter, bis ein derartiges Ge-
bilde sicher hängt. Denn die Aufhängung ist
etwas Besonderes. Das Netz hängt an den Bäu-
men, sein Gewicht und das der Kletterer wird
von den Eichen getragen.
Die Idee, Spielgeräte in Bäume zu hängen, ist
nicht neu. Neu ist jedoch, dass eine derartige
Konstruktion für die Bäume verletzungsfrei
bleibt und TÜV-abnahmefähig ist. Für die Ent-
wicklung der Konstruktion, die Aufhängung,
die Prüfung und Berechnung der Baumstatik
war dann auch ein eingespieltes Team notwen-
dig, das die verschiedenen erforderlichen Kom-
petenzen zusammentrug. Das Projekt wurde fi-
nanziert über Mittel der Landesgartenschau
2004 in Wolfsburg und soll über die Garten-
schau hinaus bestehen bleiben. Es geht zurück
auf einen Entwurf des Planungsbüros Sinai,
Hausdorf und Nolte.
Zunächst mußten die beteiligten Firmen den
Entwurf an die Gegebenheiten anpassen, was
eine nicht ganz einfache Aufgabe war. Die Or-
ganisatoren der Landesgartenschau hatten als
Standort ein kleines Wäldchen ausgewählt, das
aus sehr schlanken Eichen mit hohem Kronenan-
satz bestand.. Diese Bäume waren auch ohne
Netzkletterlandschaft erhöhten Belastungen aus-
gesetzt, da wegen Baumaßnahmen für die Lan-
desgartenschau in das kleine Wäldchen eine
Schneise geschlagen worden war. Diese Freistel-
lung von Bäumen aus einem ehemals geschlos-
senen Waldbestand musste bei den baumstati-
schen Untersuchungen berücksichtigt werden.
Die ursprüngliche Idee, die Netzlandschaft mit
Baumgurten in Astgabeln zu befestigen, mus-
ste unter diesen Umständen verworfen werden.
Die Astgabeln lagen zu hoch, und eine derartig
hohe Aufhängung hätte aufgrund der Hebel-
wirkung die ohnehin geschwächten Bäume in
ihrer Standsicherheit zu sehr gefährdet. Eine
andere Aufhängung musste also entworfen
werden: die Keilkette. Sich nach oben verjün-
gende Eichenkeile, aufgefädelt an Stahlseilen,
wurden wie ein Gürtel um den Stamm gelegt
und verzurrt. Die Kletterlandschaft selbst wurde
dann mit einem Stahlseil, das in einer Schlinge
um die Keilkette gelegt wurde, daran befestigt.
Aufgrund des Anpressdrucks der Keilkette an
den Stamm und aufgrund der sich nach unten
verdickenden Keile kann die Schlinge nicht
nach unten rutschen. Die Keilketten wurden
von einer Materialprüfungsanstalt auf Ihre Hal-
tekraft hin untersucht.
Zunächst mussten die Eichen im Spielbereich
visuell kontrolliert und auf Ihre Vitalität hin unter-
sucht werden. Da mit erhöhtem Besucherver-
kehr gerechnet werden musste und außerdem
Windwurf und -bruch im benachbarten Wald-
stück stattgefunden hatte, waren eingehendere
Untersuchungen der Bäume durch Zugversu-
che notwendig. Die Anwendung der Elasto-/In-
Thema
kletterblatt
05
76
Eine Netzlandschaft in Bäumen
Neues Konstruktionsprinzip in Wolfsburg
1...,66,67,68,69,70,71,72,73,74,75 77,78,79,80,81,82,83,84,85,86,...96
Powered by FlippingBook