dende Idee: „Ich gründe eine Baumschule in Afrika!“
        
        
          Ich hab’s auch gleich laut gesagt, was meine Freunde
        
        
          einhelligmit „du spinnst!“ kommentierten.
        
        
          
            ?
          
        
        
          
            Und wie ging’s dann weiter?
          
        
        
          Ich blieb dabei. Gleich am Montag nach dieser Ad-
        
        
          ventsfeier nahm ich Kontakt zu einigen afrika-
        
        
          nischen Botschaften auf: Malawi, Kenia und Nami-
        
        
          bia. Alle drei zeigten durchaus Interesse an diesem
        
        
          Projekt und baten um eine schriftliche Anfrage.
        
        
          Nachdem die Schreiben losgeschickt worden waren,
        
        
          kam tatsächlich eine Antwort zurück – aus Namibia.
        
        
          
            ?
          
        
        
          
            Wie, das klappte dann ganz einfach so?
          
        
        
          Nein, natürlich war das erst ein allererster Anfang.
        
        
          UminNamibia eine Baumschule eröffnen zu können,
        
        
          brauchte ich zunächst eine entsprechende forstwirt-
        
        
          schaftliche Studie. Und ich musste viele weitere Be-
        
        
          hörden und Institutionen von meiner Idee überzeu-
        
        
          gen. So nahmichKontakt aufmit der DSE–Deutsche
        
        
          Stiftung für Internationale Entwicklung, heute GIZ
        
        
          – Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusam-
        
        
          menarbeit, undmit Prof. Dr. Hans Lamprecht, einem
        
        
          Experten für den tropischen Wald. Man zeigte sich
        
        
          durchaus angetan von meiner Idee. Prof. Dr. Ralph
        
        
          Mittlöhner von der Universität Göttingen, ebenfalls
        
        
          Experte für tropischenWaldbau, erarbeitete dann ei-
        
        
          nen passenden Fragenkatalog.
        
        
          
            ?
          
        
        
          
            Da waren also schon mal namhafte Experten mit im
          
        
        
          
            Boot. Doch wie kam der Fragenkatalog nach Namibia?
          
        
        
          Die namibische Botschaft, damals noch in Bonn, or-
        
        
          ganisierte eine Försterin mit Dienstauto vor Ort. So
        
        
          stand der Studie und einer Beantwortung des Fra-
        
        
          genkatalogs nichtsmehr imWeg. Ich fuhr gemeinsam
        
        
          mit der Försterin dreiWochen lang Tausende vonKi-
        
        
          lometern, quer durch den bewaldeten Norden Nami-
        
        
          bias – so lange und soweit, bis alle Fragen beantwor-
        
        
          tet waren. Zurück inDeutschland führte ich die Ant-
        
        
          worten zusammen, verfasste die Studie und schickte
        
        
          sie an das BMZ–Bundesministeriumfürwirtschaft-
        
        
          liche Zusammenarbeit und Entwicklung – sowie die
        
        
          GTZ–DeutscheGesellschaft für TechnischeZusam-
        
        
          menarbeit, heute Teil der GIZ.
        
        
          
            ?
          
        
        
          
            Jetzt waren also die Behörden am Zug, sicher keine
          
        
        
          
            einfache Phase?
          
        
        
          Sollte man meinen, aber da zogen nun wirklich viele
        
        
          mitmir an einemStrang. Zudemerwies sich der Zeit-
        
        
          punkt als perfekt, das Projekt stand unter einem gu-
        
        
          ten Stern. Denn 1995 war ein Staatsbesuch des da-
        
        
          maligen deutschen Bundeskanzlers Helmut Kohl
        
        
          beim namibischen Staatspräsidenten Sam Nujoma
        
        
          geplant. ImBMZ arbeiteteman sich durch die Studie,
        
        
          sogar übersWochenende. BMZundGTZbefandendie
        
        
          Idee für gut – der Kommentar der Chefetage: „Jetzt
        
        
          wissen wir über die Forstwirtschaft in Namibia Be-
        
        
          scheid.“ Ich belagerte außerdem die Zuständigen für
        
        
          Natur und Umwelt im Bundeskanzleramt so lange,
        
        
          bis man mir endlich versprach, die Studie an den
        
        
          Bundeskanzler weiterzuleiten. Tatsächlich sprach
        
        
          der beim Treffen mit Sam Nujoma über die Idee, in
        
        
          Namibia eineBaumschule zu gründen. Damitwar der
        
        
          Startschuss für das Projekt gefallen.
        
        
          
            ?
          
        
        
          
            Wann und wie wurde dann tatsächlich eine Baum-
          
        
        
          
            schule Realität?
          
        
        
          1996 wurde die Organisation „Bäume für Menschen
        
        
          –Trees for theWorld®“ inDeutschland gegründet. Bis
        
        
          die Baumschule in Namibia gebaut werden konnte,
        
        
          vergingen aber nochmal drei Jahre, denn die Suche
        
        
          nach einem geeigneten Standort gestaltete sich
        
        
          schwieriger, als zunächst gedacht. Das lag zum einen
        
        
          daran, dass ich damals immer nur vier Wochen am
        
        
          Stück vor Ort sein konnte und somit eine kontinuier-
        
        
          liche Suche nicht möglich war. In der restlichen Zeit
        
        
          war es sehr schwierig, mit den namibischen Gemein-
        
        
          denvorOrt inKontakt zubleiben. Zumanderenwurde
        
        
          zunächst inZentral-Namibianach einemPlatz für die
        
        
          Baumschule gesucht. Erst später erkannte man, dass
        
        
          sichderNordendes Landeswesentlichbesser eignete.
        
        
          
            ?
          
        
        
          
            Warum eignete sich der Norden des Landes besser?
          
        
        
          Ganz einfach, weil dort Bäume fehlten. Trotzdemwar
        
        
          es nicht leicht, eine Gemeinde zu finden, die sich von
        
        
          der Idee begeistern ließ, das notwendige Land zur
        
        
          Verfügung hatte und die schließlich auchmitmachte.
        
        
          1999 waren auch diese Probleme gelöst und die
        
        
          Baumschule inOndangwa konnte gebautwerden.
        
        
          kletterblatt 2014
        
        
          
            30
          
        
        
          Trees of the World
        
        
          Porträt