Kletterblatt 2004 - page 16

Praxissituation
Eine Woche Ausbildung
geht schnell vorüber und
lässt meist wenig Zeit, um
alle wichtigen Dinge, die un-
mittelbar mit der Arbeit im
und am Baum verbunden
sind, ausführlich anzu-
sprechen.
Während der SKT-Ausbil-
dung wird im Zusammen-
hang mit der Gefährdungs-
beurteilung schwerpunktmä-
ßig auf Ausrüstung, Arbeits-
geräte, eingesetzte Personen,
Gefahren am Einsatzort, Bau-
stellenabsicherung sowie auf
Notfall- und Rettungsmaßnah-
men eingegangen. Die The-
matik der baumbezogenen
Gefahren wird hierbei inte-
griert, wobei das Fachwissen
zur Baumbiologie bzw. -statik
beim (angehenden) Baum-
pfleger weitgehend voraus-
gesetzt wird.
Nach erfolgreichem Ab-
schluss des Lehrgangs SKT-B
und der somit erworbenen
Fachkunde kann der Kletterer
auf der Baustelle als Aufsichts-
führender eingesetzt werden.
Die VSG 4.2 und die GBG 1.1
der Gartenbau-Berufsgenos-
senschaft definieren diesbe-
züglich klar die inhaltliche
Seite und die Rechtslage. Da-
durch ist der Aufsichtsführen-
de nicht nur für sich verant-
wortlich, sondern ihm obliegt
u.a. auch die Sicherheitsbeur-
teilung von Bäumen, die durch
Kollegen bearbeitet werden.
Mit seiner Unterschrift auf der
Gefährdungsermittlung quit-
tiert er für die Richtigkeit der
Angaben.
Die Praxis zeigt allerdings,
dass gerade auf diesem Gebiet
oft lückenhafte Kenntnisse vor-
handen sind. So finden sich
auf dem ersten und zweiten
Platz der Unfallstatistik der
Berufsgenossenschaft für den
Zeitraum 2001 bis 2003 je-
weils 6 Unfälle mit Versagen
des Ankerpunktes und Versa-
gen des Standastes. In ursäch-
lichem Zusammenhang ste-
hen hier neben falscher Seil-
führung bzw. Einschätzung
der Belastbarkeit auch die feh-
lerhafte Beurteilung der Bruch-
sicherheit von Ästen und Kro-
nenteilen.
Anforderungen
Für die Sicherheit ist nicht
nur das Erkennen von Merk-
malen bzw. Schadsymptomen
am Baum entscheidend, son-
dern es kommt auf die Beur-
teilung an. Nicht jeder Zwie-
sel, jede Stammneigung oder
jeder Unglücksbalken ist je-
weils ein Sicherheitsrisiko. Ein
Gefährdungspotenzial ergibt
sich aber meist, wenn weitere
Symptome auftreten. So ist
z.B. am schrägen Stamm auf
sich ablösende Rinde an der
Stammoberseite, auf Rinden-
falten oder Quer- bzw. Schub-
risse zu achten.
Darum sollte der Baumpfle-
ger in der Lage sein, Defekt-
symptome im Kronen-,
Stamm- und Wurzelbereich
Thema
kletter
blatt
16
Kontrollbereich
Merkmal
Information
Schadsymptom
über Gesundheitszustand
Krone
Vitalität, Regenerationsvermögen
Gesundheitszustand
Astbereich
Zwiesel, Morschung/Höhlung, Risse, Unglücksbalken,
Bruchsicherheit der Baumkrone
Totholzanteil, Pilzbefall
Stamm
Zwiesel, Morschung/Höhlung, Risse, Stammneigung,
Gesundheitszustand
Pilzbefall, Faserstauchung, Reaktionsholz,
Bruchsicherheit
abgestorbene Rinde, Nekrosen
Wurzelraum
Morschung/Höhlung, Unglücksbalken, Risse, Pilzbefall,
Standsicherheit
Wurzelschäden, Bodenaufwölbung, Abgrabungen
Baumumfeld
Bedeckung, Verschmutzung, Versiegelung, Verdichtung,
Gesundheitszustand
Erosion, Überschüttung, Einengung, Bodenrisse, Bauarbeiten Standsicherheit
Die Informationen aus den Teilbereichen ergeben eine Gesamteinschätzung des Baumes über Gesundheitszustand, Bruch- und Standsicherheit.
Kontrollbereich Merkmal/Schadsymptom
Baumansprache: Kein Pro
Tabelle 1
1...,6,7,8,9,10,11,12,13,14,15 17,18,19,20,21,22,23,24,25,26,...72
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