Kletterblatt 2004 - page 54

stand etwa 40 cm durchhän-
gen. Im zweiten Beispiel über
5m Abstand wären sogar mehr
als 60 cm Stichtiefe erforder-
lich. Dies ist in der Praxis nicht
sinnvoll und würde die Kon-
trolle der Kronensicherungen
enorm erschweren.
Die mathematischen Zu-
sammenhänge lassen sich ver-
einfacht darstellen, wenn man
den Spielraum in Prozent der
Spannweite ausdrückt und
mit dem Verhältnis von Stich
und Spannweite vergleicht.
Für 5% dehnungslosen Spiel-
raum benötigt man demnach
eine Stichtiefe von rund 14%
der Spannweite.
siehe Grafik 2
Die Überlegungen zeigen,
dass mit Hilfe des Durchhangs
bei fachgerechtem Einbau kein
maßgeblicher Bewegungs-
spielraum der gesicherten
Kronenteile erreicht wird. Um
dennoch die Schwingungen
zuzulassen, muss die Dehn-
barkeit des Systems selbst
beeinflusst werden. Nach bis-
herigen Erkenntnissen ist dies
lediglich durch federnde Ele-
mente oder die sog. Gurt-
Der Einfluss des sog. Stichs,
also der Tiefe des Durch-
hangs, auf den dehnungslo-
sen Spielraum des Systems ist
viel geringer, als man anneh-
men möchte. Eine in der Pra-
xis gängige Verbindung zwi-
schen zwei Stämmlingen im
Abstand von 3 m lässt auf-
grund ihres üblichen Durch-
hangs von 10 bis 15 cm le-
diglich eine Bewegung der
Stämmlinge von weniger als
2 cm zu!
siehe Grafik1
Je größer die Spannweite
der Verbindung, desto weiter
schwindet die Wirkung des
Stichs. Während ein reichlich
bemessener Durchhang von
20 cm bei einer Verbindung
mit 2 m Spannweite immer-
hin noch zu einem Bewe-
gungsspielraum von rund
5 cm führt, reduziert dieser
sich bei 5 m Spannweite be-
reits auf nur noch etwa 2 cm.
Um einen dehnungslosen
Spielraum der gesicherten
Stämmlinge von wenigstens
20 cm zu erreichen, müsste
die Verbindung über 2 m Ab-
Gemäß ZTV Baumpflege sol-
len flexible Kronensicherungs-
systeme im Regelfall verhin-
dern, dass die gesicherten
Kronenteile starr verbunden
werden. Ansonsten würde
der mechanische Reiz unter-
drückt, der bei vitalen Bäu-
men zur Bildung von Reak-
tionsholz in geschädigten Be-
reichen führt.
Vielfach wird angenommen,
eine durchhängende Verbin-
dung verhelfe Kronensiche-
rungen bereits zu der erfor-
derlichen Flexibilität. Werden
Seil oder Gurtband nicht straff,
sondern mit Durchhang ein-
gebaut, verbleibt ganz offen-
sichtlich ein gewisser Spiel-
raum, bis das Sicherungssys-
tem „greift“, die Verbindung
also gespannt wird.
Thema
kletter
blatt
54
Was bewirkt
der Durchhang des Seiles?
Kronensicherungen
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seit 2001 öbuv
Baumsachverständiger
Brudi & Partner
TreeConsult
Der Autor:
Andreas Detter
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