Das Baumknotenbuch von Dirk Lingens gibt es jetzt in vier Sprachen. Das ist für uns Anlass, zwei Knoten aus dem Buch vorzustellen und einen eigentlich bekannten Knoten mit neuer Variante für SRT vorzustellen.
Das Knotenbuch „Baumknoten für Kletterer und Bodenleute, zusammengestellt von Dirk Lingens“ erscheint jetzt auch in einer französischen Ausgabe. Dirk Lingens gilt schon lange als Knoten-Koryphäe und war regelmäßig mit originellen Knoten im Kletterblatt präsent oder er analysierte problematische Situationen und bot praktische Lösungen an. Im ersten Kletterblatt 2004 beschrieb er die Problematik bei der Sicherung des Palsteks und präsentierte eine Lösung in der ihm eigenen Art: „Eine Lösung wäre es, auf einen anderen Knoten umzusteigen. Am besten auf den Karabiner fixierenden Knoten, z. B. den Spierenstichendknoten. Wer sich aber in den Palstek verliebt hat …“ Aber die einfache Lösung, auf einen anderen Knoten umzusteigen, das ist nicht Lingens’ Art. Er hatte eine Lösung mit dem Palstek.
Jetzt liegt sein Knotenbuch in vier Sprachen vor. Nach der deutschen, englischen und spanischen Ausgabe erscheint 2016 das Baumknotenbuch zusätzlich in Französisch. Das ist auch eine kleine Erfolgsgeschichte. Der Blick in das Knotenbuch lohnt sich und wer hätte vor 20 Jahren gedacht, dass Baumknoten ein ganzes Buch füllen können.
Zu diesem kleinen Jubiläum druckt das Kletterblatt zwei Knoten aus dem Baumknotenbuch ab. Wir danken Dirk Lingens für die Freigabe. Ausgewählt haben wir den Schmetterlingsknoten und die Motte. Vielleicht wundern Sie sich, dass wir den Schmetterlingsknoten ausgewählt haben, da er ja für Kletterroutiniers Alltag ist. Aber aufgepasst: Für Kletterneulinge ist es immer noch lohnend, auch den Schmetterlingsknoten zu kennen. Für die Routiniers hat Manuel Schuster eine clevere Idee, wie der Kletterer mit einem kleinen Trick die Vorteile des altbekannten Knotens in der Kombination mit SRT nutzen kann.
Und die Motte haben wir ausgewählt, weil sie oft auch Schmetterling genannt wird.

Schmetterlingsknoten:
Anleitung:
Entweder wie Abb. 1, Abb. 2.1 zu Abb. 3 oder Abb. 1, Abb. 2.2 zu Abb. 3.
Anwendung:
Entweder zum Würgen des Aufstiegsseiles oder zum Einhängen von Umlenkungen bei Flaschenzügen (hier ist jedoch die halbe Acht schöner).
Vorteile:
Die Enden kommen in Belastungsrichtung gerade aus dem Knoten heraus.
Bemerkung:
Man sieht schon einmal die Motte, die als Schmetterling verkauft wird.
Motte:
Manchmal wird die Motte auch als Schmetterling bezeichnet.
Anleitung:
Wie in Abb. 4 gezeigt einen Slipknoten machen und das Auge mit dem geslippten Ende mittels eines Halben Schlages fixieren (Abb. 5).
Anwendung:
Wer seine Wurfleine mit Beutel aus der Baumkrone heraus in die Nachbarkrone wirft, kann seinen Fanghaken sehr schön mit der Motte einhängen.
Vorteile:
Die Motte geht gut wieder auf. Die Größe des Auges lässt sich beim Binden mittels fixierten Slipknotens sehr schön regulieren (wichtig beim Einsatz des Fanghakens).
Nachteile:
Wenig Einsatzmöglichkeiten.
Bemerkung:
Wer keinen Fanghaken hat, braucht auch keine Motte. Man muss nur wissen, dass es kein Schmetterling ist.
Schmetterlingsknoten in der Einfachseiltechnik
Wie beim Abwürgen des Aufstiegsseiles am Ankerpunkt kann der Schmetterlingsknoten auch bei der Verwendung von SRT zum Einsatz kommen.
Durch ein mit Schmetterlingsknoten am Ankerpunkt gewürgtes Einfachseil ist jederzeit ein Rettungszustieg möglich. Wenn der verletzte Kletterer an der stehenden Seite hängt, reicht die Reibung im Knoten und an der Astgabel aus, um am „losen“ Seil als Retter aufsteigen zu können.
Allerdings gibt es Probleme beim Ausbau des Systems, wenn man den Vorteil der SRT nutzen will und natürliche Umlenkungen verwendet. Spätestens wenn der Schmetterlingsknoten an der Astgabel der Umlenkung angekommen ist, entsteht hier so viel Reibung, dass man das Seil nicht mehr abziehen kann.
Wenn man schon beim Einbau des Systems einen weiteren Schmetterlingsknoten etwas unterhalb der Astgabel ins lose Seil knotet und dort eine Rolle um den stehenden Strang einhängt, kann man das Seil auch wieder ausbauen, obwohl man umgelenkt hat. Die Reibung wird durch die Rolle gemindert und so kann ein dünnes Seil wieder ausgebaut werden. Man hat also den wichtigen Rettungszustieg abgesichert und mit den Vorteilen der Umlenkungen bei der Single Rope Technique kombiniert.
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Abbildung 6: Einbau vom Boden und Aufstieg. |
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Abbildung 7: Am stehenden Seil geklettert und durch eine Astgabel umgelenkt. |
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Abbildung 8: Ausbau nach dem Klettern. Die Rolle sorgt dafür, dass man das Seil trotz Umlenkung abziehen kann. |
Und immer gibt es noch eine bessere Variante. Haben auch Sie eine Anmerkung zum Schmetterlingsknoten, eine Kritik oder eine pfiffige Idee? Oder vielleicht eine ganz neue Knotenvariante? Ihre Kletterkollegen freuen sich über neue Knotenideen. Wir veröffentlichen Ihre Ideen und bringen die Knoten zu den Baumkletterern: baumknoten@kletterblatt.de
| Tipp |
| Alle Kletterblatt-Artikel von Dirk Lingens finden Sie hier im Kletterblatt-Archiv. |
| Der Autor: Manuel Schuster (E-Mail) B.Sc. Arboristik, Ausbilder der Münchner Baumkletterschule, zertifiziert: RAL Gütezeichen Baumpflege |



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