Die Schlange kommt aus dem Teich, kriecht um den Baum, will zurück ins Wasser, hat sich aber verlaufen und ist mit dem Schwanz am Baum hängen geblieben … Zweiter Versuch: Das Kaninchen läuft aus seinem Bau heraus, will um den Baum herum, streift diesen unglücklich und wird ohne den Baum umrundet zu haben von der ungesicherten Schlange gefressen …

So einfach der Palstek (Abb. 1) ist, so viele Schwierigkeiten bereitet er auch. Nicht nur dem Anfänger, sondern auch dem Profi unterlaufen mit diesem Knoten immer wieder Fehler. Neben seinem Einsatz im Rigging, vor allem als Laufender Palstek (Abb.2), wird er auch für die Personensicherung verwendet. Ich werde hier zeigen, welche Probleme, vor allem bei der Personensicherung, es mit diesem Knoten geben kann.
Der Palstek mag es nicht, wenn seine Schlaufe quer zum Seilverlauf belastet wird. Dadurch kann sich der Knoten öffnen, was schon zu Unfällen geführt hat. Der ungesicherte Palstek (Abb. 1) kann sich öffnen, wenn er unbelastet und in ständiger Bewegung ist, so zum Beispiel beim Einsatz als Anschlagknoten am Gurt.
Es gibt viele Möglichkeiten den Palstek zu sichern und ihn damit für die Personensicherung zu etablieren. Zwei haben sich in der Seiltechnik eingebürgert:

Die erste Sicherung ist ein Halber Knoten, der mit dem losen Ende um den naheliegenden Strang der Schlaufe gebunden wird (Abb. 3). Dies ist immer dann gut, wenn ein Sicherungsknoten in der Schlaufe nicht stört und der Knoten keiner Bewegung ausgesetzt ist. Auch der Halbe Knoten kann sich sonst aufschütteln. Einsatzmöglichkeiten sind zum einen Anschlagknoten in der Seilzugangstechnik (Industrieklettern) und zum anderen bei der Fixierung des Aufstiegsseiles am Stammfuß. Als Anschlagknoten am Gurt ist er leider ungeeignet.
Die zweite Sicherung ist die Yosemite-Sicherung (Abb. 4). Sie kann nur mit innen liegendem losen Ende gebunden werden (Abb. 1, Rechts-Palstek). Wenn die Sicherung richtig gesteckt ist, erfüllt sie ihren Zweck sehr gut.

Es gibt aber neben den vielen Möglichkeiten, das lose Ende zu sichern, noch zwei schwerwiegendere Probleme:
1. In dem Bemühen, das Auge des Palsteks sehr klein zu halten, geht die Übersicht verloren, und es kann passieren, dass der Kletterer sich in das falsche Auge hängt. Einigen ist es tatsächlich schon passiert. Der Karabiner folgt dann dem Pfeil in Abb. 5 und zieht die Sicherung auf.
2. Gravierender, weil schwerer zu erkennen, ist folgendes Problem: Der Yosemite-Palstek lässt sich mit einer kleinen Bewegung kaputt ordnen (Abb. 6). Ich habe ihn den „Toten Yosemite-Palstek“ genannt. Wenn man die Sicherung wieder herauszieht, kann man sehen, was passiert ist.
Ergo: Der Einsatz des Palsteks als Anschlagknoten am Gurt sollte mit höchster Vorsicht erfolgen!
Lösung:

Eine Lösung wäre es, auf andere Knoten umzusteigen. Am besten auf den Karabiner fixierende Knoten, z.B. den Spierenstichendknoten. Wer sich aber unsterblich in den Palstek verliebt hat, kann den Doppelten Palstek nehmen, ohne fremd zu gehen (Abb. 7). In der Bucht gelegt (Abb. 8) ist er schneller zu binden als der Yosemite-Palstek. Gesteckt ist er aufwendiger – vom Palstek ausgehend wird das lose Ende parallel zum gesamten Seilverlauf zurückgeführt – aber immer noch vertretbar. Der Doppelte Palstek verzeiht es einem sogar, wenn man sich nur in eine der beiden Schlaufen hängt.
| Information |
| Mehr zum Palstek und anderen Knoten in dem Buch Baumknoten von Dirk Lingens |
| Der Autor: Dirk Lingens selbständiger Baumpfleger mit SKT und Ausbilder SKT, tätig auch im Industriebereich – Seilzugangstechnik Weitere Informationen |
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