Den kennen Sie nicht!

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Premiere für den Raulien-Knoten: Knoten gibt es so viele wie Blätter an Bäumen. Doch manchmal wünscht man sich einen Knoten, den es leider noch nicht gibt. Vielleicht gibt es ihn doch. Helmut Raulien stellt seinen neuen Knoten im Kletterblatt vor. Dirk Lingens kommentiert ihn.

Der Knoten eignet sich zur Verbindung von zwei Enden, aber auch für eine feste Schlinge. Es handelt sich um eine gelegte Doppelschlinge (Abb. 1), in die mit dem anderen Seil bzw. dem Ende eine ebensolche, gleichsinnig gewundene Doppelschlinge gesteckt wird. Dazu muss man das Seilende dreimal durchstecken (Abb. 3a, b, c). Wichtig ist, dass die Doppelschlingen einer Brezel gleichen. (Abb. 1) Ein Ei wäre falsch (Abb. 2).

Raulien-Knoten 1

Beim Zusammenziehen muss man auf jeder Seite die beiden Seile möglichst nahe am Knoten alle zusammendrücken (Abb. 4 und 5), und darauf achten, dass beide Doppelschlingen eine Brezel bleiben und nicht zum Ei werden. Wenn das beachtet wird, legt sich der Knoten richtig. Dann kann man ihn festziehen (Abb. 6).

Leider ist der Knoten schwer lösbar, wenn er festgezogen ist. Er eignet sich daher wohl weniger als Kletterknoten. Eher zum dauerhaften Befestigen von Werkzeugen etc. an Sicherheitsschnüren.

Zum Lösen des Knotens kann man, wenn es anders nicht geht, die jeweils parallelen Seile auseinander ziehen, immer abwechselnd auf beiden Seiten. Irgendwann macht es Flupp, und der Knoten klappt um in einen kreuzförmigen, lockereren Modus, der sich leicht lösen lässt. Wenn nur an einer Seite die parallelen Enden auseinander gezogen werden, kann der Knoten nicht umkippen, er ist also sicher. Besonders wenn er mit einem Spierenstich gesichert ist (Abb. 7).

Raulien-Knoten 2

Ich bin gespannt auf Kommentare zum Knoten. Bringt er Euch etwas und ist er wirklich eine Neuheit? Vielleicht ist es ja doch ein echter Raulien-Knoten!

Statement
Raulien-Knoten: Varianten
 
Der Knotenexperte Dirk Lingens – man nennt ihn auch den Knotenpapst – hat seinen kritischen Blick auf den Raulien-Knoten geworfen. Hier sein Kommentar:

Neuer Knoten oder alte Kamelle? Bei Ashley, dem wirklichen Knotenpapst, habe ich den Knoten weder als Verbindungs- noch als Schlaufenknoten gefunden. Bei 7000 Zeichnungen kann es aber auch sein, dass ich ihn übersehen habe. Aber man kann wohl getrost vom Raulien-Knoten sprechen. Ich schlage vor, ihn Raulien-Verbindungsknoten (Abb. 5) und Raulien-Schlaufe (Abb. 4) zu nennen.

Bei mir haben sich noch interessante Varianten ergeben (Abb. 1 – 3 bei den Schlaufen). Besonders Abb. 1 gefällt mir gut, da die Schlaufe gespreizt ist. Bei den Verbindungsknoten ist wohl nur Abb. 5 interessant, der wie Ab. 4 gebunden wird. Zu Abb. 1 – 3 gibt es jeweils einen entsprechenden Verbindungsknoten und zu allen Abbildungen noch eine spiegelbildliche Version. Schade ist, dass man den Knoten mit dem Seilende binden muss, da Mittseilknoten mehr Anwendungsmöglichkeiten bieten. Auf jeden Fall ist es ein sehr ästhetischer Knoten. Ich gehe auch mal davon aus, dass es ein sehr sicherer Knoten ist, der unter Last nicht durchrutscht. Das sollte man aber noch prüfen, bevor man etwas Wichtiges reinhängt wie zum Beispiel das Leben.

Für die Baumpflege oder den Industriebereich sehe ich erstmal keine direkte Anwendung, was nicht heißt, dass es die nicht gibt. Wenn ihr Ideen habt, lasst es mich wissen.

 

Die Autoren:
Helmut Raulien
Industriekletterer, Metallbaumeister

Dirk Lingens (Statement)
Selbständiger Baumpfleger, Ausbilder der Münchner Baumkletterschule, Autor des Buches Baumknoten
Weitere Informationen

 
Online blättern im Kletterblatt 2010: "Den kennen Sie nicht!" Nach oben
 

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