Es ist kein Trick

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Abziehbare Umlenkung mal anders: Die Seilklettertechnik ist kein starres Arbeitsverfahren mit streng vorgegebenen Lösungen. Zu vielfältig sind die Anforderungen im Einzelfall. Technische Detail-Lösungen tragen dazu bei, die Arbeit in verschiedenen Situationen leichter und sicherer zu machen.

Seilumlenkungen sind ein Beispiel für solche technischen Lösungen. Im Außenastbereich angebracht, minimieren sie z. B. nicht nur in großen Bäumen die Pendelsturzgefahr in Richtung Stamm. Sie erleichtern auch das Klettern in der Peripherie. Eine Umlenkung, die im Außenastbereich gesetzt wird, belässt ein Großteil der Zugkraft am sicheren Hauptankerpunkt. Die Sicherheit wird dadurch deutlich erhöht und der Kletterer kann zudem den Seilwinkel optimal wählen, was das Klettern im Peripheriebereich sehr erleichtert oder z.T. sogar erst möglich macht.

Solche Umlenkungen (in der internationalen Sprache der Baumkletterer auch Redirects genannt) haben den Nachteil, dass der Ausbau dieser Umlenkungen nicht so einfach zu machen ist, will man nicht zum Umlenkpunkt zurückklettern. Es gibt Lösungen, z. B. die Umlenkung zum Schluss einzubauen, um nach dem Abseilen die Umlenkung vom Boden aus zusammen mit dem Kambiumschoner abzuziehen.

Andere abziehbare Umlenkungen unter Zuhilfenahme vom Kletterseilende oder der Wurfschnur sind recht aufwändig im Aufbau und bringen den Nachteil des unbeabsichtigten Lösens mit sich (z. B. abgesägter ins Seil fallender Ast). Wäre eine Umlenkung, die jederzeit und überall „im Baum“ ausbaubar ist nicht etwas Geniales? Gibt es nicht? Gibt es doch!

Gecko Slip Zubehör

Man braucht nur eine kleine „Whoopie“-Schlinge, einen PSA-Karabiner, eine PSA-Rolle, einen kleinen Ausbaukarabiner oder einen Schäkel, eine modifizierte Abziehkirsche und einen speziellen Slipknoten (Abb. 1). Für den Bau der Whoopie-Schlinge empfehle ich das zehn Millimeter Hohltaugeflecht Tenex. Es ist gut spleißbar und der Slipknoten lässt sich auf diesem Material beim Ausbau auch nach Belastung gut öffnen.

 

Geeigneter Slipknoten
Gecko Slip Schritt 1+2Kernstück der Umlenkung ist ein Slipknoten. Er soll sicher und nach Belastung wieder gut aufgehen. Beim Testen von fast zwei Dutzend Slipknotenvarianten bin ich auf einen neuen Knoten gekommen und habe ihn „Gecko Slip“ genannt. Durch seine drei Wicklungen lässt er sich im Gegensatz zu den anderen Slipknotenvarianten nach Belastung sehr leicht lösen.

Beim Bau der Umlenkung legt man das verstellbare Auge der Whoopieschlinge in eine Astgabel. Gecko Slip Schritt 3+4Das lange Ende mit dem Ausbaukarabiner läuft erst durch den PSA-Karabiner, um einen ungünstigen Seilverlauf aus dem Spleiß zu vermeiden. Anschließend wird eine Bucht in das verstellbare Auge gelegt (Abb. 2). Danach werden drei Wicklungen um die gerade gesteckte Bucht gelegt (Abb. 3). Damit diese zusammen gehalten werden (wie eine Brücke beim Klemmknoten), legen wir eine neue Bucht aus dem verbleibenden Material um den Einzelstrang, der zum PSA-Karabiner führt (Abb. 4). Die neue Bucht wird in das entstandene Auge geführt (Abb. 5). Zum Festziehen des „Gecko Slip“ muss man nur noch an den Knoten greifen und am Einzelstrang, der zum PSA-Karabiner führt, ziehen.

Gecko Slip: Einlegen Kletterseil

Richtiges Einlegen des Kletterseiles
Der stehende Seilstrang (Spleiß/Seilauge) wird durch die Rolle geführt, der laufende Seilstrang (Klemmknotenseite) direkt in den Karabiner eingelegt. Der Ausbaukarabiner wird zwischen Kambiumschoner und Umlenkung ins laufende Seil eingeklickt (Abb. 6).

 

Ausbau der Umlenkung
Zum Ausbau benötigt man eine herkömmliche 22 Millimeter Ausbaukirsche, die man mit einer Wurfschnurschlinge versieht. Ich bastle mir diese Schlinge aus dem Material der Wurfleine „Zing-it 17“, denn bei dieser Wurfleine besteht kaum Gefahr, dass der Klemmknoten beim Ausbau verrutscht.

Gecko Slip Ausbau 1

Zum Ausbau muss man sein Hauptseil lockern und lösen. Selbstverständlich sichert man sich vorher mit der Haltesicherung. Die Kirsche wird mittels besagter Schlinge mit einem Klemmknoten am laufenden Seilstrang des Kletterseiles fixiert und festgezogen. Als Klemmknoten eignet sich ein Klemmheist mit drei Wicklungen (Abb. 7).

 
Gecko Slip Ausbau 2

Nun holt man sich am Hauptklettersystem so viel Seil aus dem Klemmknoten heraus (nach oben), wie für die Entfernung vom Kletterer zur Umlenkung vonnöten ist. Wenn man jetzt am stehenden Seilstrang zieht (Seite mit dem Auge/Spleiß), wandert die Kirsche in Richtung Umlenkung, geht durch den PSA-Karabiner hindurch, bleibt am Ausbaukarabiner hängen und löst den „Gecko Slip“ (Abb. 8).

Die Umlenkung ist jetzt gelöst und hängt im lockeren Klettersystem. Beim Straffen des Klettersystems wandert die Umlenkung zurück zum Kletterer und kann vom Seil abgenommen werden.

It’s not a trick. It’s a Gecko Slip.

Der Autor: Peter Maroschek
Gecko Baumdienst, Fachagrarwirt Baumpflege und -sanierung, Ausbilder der Münchner Baumkletterschule, Sachkundiger für PSA gegen Absturz, Gärtner GaLaBau

 
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