Am Limit

Verfasst von

in

,

Andrés Beisswingert berichtet über seinen Gastauftritt im Fernsehen.

Wie ist das, wenn man an sein Limit muss? Ich bin Baumkletterer und Takler … Es war im Juni 2005 auf der Kieler Woche. Ich hatte dort einen Servicestand für Spleiß- und Takelarbeiten. Plötzlich stand eine junge Frau vor mir und fragte mich über Knoten aus. Sie macht nicht den Eindruck, als ob sie täglich mit Knoten oder Spleißen zu tun hätte. Aber egal, bei dem Thema war ich ja voll in meinem Element. So nebenbei fragte sie mich, ob ich mir vorstellen könne, in der Sendung „Stars am Limit“ mitzuwirken. Der Star war mir egal, aber das Limit reizte mich. Meine Augenbrauen gingen fragend nach oben. Sie sagte mir einfach, dass in dieser Sendung Stars mit Aufgaben konfrontiert würden, die sie ans Limit brächten. In der folgenden Sendung hätten sie einen Promi, der bis dahin 40 Knoten zu lernen hätte. Diese würden dann in der Sendung angefragt werden. Man wolle diesen Star so richtig und gnadenlos an sein Limit bringen. Und ich müsste die Antworten kontrollieren – meine Augenbrauen und Kinnlade gingen nach unten – also doch nur der Oberschiedsrichter sein. Na, sagte ich mir, Beisswingert, du bist anscheinend doch eine seriöse person. Ich sagte zu.

Der Sender schickte mir eine Knotenbox mit 40 Knoten, die ich mir zu Gemüte führte.Bald darauf wurde ich nach Berlin eingeladen, wo die Sendung der Stars am Limit mit Kai Pflaume aufgezeichnet werden sollte. Ich fuhr mit der Bahn nach Berlin und wurde Bahnhof Zoo von einem Chauffeur empfangen – anscheinend steht das einem Knoten-Fachmann zu – und ab ging’s in das Aufnahmestudio, wo die 40 Knoten an einer Wand aufgereiht waren. Eine Wand mit 40 Knoten – wenn das kein Limit ist. Diese Knoten fragte mich Kai Pflaume ab und irgendwann war er zufrieden. Dann ging’s zur Maske. An meinem Gesicht kann man ja sowieso nicht mehr viel retuschieren, dachte ich. Aber der Puder und die Schmiere brachten mich fast an mein Limit. Danach ging’s um die Klamotten. Schwarze Hose, weißes Hemd und eine Kapitänsjacke. Vermutlich benötigt man, um kompetent in Knoten zu sein, eine Kapitänsjacke. Wäre mal interessant, zu überlegen, ob man dieses Kleidungsstück auch in der SKT-Baumpflege einführen sollte. Da ich mit meinen Jesulatschen gekommen war – ich besitze nur diese und ein Paar ausgelatschte Treter, aber die harmonieren anscheinend nicht mit einer Kapitänsjacke – wurde ein Fahrer losgeschickt, um ein Paar schwarze Halbschuhe zu kaufen. Die passten und mit diesen neuen schwarzen Schuhen war ich dann gestylt für die Sendung.

Auf meinen Promi war ich sehr gespannt. Ich dachte an, naja was man sich halt so denkt bei Promis, die mit mir ans Limit gehen müssen. Dann kam mein Promi: Katy Karrenbauer, das war mein Limit. Aber jetzt gab es kein Zurück. Ich sage ja immer, Baumkletterer sind stahlharte Typen. Und am limit sind wir eigentlich immer. Der Sendungsablauf wurde einmal geprobt und dann ging es los. Die Zuschauer strömten ins Studio – wer will nicht einen Star am Limit sehen – Anweisung – klatschen am Limit – klack – die Sendung wird aufgezeichnet. Wir, das heißt mein Promi und ich, kamen zum Schluss dran. Frau Karrenbauer bekam vier Knoten. Einen durfte sie falsch bezeichnen und das hat sie auch gemacht. Der Rest klappte und alle klatschten. Für mich oder Katy Karrenbauer. Ihre Show geht weiter, meine war zu Ende.

In der Garderobe wieder abtakeln und die Sachen abgeben. Man fragte mich, ob ich die schwarzen Schuhe haben möchte, aber ich lehnte dankend ab. Ich hatte ja meine Jesuslatschen. Die Mädels schüttelten den Kopf.

Abends gab es noch eine tolle Party, dann mit Chauffeur ins Hotel und am nächsten Tag wieder nach Bremen. Etwas Kohle gab es auch dafür und unterm Strich hatte es viel Spaß gemacht. Nicht am Limit, aber hart an der Grenze.

Der Autor: Andrés Beisswingert
selbständiger Baumpfleger und -kletterer, außerdem zählt er zu den besten Spleißern weltweit und entwickelt und fertigt Spleiße für die Fa. Freeworker

 
Online blättern im Kletterblatt 2006: "Am Limit" Nach oben
 

Kommentare

Schreibe einen Kommentar