Bernd Strasser, Patrick Zürcher, das sind Baumkletterer, die auf Klettermeisterschaften regelmäßig vorne dabei sind. Sieger unter 33 Teilnehmern. Aber was ist mit den Kletterern dahinter? Ohne sie kein Wettkampf, ohne ihre Teilnahme keine Sieger.
Sascha Reisch (InnaTree-Baumpflege München) ist ein Wettkampfteilnehmer. Er klettert seit 1998. Was anfangs nur eine freiwillige Zusatzausbildung zum Landschaftsgärtner war, ist Leidenschaft geworden: die kletternde Baumpflege. 2003 erlebte er seine erste Meisterschaft, allerdings noch als Zuschauer. Die tolle Atmosphäre und der Kontakt mit anderen Kletterern hat ihn so begeistert, dass er beschloss, bei einer Meisterschaft aktiv mitzuklettern. Aber 2004 war ein Jahr mit musikalischen Aktivitäten: Scratchen, statt klettern. Zwischen Hip-Hop und Metal war keine Zeit für die Klettermeisterschaft.
Das änderte sich 2005. Aus einer Gruppe Münchner Baumpfleger war er dann der einzige, der die Reise nach Worms als Wettkampfteilnehmer antrat. Zur Vorbereitung trainierte er Footlocken, aber nicht wirklich ernsthaft, denn eigentlich sind ja alle Wettkampfdisziplinen Alltagsgeschäft. Allerdings mit dem Unterschied, dass im Wettkampf optimale Leistung komprimiert in wenigen Sekunden erbracht werden muss. „Da war ich dann doch überrascht, welch hohes Tempo im Baum gegangen werden kann“ resümierte Sascha Reisch nach dem Wettkampf. Den Wettkampf fand er faszinierend. Als Hobby-Musiker ist er Auftritte vor Publikum gewohnt.
Aber hier war es anders: Die Anspannung war größer, das Publikum emotional noch mehr engagiert und es war nicht die Trennung zwischen Stars hier und Fans dort. Man befand sich auf einer gemeinsamen Ebene. Beeindruckt hat ihn auch die perfekte Organisation und das einfühlsame Auftreten der Schiedsrichter. „Die Klettermeisterschaft hat eher den Charakter eines Treffens von Kollegen, die in spannender, aber lockerer Atmosphäre Wettkämpfe austragen.“ Dazu passte auch die Stimmung auf dem Gelände. Die Kletterer, Gäste und Aussteller hatten beim Wettkampfgelände ihre Zelte aufgebaut und am Abend war Feiern angesagt. „Ein besonderes Erlebnis“, nennt das Sascha Reisch.
Denn nach den Wettkämpfen waren die Platzierungen Nebensache und es wurde mit Menschen gefeiert, die alle eine gemeinsame Leidenschaft haben: das Baumklettern und die Baumpflege. Doch Highlight war natürlich der Wettkampf. Footlock Disziplin, d. h. 15 Meter footlocken. Vorher war er vielleicht mal 8 Meter am Stück geklettert. Jetzt wurden 15 Meter Footlock gefordert, bei einer Spitzenzeit von 15,8 Sekunden. Nach 10 Metern ging ihm die Luft aus und er hatte schon 90 Sekunden hinter sich. Aber da spürte er wie die Zuschauer mit ihm litten und ihn anfeuerten „Gib Gas“ und er schaffte es: 143,3 Sekunden. Im Gesamtklassement belegte er den 31. Platz. An der nächsten Meisterschaft will er wieder teilnehmen. Dann strebt er ein Platz im Mittelfeld an. Der Ehrgeiz kommt mit der Teilnahme.
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