Vielleicht hatte sich Jason Blake den gleichnamigen Knoten tatsächlich selbst ausgedacht, als er ihn 1994 in der Zeitschrift „Arbor Age“ veröffentlichte. Neu war er jedoch nicht: Waldarbeiter nahe dem italienischen Belluno hatten ihn schon lange vorher benutzt. Es bedurfte aber der Publikation durch Blake, um diesen Knoten bekannt und unentbehrlich zu machen. Was macht diesen legendären, aber einfach zu legenden Knoten so interessant?
In Abb. 1 ist der Blake mit vier Wicklungen abgebildet. Es gilt: je schlechter die Knotbarkeit des Seiles, desto mehr Wicklungen sind notwendig. Und wenn der Knoten nicht slippen soll, müssen es noch ein paar mehr sein.

Im Folgenden werden sechs nützliche Anwendungen des Blake-Knotens beschrieben:
1. Bei uns ist der Blake kein gängiger Kletterknoten. Viele werden ihn wohl nur beim Aufbau eines zweiten Klettersystems mit dem Seilende für diesen Zweck einsetzen – oft auch „Notsystem“ genannt. Hier bietet er den großen Vorteil, dass kein zusätzliches Material verwendet werden muss. Selbst auf den Karabiner kann man verzichten: das aus der Umlenkung kommende Kletterseil wird mittels Mastwurf am D-Ring oder direkt am Gurtband angeschlagen, bevor das verbleibende lose Ende zum Blake gebunden wird. Und hier sticht er alle anderen Klemmknoten aus: seine Eigenschaft, sich schnell und einfach mit gleichen Seilstärken binden zu lassen, bietet die Möglichkeit, eine sehr gute zweite Sicherung beim Steigeiseneinsatz zu installieren (Abb. 2). Die Umlenkung ist dann ein verstellbarer Kambiumschoner. In punkto Sicherheit wird er dabei nur von der technischen Variante mit Hilfe des I’D (Petzl) übertroffen.
2. Der gleiche Aufbau wie unter 1. beschrieben lässt sich auch zum Aufbau einer abziehbaren Umlenkung nutzen. Anstelle des D-Ringes hängt jetzt ein Karabiner bzw. eine Doppelrolle, durch die das Klettersystem umgelenkt wird. Oberhalb des Blake wird entweder ein kleiner Karabiner, ein Schraubglied oder besser eine kleine Rolle installiert. Diese wird dann mit einem separaten Seil oder dem Ende des Kletterseiles nach unten gezogen – wie ein umgekehrter Prusik-Lift. Abrakadabra: Bei gleichzeitigem leichten Zug auf das Klettersystem rutscht der Blake über das Ende des Hilfsseiles und die Umlenkung gleitet wie von Zauberhand entlang des Kletterseiles zurück zum Kletterer. Eine abziehbare Umlenkung lässt sich auch mit anderen Knoten lösen. Der Blake ist aber ein guter Kompromiss zwischen Materialaufwand, Sicherheit und Funktionalität.
3. Bei Anwendung 1 haben wir einen Blake auf das gleiche Seil gesetzt, mit dem er gebunden wurde. Jetzt machen wir nichts anders, nur eben ein bisschen anders. Das Ergebnis ist kein Klettersystem, sondern eine Schlaufe. Ich nenne sie Blake-Schlaufe (Abb. 3). Zugegeben: die Blake-Schlaufe ist recht umständlich zu binden, vor allem dann, wenn sie in der Seilmitte gemacht wird, da dann das lose Ende geslippt wird. Wozu also dieser Schlaufenknoten? Wer große Lasten auf ein Seil bringt, weil z.B. der Karabiner eines Seilzuges oder gar einer Forstwinde mit dem Riggingseil verbunden wird, ist mit der Blake-Schlaufe bestens bedient: Erstens lässt sie sich auch nach extremer Belastung gut öffnen. Nie wieder Knoten aufschneiden! Und zweitens liegen die Bruchlasten um bis zu 50 % höher als beim Palstek oder der Achtschlaufe (eigene Zugversuche).
4. Wenn ein Seil an ein unter Last stehendes Seil angeschlagen werden muss, weil letzteres z.B. zu kurz ist, kann man diese Aufgabe elegant mit einem Blake lösen: man braucht kein zusätzliches Material, er ist gut zu lösen und hat hohe Bruchlasten. Trotzdem sollte man ein längeres Seil kaufen.
5. Der Bau einer Einfachseil-Footlockschlinge mit Hilfe des Blake ist vielleicht keine Standardlösung. Bestimmt gibt es aber Momente tiefer Dankbarkeit, wenn einem so etwas zur rechten Zeit am rechten Ort einfällt.
6. Die letzte der hier beschriebenen Anwendungen ist der Bau eines Balancers (Abb. 4). Durch richtige Wahl der Anschlagpunkte reicht für nahezu alle Einsätze ein sechs Meter langes neun Millimeter Seil, z.B. Safety Super, farbig, von Edelrid: hohe Bruchlast und ausreichende Knotbarkeit. So ein Hilfsseil erspart viel Material und beschert viel Freude. Droht der Ast nun noch um seine Längsachse zu rotieren, lässt er sich mit einem weiteren Hilfsseil stabilisieren (hier reicht i.d.R. eine vier Meter lange, acht Millimeter Reepschnur): noch mehr Freude.

Der Blake-Knoten sollte demnach zum Repertoire jedes Baumpflegers und seiner Bodenmenschen gehören – wie natürlich mind. 30 weitere Knoten. Auf der Prioritätenliste steht er aber sehr weit oben.
| Information |
| Mehr zum Blake- und anderen Knoten in dem Buch Baumknoten von Dirk Lingens |
| Der Autor: Dirk Lingens selbständiger Baumpfleger mit SKT und Ausbilder SKT, tätig auch im Industriebereich – Seilzugangstechnik Weitere Informationen |
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