Eine harte Nuss im Fokus – Baumkulturtage in Badenweiler

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Passt die Fällung eines Walnussbaumes zu Baumkulturtagen. Nicht unbedingt, aber dann wieder doch. Die Walnuss wurde nicht wegen der Kulturtage gefällt, aber das Holz dieses Baumes und was der auf Walnussholz spezialisierte Schreiner Jonny Brändlin daraus machte, das war für die Besucher der zweiten Badenweiler Kulturtage eine echte Attraktion.

2018 fanden zum zweiten Mal die Baumkulturtage in Badenweiler statt. Stand 2017 der Mammutbaum im Mittelpunkt, so war es 2018 der Walnussbaum. Und wie im Jahr zuvor war es Ulrich Pfefferer – bis vor wenigen Jahren noch Chef der Baumpflegefirma BAUMkultur – auch dieses Jahr gelungen, eine Veranstaltung auf die Beine zu stellen, die es in sich hatte. Mit Themen, die gleichermaßen für den Profi in der Baumpflege wie für den dilettierenden Baumliebhaber spannend waren. 2017 waren mit Prof. Dr. Andreas Roloff von der TU Dresden und mit Prof. Dr. Ernst Zürcher zwei Referenten dabei, die nur schwer zu toppen sind, wenn es um Vorträge über Bäume geht, die man auch mit Genuss anhören kann. Aber Pfefferer hat es auch 2018 geschafft, ein vielfältiges und für alle interessantes Programm zu organisieren.

Bereichernd in diesem Jahr war die Partnerschaft mit der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden- Württemberg (FVA), die den Aspekt des Nutzholzes nicht nur anhand von Vorträgen, sondern auch durch eine spannende Waldexkursion beleuchtete.

Die Walnuss als Holzlieferant

Nicht nur die sind interessant, auch das Holz ist begehrt und teuer.Die Walnuss ist eine eingeführte Baumart aber keine invasive Art. Ihre Kultur im Waldbau ist eher eine Herausforderung, da sie ohne Pflege schnell von heimischen Laubbaumarten wie Buche und Ahorn überwachsen wird. In den Nussbaumwäldern Asiens wächst die Walnuss noch als Waldbaum und hat bessere Eigenschaften für die Holzproduktion als die bei uns bekannten Kulturformen.

Das Nussbaumholz eignet sich vorzüglich als Ersatz für Tropenhölzer. Nach 60 bis 80 Jahren kann bereits kostbares Holz mit Brusthöhendurchmessern von 50 bis 70 Zentimeter geerntet werden. Diese Lichtbaumart fühlt sich in Waldgesellschaften mit Buchen und Linden sehr wohl. Allerdings mag der Nussbaum weder Spätfröste, weshalb spättreibende Herkünfte bevorzugt werden.

Dynamische Ästung

Der Forstwirtschaftsmeister Oswald Keller zeigte auf einer Exkursion in beeindruckender Geschwindigkeit und handwerklicher Präzision, wie das für diese Baumart wichtige Aufasten in der Praxis funktioniert. Bei der Walnuss würde die natürliche Astreinigung aufgrund der nötigen Freistellung viel zu spät erfolgen, um noch die gewünschte Holzqualität zu erreichen. Von unten erfolgt die Ästung deshalb zuerst blockweise, danach werden vor allem steile Äste entfernt, denn bei den flachwachsenden Ästen ist kaum mehr Dickenwachstum zu erwarten. Vor dem Schnitt auf den Astring erfolgt das Stummeln, damit es in den Folgejahren nicht zu schädlichen Rindeneinrissen kommt.

Wichtig ist, dass insgesamt rund 50 Prozent der Blattmasse für die Versorgung des Baumes verbleiben. Das Ästen erfolgt zwei bis drei Mal im Laufe der Kultur. Als gute Monate haben sich dabei Februar und März sowie Juni bis August herausgestellt. „Nachdem die Arbeit recht schweißtreibend ist, hat hier der Februar gewisse Vorteile“, so Keller. Das Nussbaumholz liegt zurzeit bei Wertholzsubmissionen um einiges über dem Bergahorn und der Eiche.

Die Nuss ist eine echte Nuss

Weiter wurden die Familienverhältnisse der Nuss zur Sprache gebracht. Ringelflügelnuss und Butternuss – alles Verwandte unserer Walnuss. Auch wenn man bei der Erdbeere immer wieder überlegen muss, Nuss oder nicht, so ist den Besuchern der Baumkulturtage jetzt klar, die Walnuss ist eine echte Nuss und keine Steinfrucht.

Die Walnuss und der Klimawandel

Für die FVA in Freiburg, die sich das Messen und Bewerten der Nachhaltigkeit, die Klimafolgenforschung sowie den Waldnaturschutz und die Biodiversität auf ihre Fahnen geschrieben hat, sind die Nussbäume deshalb seit einigen Jahren in den Forschungsfokus gerückt. Sie sind eine Bereicherung für passende Standorte und im Zuge der Klimaerwärmung eventuell eine Alternative für Fichte und Buche beim Waldbau. Mit ihrer hohen Wirtschaftlichkeit kann sie auch ein guter Ersatz für Tropenholz sein.

Revival einer Nuss

Ein großes Zukunftspotenzial, wenn es um gesunde Ernährung oder direkte Vermarktung geht, attestierte Vivian Böllersen der Walnuss. Die Walnüsse, die in Deutschland konsumiert werden, stammen zu über 50 Prozent aus Kalifornien, so sie noch in der Schale sind. Chile und Moldawien sind die Hauptherkunftsländer, wenn es um die bereits geknackte Version geht. China hat die größten Anbaugebiete der Welt und eine Nussernte von rund 3,5 Millionen Tonnen pro Jahr, konsumiert aber fast alles im eigenen Land. Da ist noch ein großes Potenzial für heimische Erzeuger.

Was hat die Fällung einer Walnuss mit den Baumkulturtagen zu tun?

Ein interessantes Rahmenprogramm hat die Baumkulturtage ergänzt. Kurparkleiter Harald Schwanz stellte die Anzucht von Baumexoten vor, die beim Rundgang im Kurpark besichtigt werden konnten. Eine intellektueller Genuss war die Lesung der Bücher von Jean Giono: „Der Mann der Bäume pflanzte“ und von Julia Butterfly Hill „Die Botschaft der Baumfrau“. Ein schmackhafter Genuss war die Verkostung frisch gepressten Walnussöles. Jürgen Eberhardt presste vor den Augen der Teilnehmer das Öl der Walnüsse. „Zwei Kilogramm Nüsse ergeben einen Liter Öl“, erklärt Eberhardt, aber inzwischen gibt es nur noch wenige Menschen, die Zeit und Muße zum Knacken und Schälen der Nüsse haben.

Und schließlich der gefällte Walnussbaum: Die Firma Pfefferer BAUMkultur hatte diesen Baum in einem Wohngebiet gefällt. Professionell, werterhaltend. Jonny Brändlin, Schreiner in Laufen, zeigte im Anschluss, was aus dem gefällten 80-jährigen Walnussbaum „Waldemar“, geworden ist. Durch einen mobilen Holzsäger in Scheiben geschnitten und mit einem besonderen Verfahren in wenigen Tagen getrocknet, entstand aus Waldemar ein Esstisch, der durch seine Maserung beeindruckt. Drei Tonnen wog Waldemar nach der Fällung und er wurde zu einem Möbelstück, an dem noch Generationen sitzen werden.

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