Dirk Lingens – Top-Handle versus Rear-Handle

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Sind die Tophandle wirklich die Spezialsäge für die Baumpflege, geeignet für kleine Schnitte in engen Baumkronen? Sägen, die das Potential haben die Vorschriften zu ändern? Dirk Lingens, Baumpfleger, SKT-Ausbilder, Knotenpapst und kritischer Geist aus dem Norden, verneint das vehement. Er meint, Tophandles seien die schlechtere Alternative, wie er im folgenden Beitrag beschreibt.

Auf vielen Baum-Baustellen sind die Top-Handle Maschinen Usus. Da ich sehr viele Diskussionen bezüglich deren Verwendung führe, möchte ich hier nochmal einige Argumente zusammenführen.

Als ich vor 18 Jahren mit der Baumpflege begann, kaufte ich mir eine Top-Handle. Das war einfach „die“ Baumpflegesäge. Erst ein paar Jahre später sah ich bei einem Kollegen das dazugehörige Rear-Handle Modell. Ich nahm sie in die Hand, lieh sie mir für einen Auftrag aus und war begeistert. Sicherheit und Ergonomie überzeugten mich. Wie viele wissen, stelle ich seitdem die Verwendung von Top-Handle-Maschinen in Frage.

Was spricht für die Verwendung einer Top-Handle?

  1. Diese Modelle sind meist leichter.
  2. Teils gibt es die Modelle nur in einer T-Ausführung (Husqvarna Benzin-Sägen).
  3. In beengten Situationen in der Baumkrone, egal ob SKT- oder Bühneneinsatz, erleichtert die kompaktere Bauart das Sägen.

Was spricht für die Verwendung
einer Rear-Handle?

  1. Durch die lange Bauart kann aufgrund der besseren Hebelkräfte mehr Kontrolle ausgeübt werden – mehr Sicherheit.
  2. Dadurch sinkt auch der Kraftbedarf zur sicheren Führung der Säge – bessere Ergonomie.
  3. In einigen Kickback-Situationen ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Kette am Körper vorbeigeführt wird, größer.
  4. Die Verwendung am Boden ist durch Leute mit normaler Motorsägenfachkunde (AS 1) möglich. (Top-Handle nur oben im Baum und mit „spezieller Ausbildung“. Nach meiner Lesart ist das SKT B oder AS 2, ohne dass das irgendwo genauer definiert wird.)

Dann wäre da noch das Thema „Einhandbedienung“. Aus vielen Gesprächen weiß ich, dass die Kaufentscheidung für ein T-Modell entweder

  • Unwissenheit über die Existenz der Alternative,
  • die starke Gewichtung eines der o.g. Vorteile
  • oder eben der Wunsch nach einer Einhandsäge ist.

Sicherheit:

Wer von Unfällen weiß, die ursächlich aufgrund der einhändigen Bedienung der Top-Handle Maschine entstanden sind, weiß auch, dass das wohl kaum in den Unfallbericht für die BG kommen wird. Dort wird vielmehr eine andere Geschichte erzählt werden, die erklärt, warum es zur Verletzung der linken Hand gekommen ist. Die Aussagekraft der Unfallstatistik ist daher nur eingeschränkt. Das Lesen zwischen den Zeilen ist da schon hinweisreicher, aber auch nicht beweisbar.

Ergonomie:

Ich kenne keine Studie, die besagt, dass die Belastung für den Körper, insbesondere Schulter, Ellbogen und Handgelenk, bei der einhändigen Bedienung größer sei. Ich bin kein Arbeitsmediziner oder Physiotherapeut, aber für mich liegt das nahe.

Arbeitsabläufe:

Zugegeben: es ist sehr verführerisch mit der einen Hand die Säge zu führen und mit der anderen Hand das Holz zu halten oder zu drücken. Wer sich aber, so wie ich zu Beginn einer Zeit, Unterarmschnittschutz kauft, hat erkannt, dass dieses Arbeitsverfahren gefährlich ist, ohne die Konsequenz zu ziehen, es ganz zu lassen und Alternativen zu nutzen. Ich kann guten Gewissens behaupten, dass es immer gute andere Möglichkeiten gibt. Diese bestehen aus dem Dreiklang

  • gute Positionierung
  • geeignete Schnitttechnik
  • ggf. Einsatz von Rigging

Mein Schwerpunkt ist die SKT und daher müssen andere die Übertragbarkeit meiner Argumente auf den Bühneneinsatz bewerten. Die sperrigere Bauart meiner Rear-Handle bleibt in engen Kronen ein Nachteil.

Auch die gesetzlichen Grundlagen sind eindeutig:

„Der Arbeitgeber hat die nach den allgemeinen Grundsätzen des § 4 des Arbeitsschutzgesetzes erforderlichen Maßnahmen zu treffen, damit den Beschäftigten nur Arbeitsmittel bereitgestellt werden, die für die am Arbeitsplatz gegebenen Bedingungen geeignet sind und bei deren bestimmungsgemäßer Benutzung Sicherheit und Gesundheitsschutz gewährleistet sind. Ist es nicht möglich, demgemäß Sicherheit und Gesundheitsschutz der Beschäftigten in vollem Umfang zu gewährleisten, hat der Arbeitgeber geeignete Maßnahmen zu treffen, um eine Gefährdung so gering wie möglich zu halten…“ (Betrsichv § 4, Abs. 1) Sinngemäß wird im Absatz 4 das Gleiche nochmal in Bezug auf die Ergonomie formuliert. und%nbsp;„Bei der Arbeit ist die Motorsäge mit beiden Händen festzuhalten.“ (VSG 3.1 § 61 Abs. 4) und „Die zum Einsatz kommenden Werkzeuge und Geräte sind nach sicherheitstechnischen, ergonomischen und arbeitsspezifischen Gesichtspunkten auszuwählen.“ (VSG 4.2 Anlage 1 Abs. 9)

Auf dieser Grundlage wird die Gefährdungsbeurteilung formuliert und ich muss schon sehr gut begründen, warum die Top-Handle für den Einsatz im Baum sicherer und ergonomischer ist. Für den Einsatz am Boden dürfte mir das nicht gelingen.

Für die kritische Durchsicht bedanke ich mich bei Jan Brinkmann, Kiel.

Was meint Ihr?
Ist die Tophandle nur interessant, wenn man sie einhändig bedient und ignoriert, dass es verboten und gefährlich ist? Ist die Tophandle die Spezialsäge für die Baumpflege für kleine Schnitte und enge Baumkronen? Welche Gründe gibt es, die sie für den Einsatz in der Baumpflege prädestinieren? Oder hat Dirk Lingens Recht, wenn er sagt, Baumpfleger brauchen Rear Handle, keine Tophandle?
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Der Autor: Dirk Lingens (Kletterdienste.de)
ausbilder, entwickler und nervensäge bei der mbks, 49 jahre, schuhgröße 45, seepferdchen

 
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