Top gehandlet – von Freihand zu Top Handle

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Damals wie heute … Ein Baum ist faszinierend. In ihm zu arbeiten einzigartig. Kein Wunder, dass sich so viele für den Beruf des kletternden Baumpflegers / der kletternden Baumpflegerin begeistern, obwohl es ein harter, anspruchsvoller und nicht ungefährlicher Beruf ist. Die Arbeit im Baum ist eben mehr als ein Beruf, sie ist für viele ein Lebensgefühl.

Für viele Arbeiten im Baum ist die Motorsäge unverzichtbar. Viele Jahre war Motorsägen-Einsatz in Kombination mit der Seilklettertechnik ein Zankapfel. Diese Zeiten sind vorbei. Längst hat man erkannt, dass die Seilklettertechnik dem gefährlichen Arbeiten mit der Motorsäge im Baum die notwendige Sicherheit bieten kann.

Als ich vor ca. 39 Jahren meine Baumpflege-Karriere begann, reichte mir zunächst eine Bügelsäge. Nach der Teilnahme an einem Motorsägen-Lehrgang war klar: Ich will eine richtige Motorsäge wie die Forstprofis. Mein Händler vor Ort war Stihl-Händler. So kaufte ich eine mittelgroße Stihl-Motorsäge, nach dem Motto: Qualität ja, aber Eine für Alles! Das musste reichen. Schließlich war ich Student, Geld war knapp. Nachteil: Die Säge war für Stämme zu klein, für Geäst zu groß.

Es muss vor mehr als 30 Jahren gewesen sein, als ich von einer kleinen und handlichen „Einhand-Säge“ von Echo hörte. Sie war von der Gewichtsverteilung ideal geeignet, um sie mit einer Hand wie ein Schwert durch die Äste zu führen. Ideal, dachte ich mir, die muss ich haben! Schließlich brauchte ich beim Sägen auf der Leiter eine freie Hand, um mich irgendwo festzuhalten. Seilklettertechnik war noch ein Fremdwort und die Bügelsäge für dickere Äste völlig ungeeignet. Die Gefahren bei der Einhand-Bedienung wurden mir schmerzlich klar, als mein Unterarm Bekanntschaft mit der auslaufenden Kette machte. Eine Narbe wird mich mein ganzes Leben an diesen Unfall erinnern. Ähnliche Erfahrungen haben wahrscheinlich viele gemacht, weshalb heute niemand mehr von „Einhand“ spricht, sondern von Top-Handle und Zwei-Hand-Bedienung. Zu Recht!

Top-Handle-Sägen sind klein, kompakt, leicht und stark. Ideal für Baumkletterer, schließlich geht es im Baum oft eng zu. Wendigkeit ist angesagt. Eine Hand hält ergonomisch das Gewicht des Motorblocks und steuert bequem das Gas, die andere sorgt für die korrekte Stellung der Säge und die stabile Schnittführung. Am Boden ergonomisch zu arbeiten, ist ein Kinderspiel. Im Baum wird es anspruchsvoll, das wissen alle kletternden Baumpfleger. Der geforderte stabile Stand ist oft nur mit kunstvoll und spor tlich anmutenden Fußbelastungen, Beinabwinkelungen und Körperstellungen zu erreichen, abgestimmt auf Aststellung und Seilführungen der Sicherungssysteme.

Der Einsatz von Motorsägen bei Kletterarbeiten im Baum stellt an die Technik hohe Anforderungen. Einen Motor kopfüber, schräg, seitlich, nach unten oder oben mit allem zu versorgen, was er braucht, um mit hohen Drehzahlen gleichmäßig und zuverlässig Leistung zu bringen, ist eine harte Nuss für Motorsägen-Hersteller. Als ich vor vielen Jahren als Kletterer gebucht war, um eine neue Top-Handle während einer Messe vorzuführen, versagte die Motorsäge (ein Prototyp) bei speziellen Abwinklungen mitten in der Vorstellung ihren Dienst, systembedingt. Ein zweiter Prototyp wurde eilends eingeflogen; gleiches Problem. Die Techniker sind verzweifelt. Ein Formel-1-Motor hält während des kompletten Rennens seine Lage stabil. Eine Top-Handle im Baum nicht. Die steht Kopf, die steht quer – Höchstleistung für den Motor. Das sieht man einer so kleinen Säge gar nicht an.

Als die Firma Echo GmbH ihre Anzeige für das Kletterblatt buchte, kamen wir auf meine erste Top-Handle zu sprechen. Echo gibt es nun schon seit 35 Jahren. So gesehen war ich wohl einer der ersten Kunden von Echo!!! Allerdings habe ich damals meine kleine Wundersäge beim örtlichen Stihl-Händler gekauft und in Pflege gegeben. Heute, so versicherte mir Herr Beck, der Geschäftsführer von Echo Deutschland, können Echo-Kunden auf nunmehr 1.000 Händler über Deutschland verteilt zurückgreifen.

Inzwischen hat jeder namhafte Hersteller eine Top-Handle im Programm. Und die Top-Handle haben sich weiterentwickelt. Auch „meine“ Echo von damals. Im Gegensatz zu mir wirkt sie heute jünger und interessanter als damals. Und sie ist jetzt auch namentlich hoch offiziell zur Baumpflege-Säge aufgestiegen, wohingegen ich meine aktive Baumpfleger-Zeit hinter mir habe. Beim Gewicht werde ich auch neidisch. Ich nehme mit dem Alter zu. Die heutige Echo ist mit 2,3 kg viel leichter als damals und soll sogar die leichteste Baumpf legesäge ihrer Klasse auf dem Markt sein und das bei einer Leistung von 1,1 kW. Starker Durchzug, hohe Kraftreserven, trotz Fliegengewicht. Ich gebe mich geschlagen! Einzig bei der Bezeichnung kann ich heute noch punkten: Meine (Berufs-)Bezeichnung „Dipl. Ing.-agr.“ klingt doch besser als die der heutigen Echo-Säge „CS-2510TES“, oder?

Herr Beck sprach bei unserem Gespräch begeistert von weiteren Vorzügen der aktuellen Top-Handle: So sei konsequent auf überflüssige Details verzichtet und dafür viel Wert auf Funktionalität und praktische Handhabung gelegt worden. So könne man länger ohne Armermüdung arbeiten und die spezielle Start-Automatik mache das An- und Abschalten flexibel, schnell und zuverlässig. Der Motorlauf wird kontrolliert vor zu hohen Drehzahlen geschützt.

Wirklich schade, dass meine aktive Baumpfleger-Zeit schon vorbei ist.

Meine Vermutung, dass die Idee mit der Kaffee-Tasse in der Echo-Anzeige inspiriert ist durch mein Foto im Vorwort des Freeworker-Katalogs 2014, wo ich vor der Kaffeemaschine im Freeworker-Shop posierte, ist aber dann doch eher Zufall und keine Hommage an meine erste Top-Handle.

Der Autor: Johannes Bilharz (E-Mail)

 
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