Rücklaufsperren – Klemmgerät oder Knoten

Verfasst von

in

,

Mechanische Klemmgeräte sind praktisch in der Handhabung und arbeiten zuverlässig. Doch für den Rettungseinsatz und den Schwerlastbereich gibt es eine bessere Lösung: Knoten. Jürgen Unger hatte die Idee, Dirk Lingens hat sie perfektioniert.

Eine Rücklaufsperre in Flaschenzugsystemen sollte folgende Dinge leisten:

• gleiche oder höhere Bruchlast als das Tragseil
• seilschonend
• selbsttätig
• einfache Handhabung
• reversibel in Rettungssituationen

Klemmgeräte
In PSA-Systemen können mechanische Klemmgeräte (EN 567) durchaus eine sinnvolle Lösung sein. Sie sind schnell einzubauen und arbeiten bei richtiger Anwendung zuverlässig. Aber schon in Rettungssituationen kommen sie schnell an Grenzen: Die meisten zerstören das Seil ab ca. vier kN und sie sind kaum reversibel. Schon unter vier kN kann eine Seilschädigung stattfinden, da die Last auf nur wenigen Zentimetern in das Seil eingebracht wird. Bei höheren Lasten, oder wenn das System reversibel sein muss, können Abseilgeräte verwendet werden, die aber nur bei Seilen bis 11 (13) Millimeter funktionieren.

Alternative: Knoten
Im Schwerlastbereich unserer Baustellen bieten Knoten eine bessere Alternative. Es gibt für alle Seildurchmesser eine Lösung. Nach einigen Versuchen und etlichen kontrolliert zerstörten Klemmknoten habe ich mich für eine Idee entschieden, die auf Jürgen Unger, Eichhorn Baumpflege, zurückgeht. Sie besteht neben der Rolle mit eckigen Seitenplatten aus einem Machard, der mit einem 8 mm Ice-Tail gebunden wird. Die Rundschlinge ist mittels Wasserknoten aus einem 2,2 Meter langen Seil hergestellt. Das garantiert Einsatzbereitschaft auf 11-19 Millimeter Seilen:

• Das Ice-Tail bringt durch seine weiche Hohltau-Struktur und das verwendete Material von allen mir bekannten Reepschnüren die höchsten Bruchlasten zustande. Außerdem ist es sehr bissig.
• Der Machard ist nicht nur der Klemmknoten, der am einfachsten zu binden und zu lösen ist, sondern er ist auch am schonendsten zum Tragseil und lässt sich auch nach starker Belastung gut schieben.

Anstatt aber nun den Machard direkt in den Karabiner der Rolle zu hängen, wird eine sehr kurze Rundschlinge zwischengeschaltet, die mit einem Korbknoten in den Machard kommt und dann in den Karabiner der Rolle gehängt wird. Dadurch endet/beginnt der Machard an der Seitenplatte und wird durch diese viel besser geschoben als beim direkten Einhängen in den Karabiner.

Der Aufbau dauert sicher etwas länger als der Einbau einer Seilklemme. Mit etwas Übung und vor allem aufeinander abgestimmten Komponenten wird aber ein Höchstmaß an Funktionalität erreicht.

Rücklaufsperren

Der Autor: Dirk Lingens
Selbständiger Baumpfleger, Ausbilder der Münchner Baumkletterschule, Autor des Buches Baumknoten
Weitere Informationen

 
Online blättern im Kletterblatt 2013: "Rücklaufsperren" Nach oben
 

Kommentare

Schreibe einen Kommentar