Kletternde Baumpfleger sind gefragte Menschen. Immer wieder berichten sie uns von Auslandseinsätzen, die mal spannend, mal lehrreich sind, mal in der Hitze, mal in der Kälte stattfinden. Auf jeden Fall machen sie immer viel Spaß, auch wenn es nicht immer so läuft wie erwartet.
Pflegeschnitt am Toten Meer: Wenn ich einmal am Toten Meer sein sollte, so hatte ich das gedacht, dann natürlich nur, um mich im salzigen Wasser auf dem Rücken liegend und Zeitung lesend fotografieren zu lassen. Dass ich einmal ans Tote Meer zum Baumklettern und zur Baumpflege kommen würde, hätte ich mir nie träumen lassen.
Aber Mait Nadav hat dies möglich gemacht. Mait wohnt in dem bekannten Kibbuz En Gedi am Toten Meer. Vor fünf Jahren war er nach Deutschland gekommen, hatte bei der Münchner Baumkletterschule einen Kurs besucht und noch seinen European Tree Worker und Tree Technician gemacht. Anschließend hatte er einige Zeit mit mir gearbeitet. Lange hatte ich nichts mehr von ihm gehört, bis ein Anruf aus En Gedi kam.
Mait fragte mich, ob ich Lust hätte, mit ihm zusammen am Toten Meer kletternd Bäume zu pflegen. Natürlich hatte ich darauf Lust! Mait hatte die Menschen im Kibbuz überzeugt, dass die Bäume, die vor 15 Jahren gekappt worden waren, einmal einen richtigen Schnitt bräuchten. Als wir dann unten waren und zu klettern anfingen, merkten wir schon, dass die Leute zuerst etwas zweifelnd und zurückhaltend waren. Aber das legte sich schnell, als sie sahen, dass nach dem Schnitt die Bäume noch richtig wie Bäume aussahen und wir schnell und unfallfrei arbeiteten.
Ich war ehrlich gesagt überrascht gewesen, in dieser Wüste so viele große Bäume zu sehen. Diese werden aber alle mit einem wissenschaftlich fundierten und ausgeklügelten System bewässert (Tröpfchenbewässerung). Dank der sehr guten Wasserversorgung sind die Bäume in diesem Klima sehr starkwüchsig. Um das Wachstum zu verlangsamen, wird jetzt weniger Wasser zugeführt.
Bei den Bäumen handelte es sich überwiegend um Delonix regia und Tipuana tipu. Vor jedem Haus stehen Bäume. Wenn man deren Äste anschneidet, sieht es aus, als ob sie richtig bluten würden. Wir haben fünf Tage gearbeitet, von früh morgens bis gegen 19.00 Uhr. Mit 32 Grad im Januar war es gerade noch erträglich. Trotzdem floss der Schweiß in Strömen.
Die Bäume sind hier im Januar nicht blattlos, sondern haben lediglich weniger Blätter. Obwohl die Bäume nur ca. 15 Meter hoch waren, war die Arbeit doch recht anspruchsvoll, da die Kronen sehr weit ausladend waren und wir sehr flache Ankerpunkte setzen mussten. Ich hatte auf diesen Bäumen bisher noch nicht geklettert und deshalb auch keine Kenntnisse über ihr Bruchverhalten, was durch das schnelle Wachstum recht hoch war. Aber wir tasteten uns heran und die Arbeit hatte richtig Spaß gemacht. Auch wenn es volle fünf harte Tage waren ohne ein Bad mit Zeitung im Toten Meer.
| Der Autor: Gernot Räbel (E-Mail) Inhaber der Fa. Baumpflege Räbel, Baumpflege- und Höhenarbeiten, Ausbilder der Münchner Baumkletterschule |
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