Der Valdotain

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Zu schnell für Anfänger? Der Valdotain ist ein anspruchsvoller Knoten. Wer als Baumpfleger effizient mit Klemmknoten arbeiten will, kommt an ihm nicht vorbei. Ist der Valdotain auch schon für Anfänger geeignet? >Dieser  Frage geht Dirk Lingens nach.

Nur für Profis! – Für Einsteiger viel zu gefährlich! – Fang erst mal mit dem 3fachen Prusik an! Diese Sätze höre ich interessanterweise bei zwei Themen: LockJack und Valdotain. Die Erfahrungen mit dem Lockjack Sport auf A-Kursen (Kletterblatt 2010) sind durchaus positiv: die Teilnehmer kommen schneller ans Klettern und werden dabei von keiner Technik aufgehalten. Der Gefahren sind sich die Kletterer dabei sehr bewusst und gehen verantwortungsvoll damit um. Die Anleitung des Ausbilders ist dabei eine wichtige Hilfe.

Wenn beim Einsatz des Valdotain-Knotens die gleichen Argumente gegen dessen Einsatz laut werden, könnten dann nicht auch Anfänger die gleichen positiven Erfahrungen wie beim LockJack machen? Diese Frage beschäftigte mich.

Zuvor ging ich aber mit mir ins Gericht: In der 3. Auflage meines Knotenbuches hatte ich noch geschrieben: „Wettkampfknoten” und „nichts für Ungeübte”. Warum schrieb ich das? Sicherlich aus der Sorge heraus, dass sich Leute in Gefahr begeben könnten und sie davor geschützt werden sollten. Wenn ich die Leute aber gut einweise, können sie sehr wohl die Verantwortung für sich übernehmen. Die kann dann auch zur Folge haben, dass gesagt wird: „Ich bleibe beim dreifachen Prusik.” Alles bestens. Verantwortung übernommen. Der Ausbilder freut sich.

Und noch eine Motivation schwang mit, die in ihrer Erkenntnis unangenehm ist. Ein Kletterer, der schon oft auf dem Podest stand, drückte es in weiser Selbsterkenntnis so aus: „Wenn alle die guten Geräte haben (Lockjack/Valdotain), dann ist der Unterschied zu uns Spitzenleuten ja gar nicht mehr so groß.”

ValdotainValdotain mit KarabinerGetreu dem Motto „Fahrstunden macht man auch mit ‘richtigen’ Autos und nicht mit auf 60 gedrosselten Fiat Pandas” startete ich das Projekt „Valdotain für Anfänger”. Probanden waren schnell gefunden. Gezeigt wurde der Valdotain mit 5,5 Wicklungen und einem Wechsel (Abb. 1). Bewährt hat sich die Konfiguration mit 120 Zentimer 10 Millimeter Material, einer Stegrolle, Stopperknoten hinter dem Steg und einer Spierenstichschlinge zwischen den Seitenplatten der Rolle. Am Karabiner ist z. B. ein Gummi befestigt, um das Abklappen der Rolle zu verhindern (Abb. 2). Alles selbstverständlich selbstblockierend! Einweisung am Boden und rauf in die Bäume. Die Valdotain-Neulinge kannten bereits das Überhandsystem des LockJacks und konnten sehr schön Vor- und Nachteile beider Techniken miteinander vergleichen. Neu war das geschmeidigere Abseilen für den Preis der höheren Haltearbeit beim Verkürzen des Systems, für das i.d.R. beide Hände benötigt werden. Ein Vergleich mit dem SpiderJack hätte sicher noch andere Eigenschaften ins Licht oder Dunkel gerückt.

Um meine Theorie zu bestätigen, durfte noch eine andere Klientel in den Genuss des Valdotains kommen: Geocacher (das sind moderne Schatzsucher). Davon hatten etliche an einem eintägigen Kletterkurs den langen Prusik kennengelernt. Nun wollten einige mehr wissen und nicht nur am Stamm bleiben, sondern raus auf die Äste gehen. An Praxis hatten diese Kletterer gerade mal 5-20 Stunden, und das ohne Außenasterfahrung und ohne kurzes Überhandsystem. Und siehe da: Ein großes Aha. Als ich einem der Teilnehmer noch den Ropeguide als Alternative zum Ringkambiumschoner einbaute, kam die spontane Äußerung: “Wer hat denn die Handbremse gelöst!?”

Mit dem Valdotain habe ich meinen Testpersonen einen richtigen Knoten gezeigt. Nach meiner Einschätzung können auch Anfänger nach einer guten Einweisung in das System und unter der Voraussetzung einer funktionierenden Technik sehr verantwortungsvoll mit dem Valdotain ihre Kletterkarriere starten. Wenn jemand nicht mit Gerätetechnik, sondern mittels Klemmknoten Leistung im Baum bringen will, wird er das nicht mit Prusik, Distel oder Blake tun, sondern mit dem Valdotain. Wenn nicht, hat ihm vielleicht keiner den Valdotain gezeigt.

Bleibt noch das Thema Zertifizierung. Die oben beschriebene Bindung und Konfiguration Teufelberger CE-Climbhat keine Zertifizierung durchlaufen. Und sie wird sie auch nicht bestehen! Die Prüfung setzt u. a. voraus, dass ein Durchrutschen auch unter großer Last verhindert wird. Das geht nur mit einer Bindung, die nicht mehr viel mit dem zu tun hat, was wir im Baum brauchen.

Der Vorstoß der Firma Teufelberger mit dem CE-Climb (Abb. 3) ist ein dankenswerter und richtiger Schritt in die richtige Richtung. Das Ziel ist damit aber noch nicht erreicht.

 

Information
Genaugenommen geht es um den „Valdotain Tresse“, wenn mindestens ein Wechsel vorliegt. Da „Valdotain“ und „Valdotain Tresse“ in der Praxis sprachlich aber kaum unterschieden werden, belasse ich es auch bei „Valdotain“. Der Valdotain wurde übrigens von Kay Busemann 1994 als Variante des Machard im Rahmen einer Baumklettermeisterschaft als neuer Knoten vorgestellt. Die Namensgebung geht wahrscheinlich auf Frederic Mathias zurück.

 

Der Autor: Dirk Lingens
Selbständiger Baumpfleger, Ausbilder der Münchner Baumkletterschule, Autor des Buches Baumknoten
Weitere Informationen

 
Online blättern im Kletterblatt 2010: "Der Valdotain" Nach oben
 

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