Da geht die Arbeit gut von der Hand!

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Die richtige Handsäge richtig gebrauchen. Schon morgens geht es los: Zahnbürste greifen, Kaffeetasse halten, Werkzeuge auspacken, in den Baum aufsteigen, Kambiumschoner festmachen, Seil greifen, verkürzen und verlängern und sägen, sägen und sägen … Die Hand ist immer dabei. Wir tragen, ziehen und greifen permanent, oft auch unbewusst. Zumindest so lange unbewusst, bis etwas weh tut, nachts die Finger einschlafen. Bis es nicht mehr selbstverständlich ist, dass die Hände einfach so alles mitmachen. Doch wir können vorbeugen und etwas dafür tun, dass unsere Hände auch bei extremen Belastungen wie bei dem Sägen in der Baumpflege, gesund bleiben. z. B. mit richtigem Sägen und der richtigen Säge. Praxistipps von Anja Üeberschär und Tanja Sachs.

Eine Hand ist aus 29 Knochen aufgebaut (Abb. 1). Die Bewegung der Hand wird ausgelöst durch 33 Muskeln. Gruppen von kräftigeren Muskeln in der Hand selbst bilden den Ballen auf der Daumenseite und auf der Seite des kleinen Fingers. Kleine Muskeln liegen zwischen den Mittelhandknochen. Ein Großteil der Muskeln befindet sich jedoch nicht direkt in der Hand, sondern im Unterarm und entsendet lediglich seine Sehnen bis zu den Fingerspitzen. Quasi eine Fernbedienung. Deren „Kabel“ läuft, zusammen mit vielen Nerven und Blutgefäßen, durch eine enge Stelle, die genau am Handgelenk liegt: der berühmt-berüchtigte Karpaltunnel. Und sobald es dort zu eng wird, schlafen Finger ein und wir verlieren unseren kraftvollen Griff.

Knochen- und Muskelaufbau Hand

Von der Grundausstattung ist unser „Greifapparat“ sehr anpassungsfähig, beweglich und flexibel. Für diffizile Arbeiten haben wir tatsächlich viel Fingerspitzengefühl. Bei der Baumpflege werden die Hände jedoch über viele Stunden hinweg beansprucht, was auch noch durch hohe Gewichte und plötzliche Belastungen verstärkt wird. Um sich einen kraftvollen Griff zu erhalten ist es notwendig, drei Grundprinzipien zu beachten, die sich aus dem Aufbau der Hand ergeben. Wer diese bei den alltäglichen Handabläufen und bei der Auswahl des Werkzeuges beachtet, erreicht ermüdungsfreieres und kraftsparenderes Arbeiten. Außerdem reduziert sich die Verletzungsgefahr. Der Greifapparat hat die Chance gesund zu bleiben, bis ins hohe Alter hinein.

C-Bogen Hand

Prinzip 1: C-Bogen, Aufspreizung + Opposition
Die Fingergrundgelenke – das sind die knöchernen Höcker, am Übergang vom Finger zum Handrücken – bilden einen C-Bogen. C-Bogen deshalb, weil die Grundgelenke, wenn die Hand ruhig auf einem Tisch liegt, einen Bogen nach oben bilden (Abb. 2). Dieser Bogen wird stabil, wenn sich zugleich die Grundgelenke von Kleinfinger und Daumen bei leicht gerundeter Hand gegenüberstehen (hier sind v. a. die roten Muskeln in Abb. 1 aktiv) und die Handfläche durch die Handinnenmuskulatur aufgefächert wird (Abb. 1, orangenfarbene Muskeln), die Mittelhandknochen also auseinander wandern. Mit diesem Griff haben wir bei geringem Kraftaufwand die meiste Kraft.

Falsche Bewegungsgewohnheiten 1

Prinzip 2: Mittellinie
Der Mittelfinger sollte in gerader Verlängerung zum Unterarm ausgerichtet sein (in Abb. 2 orangenfarbene Linie). Dadurch sind alle Knochen, Muskeln, Bänder und Sehnen sowohl in der Hand als auch im Unterarm, Oberarm, in der Schulter und bis hinauf zum Hals und Nacken, ideal aufeinander ausgerichtet. Dies liegt daran, dass alles im Körper über Zugspannungen verbunden ist. Deshalb ist eine Veränderung an einem Ende auch am anderen Ende zu spüren. So wie bei einem Spinnennetz, mit dem Unterschied, dass im menschlichen Körper feste Elemente (Knochen) durch elastische Elemente (Muskeln, Sehnen und Bänder) an ihrer Stelle gehalten werden. Falsche Bewegungsgewohnheiten 2Ist das Muskelgleichgewicht vorhanden, läuft alles reibungslos und Gelenke, Knochen und Muskeln werden optimal und ermüdungsfrei genutzt. Ist das Gleichgewicht verschoben, sei es durch Muskelverspannungen, falsche Bewegungsgewohnheiten (Abb. 3 u. 4) oder durch Werkzeug, das nicht optimal passt, wirkt sich das bis an das andere Ende aus. Nicht unbedingt bis zum großen Zeh, wohl aber bis zur Schulter und zum Nacken. So kommt es dort auch dort zu Verschiebungen im Muskelgleichgewicht.

Prinzip 3: Gestrecktes Handgelenk
Der Faustschluss ist bei gestrecktem Handgelenk, das also nicht Richtung Handfläche oder Handrücken gekippt ist, am wirkungsvollsten. So haben die Muskeln und Sehnen die beste Kraftübertragung.

Was hat dies für uns als Baumpfleger zur Folge? Zum einen, was gute Ausbilder schon immer gesagt haben: immer so nahe wie möglich an den Schnitt heranklettern. Dann werden Arm und Schulter nicht überstreckt, der Griff mit allen Fingern fest umschlossen und das Handgelenk kann gerade gehalten werden (Prinzip 3), mit dem Mittelfinger als Verlängerung zum Unterarm (Prinzip 2). Dies ist anfangs vielleicht anstrengender, auf die Dauer aber kraftsparender und ergonomischer.

Und dann natürlich das Werkzeug. Hier sollte jeder sein Werkzeug sorgfältig auswählen. Wie ist der ideale Griff einer Handsäge beschaffen?

Er ist so breit, dass alle Finger Platz haben und die Spreizung zwischen den Mittelhandknochen aufrecht gehalten werden kann (Prinzip 1).
Er ist so groß, dass die Finger ihn satt umschließen können und er direkt am C-Bogen anliegt (Prinzip 1). Laut dem Guinness-Buch der Rekorde misst die längste Männerhand 32,4 cm und die längste Frauenhand 25,5 Zentimeter. Irgendwie einleuchtend, dass eine Standardgröße an Sägegriffen nicht ausreicht. Es macht auch keinen Sinn mal eine Nummer größer zu kaufen. Denn wie bei einer zu groß gekauften Hose, die rutscht, kommt man dabei leicht ins Stolpern.
Er ist so geformt, dass er den C-Bogen ermöglicht und unterstützt, dass sich also Grundgelenk von Daumen und kleinem Finger gegenüberstehen können (Prinzip 1). Deswegen macht spezifisches Werkzeug für Rechts- und Linkshänder Sinn.
Er ist so geformt, dass Sägeblatt und Griff eine Form bilden, die bei guter Positionierung zum Schnitt dem Kletterer ermöglicht, den Mittelfinger in Verlängerung des Unterarmes zu halten (Prinzip 2).

Doch bei der Baumpflege geht es neben dem pfleglichen Umgang mit dem eigenen Körper auch um den pfleglichen Umgang mit den Bäumen, um den optimalen Schnitt. Welche Handsäge wählt man, um die Verletzung am Baum möglichst gering zu halten? Hier ist das andere Ende der Säge wichtig: das Sägeblatt. Welches Sägeblatt ist das Beste? In der ZTV-Baumpflege gibt es die Forderung, dass Äste kleiner einem Durchmesser von 5cm nicht mit der Motorsäge abgeschnitten werden sollen. Damit soll ein Ausfransen der Wunde vermieden werden. Baum-QuerschnittDies ist auch Sinn und Zweck der richtigen Sägenauswahl. Es geht nicht nur darum Kernholz, Splintholz und die Rinde (Bast, Korkkambium, Kork) möglichst zu schonen, sondern besonders um das Kambium. Dieses ist einerseits für die Überwallung (schließen) der Wunde als auch für die Abschottung (im Inneren des Holzes nach dem CODIT-Modell) von großer Bedeutung (Abb. 5).

Handsägen mit unterschiedlicher Zahnung

 

Die heute in der Baumpflege gängigen Handsägen schneiden auf Zug und haben unterschiedliche Zahnung. Es gibt feine, mittlere und grobe Zahnungen. Die Feine ist für zum Beispiel Obstbaum- und Jungbaumschnitt hervorragend geeignet, die Mittlere und Grobe eher für Arbeiten bei Ästen mit einem Durchmesser größer als zwei Zentimeter (Abb. 6).

Bei der Schnittführung kommt es aber nicht nur auf die glatte Schnittoberfläche an, sondern auch auf den richtigen Schnittwinkel. Das Ziel dieser Schnittführung wie sie in der ZTV- Baumpflege beschrieben wird, ist möglichst nur Astholz und kein Stammgewebe zu beschädigen. Gerades und gebogenes SägenblattMan erhofft sich dadurch ein geringeres Risiko von großen Fäulen als Folge der Verletzung. Daher kann es erforderlich sein, zwischen einem gebogenen und einem geraden Blatt die richtige Wahl zu treffen. Bei engen Gabeln, wie zum Beispiel häufig bei Jungbäumen, sind gerade Blätter von Vorteil (Abb. 7).

Die Zahnung des Sägeblattes soll also dem Alter des Baumes und der durchschnittlichen Stärke der Äste, die entnommen werden, angepasst sein. Die Form des Sägeblattes muss die Struktur des Baumes und die Winkel in den Astgabeln berücksichtigen.

Fazit:
Bei einigen Werkzeugen gibt es nur Standardmodelle, da haben wir natürlich nur eine sehr eingeschränkte Wahl. Aber bei der Handsäge, dem Werkzeug, das wir mit am häufigsten benutzen, gibt es verschiedene Ausführungen und Größen. Für jeden das richtige Modell. Wer einfach nur eine Säge kauft, kauft Probleme mit ein.

Die Autorinnen:
Anja Ueberschär (E-Mail)
seit 2000 selbständig in der Baumpflege, body bliss Trainerin, Kurse in Beweglichkeitstraining

Tanja Sachs
Sachverständige für Baumpflege, Referentin des European Tree Worker und Fachagrarwirt Baumpflege
Weitere Informationen

 
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