John Larsen: Berufstaucher und Baumkletterer. 30 Höhenmeter in knapp zwölf Stunden. Für einen gestandenen Baumkletterer nicht gerade eine berauschende Zeit – es sei denn, er muss nach anderthalb Stunden Arbeit in 30 Meter Meerestiefe nach oben. Und er weiß, da oben ist keine Dekompressionskammer. Also, langsam nach oben aufsteigen und zwischendurch halt schlafen.
Ruhe ist des Tauchers Pflicht. John Larsen ist ein Profi: im Tauchen und im Baumklettern. Als Taucher geht er ohne Sauerstoffflasche für vier Minuten bis auf 30 Meter nach unten. In voller Montur konnte sein Arbeitstag in 40 Meter Tiefe mit langsamen Aufstieg gut 17 Stunden dauern. Dass nicht immer alles unfallfrei abgeht, davon zeugt eine lange Narbe an seinem rechten Arm: Folge einer verspäteten Dekompression nach einem Rettungseinsatz. Sein Arbeitsgebiet reichte von Grönland bis nach Mittelamerika, wo er bei Frischwasserbohrungen im Höhlensystem zwischen Atlantik und Pazifik im Einsatz war. Aber so ein Taucherleben fordert seinen Tribut: Deshalb macht er heute den, wie er sagt, zweitbesten Job nach dem Tauchen: Baumpflege mit SKT. Das Tauchen bleibt aber seine Passion. Zum 50. Geburtstag gönnte er sich vor der Küste Südafrikas eine Unterwasserbeobachtung von weißen Haien bei der Robbenjagd – ohne Schutzkäfig.
John, ein Däne mit Wohn- und Firmensitz in München, kletterte 1992 auf Bäume, weil sein Arbeitgeber ihn damals fragte, ob er klettern könne. Er sagte „Ja“ und dann ging es halt nach oben. Damals noch möglich. Im Jahre 2000 absolvierte er einen A-Kurs bei der Münchner Baumkletterschule, anschließend einen B-Kurs. Seit 2007 ist er selbständig, mit dem Spezialgebiet „Schwierige Fällungen“. Wenn man ihn sieht, liegt der Gedanke nicht fern, dass er Bäume auch ausreißen könnte, ein Leichtgewicht ist er nicht. Trotzdem klettert er den Baum hoch, als ob die Schwerkraft kurz mal in der Mittagspause wäre. Aber vielleicht gilt tatsächlich das, was die bekannten Hühner des formidablen Cartoonisten Gaymann schon immer gewusst haben: „Es ist nur eine Frage der Atemtechnik.“
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