Auch am Baum: Mit der Münchner Baumkletterschule. Weil Willi Wtzel in seinem Kinofilm auf einen 20 Meter hohen Baum steigen muss, um Weberameisen zu beobachten, durfte er bei der Münchner Baumkletterschule die Grundlagen eines Kletteraufstiegs trainieren.
Er steht seit Jahren für Information und Unterhaltung, die Spaß macht: „Willi wills wissen“ ist eine der erfolgreichsten Sendungen für Kinder im deutschen Fernsehen. Und jetzt will Willi Weitzel noch höher hinaus: auf die Kinoleinwand. Eine Reise um den gesamten Globus, auf der Suche nach den großen und kleinen Wundern dieser Welt.
Er erlebt dabei sein bisher größtes Abenteuer in einigen der extremsten und außergewöhnlichsten Lebensräume. Willi streichelt schwergewichtige Eisbären und durchquert auf dem Motorrad die größte und einsamste Wüste der Welt. In Australien trifft Willi auf den deutschen Biologen Nico Blüthgen, der seit Jahren australische Ameisenarten erforscht, speziell die Weberameisen. Die leben nicht in Erdbauten, sondern weben Blätter-Nester hoch oben in den Baumkronen, bevorzugt in Feigenbäumen.
Die Ameisen spielen in Willis Kinofilm eine ganz besondere Rolle, denn Willi findet heraus, dass sie einfach überall auf der Welt leben. Egal wo er hinkommt, die Ameisen sind ebenfalls dort. Und noch etwas fasziniert ihn: Würde man alle Ameisen auf eine Waage stellen, wären sie vermutlich genauso schwer wie alle Menschen. Grund genug, mehr über diese heimliche Weltmacht herauszufinden. Deshalb will er mit Nico Weberameisen-Nester anschauen – und dafür müssen die beiden einen 20 Meter hohen Baum besteigen.
Da Willi keinerlei Klettererfahrung hatte, schickte ihn Produzent Fidelis Mager gemeinsam mit Nico Blüthgen für zwei Tage zur Münchner Baumkletterschule. Hier lernten sie die Grundlagen für einen sicheren und entspannten Aufstieg, schließlich sollten sie zwar für die Kamera actionreich nach oben klettern, sich dabei aber gleichzeitig über die Ameisen unterhalten.
Und das Wichtigste war natürlich, das Risiko so gering wie möglich zu halten. „Ich hatte ganz schön Bammel, vor allem, als wir dann in 20 Metern Höhe auf einem Ast standen, um das Ameisennest anzuschauen. Was ich nicht erwartet hatte, war der Wind. Unten war es komplett windstill, aber oben pfiff es ganz ordentlich“, erinnert sich Willi. „Und ehrlich gesagt: Nach ein paar Stunden zwickt so ein Klettergurt ja schon ein wenig an bestimmten Stellen …“
Auch für den Würzburger Forscher Nico Blüthgen war der Kletterkurs eine wichtige Erfahrung, schließlich untersucht er die Ameisen sonst aus dem sicheren Korb eines Baukrans, der mitten im australischen Dschungel platziert ist. „Von so einem Riesenbaum zu fallen ist für uns Menschen vermutlich tödlich. Für die Ameisen hingegen ist das gar kein Problem. Sie würden ganz sanft landen“, erläutert Blüthgen.
Allerdings fand er heraus, dass Weberameisen gar nicht bis zum Boden kämen. Mit spektakulären Filmaufnahmen konnte er beweisen, dass die Tiere im Fallen Richtung Stamm navigieren, dort landen und die wenigen Meter wieder nach oben klettern. „Wie sie das genau machen, ist uns noch nicht klar. Aber es ist genial, denn 20 Meter wären auch für Ameisen eine ordentliche Strecke.“
Der preisgekrönte Kameramann und Ameisen-Spezialist Wolfgang Thaler hatte seine Kamera für die drei Drehtage in den Baumkronen in einem Cherry-Picker-Kran platziert. Von dort bekam er sowohl die beiden Akteure als auch die Ameisen vor die Linse. „Ich war froh, dass ich nur für eine einzige Einstellung selber ins Seil musste. Mir hat schon die kleine schwankende Plattform des Krans gereicht“, so Thaler.
Das Schwanken des Cherry-Pickers stellte sich dann auch als großes Problem für die Makroaufnahmen der Ameisen heraus, denn so war ein Scharfstellen der Kamera beinahe unmöglich. Wolfgang Thaler musste immer wieder den Ast mit dem Ameisennest an der Kamera festbinden, damit sich beides im gleichen Rhythmus bewegte. Der ganze Dreh in luftiger Höhe zog sich außerdem nicht nur durch Wind und Regen immer mehr in die Länge.
„Wie die Weberameisen ihre Nester bauen, ist einfach unglaublich. Sie benutzen die Seide ihrer Raupen, um lebende Blätter zusammenzukleben und damit fußballgroße Nester zu bauen. Das wollten wir natürlich unbedingt auf die Leinwand bringen. Aber es war nicht leicht, den Ameisen unser Drehbuch zu vermitteln“, erklärt Regisseur Arne Sinnwell. „Wir haben kleine Löcher in das Nest gerissen, um die Ameisen zu einer Reparatur zu zwingen. Aber das hat die erstmal gar nicht interessiert. Und als sie endlich anfingen zu kleben, war es zum Drehen fast zu dunkel.“ So musste Wolfgang Thaler noch provisorisch eine kleine Lampe installieren, um das Nest aufzuhellen. Doch schließlich war alles im Kasten – eine spektakuläre Kletteraktion, ein spannender Dialog mit dem Ameisenspezialisten und schließlich die faszinierende Welt der grünen Weberameisen.
„Dieser Ausflug in die Baumkrone gehörte sicher zu den spannendsten Erfahrungen“, so Willi Weitzel. „Obwohl – einen Eisbären mit einem Hubschrauber auszufliegen, in der Sahara plötzlich ohne Wasser dazustehen, in Tokio gegen einen Sumo-Meister anzutreten – das waren auch alles Erlebnisse, die ich nie vergessen werde.“ Und so zieht Willi nach 60 Dreh- und Reisetagen sein persönliches Fazit: „Ich wünsche mir, dass es den Zuschauern so geht wie mir bei den Dreharbeiten: Dieses Gefühl, dass es überall etwas Tolles zu entdecken gibt, egal wo man ist.“
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