Ein Spezialist in Sachen Vielseitigkeit. Es gibt viele Knoten: Einfache, Schwere, Alleskönner und Spezialisten. Ein in der Handhabung einfacher, dabei aber äußerst vielseitig verwendbarer Knoten ist der Machard. Dirk Lingens, Kontenspezialist und Autor eines Knotenhandbuchs, stellt den Machard vor.

Sollte ich mir im hohen Alter mal nur noch vierzig Knoten merken können, dann wäre der Machard sicherlich dabei: Zum einen ist kaum ein Knoten so leicht zu binden (Abb. 1: hänge den Karabiner in beide Augen A und B). Zum anderen ist sein Einsatzspektrum so groß wie nur bei wenigen anderen Knoten:
1. Einhängen eines Flaschenzuges auf dem Lastseil,
2. Klemmknoten für die Rücklaufsperre,
3. Einsatz auf Horizontalseilen,
4. Bau einer abziehbaren Umlenkung auf dem Aufstiegsseil,
5. Kletterknoten, vor allem in kurzer Version.
Und das sind nur die SKT-Anwendungen.
Die Verwendung bei den Punkten 1 und 2 verdankt der Machard vor allem drei Eigenschaften: erstens seiner enorm hohen Bruchlast. Die Last wird gleichmäßig auf vier Stränge verteilt. Bei den meisten anderen Klemmknoten sind es nur zwei, die belastet werden. Zweitens ist dieser Knoten auch nach extremen Krafteinwirkungen ohne Probleme zu lösen bzw. zu verschieben. Und drittens: die auf das Lastseil einwirkende Kraft wird auf einen sehr langen Abschnitt verteilt. Das schont das Material.

Punkt 3 ist eine interessante Anwendung in der Seilzugangstechnik (SZT), da der Klemmknoten hier in beiden Richtungen greift und leicht zu verschieben ist. Aber auch in der SKT gibt es Situationen, in denen man sich über den Machard freut, wenn man ihn kann: z. B. zur Herstellung eines künstlichen Ankerpunktes am Boden zwischen zwei Bäumen. Es gibt übrigens kaum mechanische Geräte, die dies leisten können.
„Das ist doch Spielerei“, sagen einige, wenn ich den unter Punkt 4 genannten Trick vorführe. Stimmt! Bei Rettungsübungen mit dem Mittseil-System oder auch bei Kurz-Einsätzen wird es spielerisch leicht: Die Footlockschlinge wird ersetzt durch ein genau so lang eingestelltes Doppelseilsystem. Der Kambiumschoner ist in diesem Fall aber kein Klemmknoten wie bei der Footlockschlinge, sondern – Abrakadabra – der Machard (Abb. 2). Auf der einen Seite (A) ist ein kleiner Ring und auf der anderen Seite (B) hängt ein großer Ring.

(Zum Kennenlernen kann man auch einen HMS-Karabiner und eine ins große Auge gehängte Abseilacht nehmen.) Jetzt wird am hoch eingebauten Aufstiegsseil gefootlockt. Sobald man die erforderliche Höhe erreicht hat, lässt man einfach los und arbeitet mit dem Doppelseilsystem weiter. Man muss sicherstellen, dass sich der zusammengeschobene Machard selbsttätig schließt (am Boden prüfen, evtl. eine Wicklung mehr machen). Wenn man fertig ist, baut man sein Doppelseilsystem aus, wie man es von einem Ringkambiumschoner her kennt. Großes „Aha!“
Als Kletterknoten ist der Machard nur bedingt geeignet. Der Valdotain ist hier sicherlich der gängigere Knoten. In seiner oben abgebildeten Form lässt sich der Machard nur „kurz“ klettern. Will man ihn „lang“ klettern, bedarf es der Kreuzung mit zwei anderen Knoten (= Knotensex): Machard plus Doppelter Palstek plus Klemheist gleich Geschoteter Klemheist (Abb. 3). Dieser Knoten ist in Funktion und Ästhetik so überzeugend, dass er gut und gerne der letzte meiner Knoten sein darf und eingemeißelt auf meinem Grabstein prangen könnte. Er müsste sich aber noch gedulden.
| Zur Unterscheidung: Machard und Valdotain |
| Der Machard wird mit einer Rundschlinge, der Valdotain mit einem Einfachstrang gebunden. Nimmt man eine relativ lange Schlinge und macht im Verhältnis dazu wenige Wicklungen, bilden sich bei Belastung sogenannte „Zöpfe“. Werden diese nun abwechselnd oben/unten gelegt, erhält man den Machard Tresse, bzw. Valdotain Tresse.
Mehr zum Machard und anderen Knoten in dem Buch Baumknoten von Dirk Lingens |
| Der Autor: Dirk Lingens selbständiger Baumpfleger mit SKT und Ausbilder SKT, tätig auch im Industriebereich – Seilzugangstechnik Weitere Informationen |
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