Baumpflege 2006: Weil eine Kronensicherung den Baum unversehrt lässt, ist sie meines Erachtens aus biologischer Sicht dem Sicherungsschnitt vorzuziehen.
Die neue ZTV-Baumpflege unterscheidet jetzt drei Sicherungsarten:
• Dynamische Bruchsicherung, Bewegungsbegrenzung (Abb. 1a)
• Statische Bruchsicherung, Starre Fixierung (Abb. 1b)
• Tragsicherung, Absturzsicherung (Abb. 1c)

1. Die dynamische Bruchsicherung
Die dynamische Bruchsicherung ist der Normalfall. Ist ein Baumteil durch einen Schaden geschwächt, muß die Krone diesen spüren können. Nur dann kann der Baum den Schaden durch Kompensationswachstum ausgleichen. Um kompensieren zu können, muss das schadhafte Baumteil bei leichten sommerlichen Winden, in der Wachstumsperiode, beweglich sein. Man lässt also Bewegung zu, bremst sie aber dynamisch ein, um ein Aufschaukeln und damit eine Überlastung zu vermeiden. Hierzu genügen relativ niedrig dimensionierte Seilstärken. Ein Ruckdämpfer ist für die Schwingung bei geringen sommerlichen Winden förderlich. Ausgeführt wird die Sicherung in der Regel als Vieleck.
• Eingebaut wird in 2/3 Höhe des Stämmlings, Bemessung siehe Tab. 1 (Herleitung in pro baum 4/2005 S. 2-10)
2. Die statische Bruchsicherung
Bei angerissenen Baumteilen, z. B. bei V-Zwieseln mit Riss, muss die Bewegung vollständig unterdrückt werden. Nur dann kann ein Weiterreißen verhindert werden. Im Gegensatz zur dynamischen Bruchsicherung muss jetzt das Baumteil starr gehalten werden. Dazu sind Seile mit geringer Dehnung, z.B. Dyneema- oder Stahlseile, die richtige Wahl. Sie besitzen nur eine Bruchdehnung von 2 % bei sehr hohen Bruchkräften. Aber auch durch eine gegenüber der dynamischen Bruchsicherung doppelt so starke Dimensionierung und durch den Wegfall von Ruckdämpfern wird eine Ruhigstellung bewirkt.
• Eingebaut wird in 2/3 Höhe des Stämmlings, Bemessung siehe Tab. 1 (das Zweifache der dynamischen Bruchlast)
Bemessungsvorschläge/Dimensionierung der Seiltragfähigkeiten in der Kronensicherung I
| Dynamische Bruchsicherung | |
| Durchmesser an der Astbasis | System-Bruchlast während der garantierten Funktionszeit |
| bis 40 cm | 2 to |
| 40-60 cm | 4 to |
| 60-80 cm | 8 to |
| Statische Sicherung: mind. das Zweifache dieser Werte | |
Tabelle 1 (ZTV – Baumpflege 2006)
3. Tragsicherung
Die Kronenarchitektur eines Baumes erlaubt nicht immer eine räumliche Sicherung, die die Kräfte innerhalb der Krone verteilt. Dennoch muss verhindert werden, dass ein Kronenteil zu Boden stürzt. Wer weiß besser als der Kletterer, dass der freie Fall hohe Kräfte erzeugen kann. Auch beim Baum ist diese Situation unbedingt zu verhindern. Ein Absturz wird durch den möglichst vertikalen Einbau des Seiles vermieden. Da das Seil unvorgespannt eingebaut wird, kann im Extremfall immer noch ein Ruck entstehen. Er wird durch die Dehnung des Seiles hervorgerufen und kann die Seilbelastung bis zum doppelten Baumteilgewicht verursachen. Die Auswertung mehrerer hundert Straßen- und Parkbäume aus Sicherheitsgutachten der SAG Baumstatik, der AfB und zweier spezieller Diplomarbeiten hat Tabelle 2 hervorgebracht.
• Bemessung siehe Tab. 2 (Herleitung in pro baum 4/2005 S. 2-10)
Bemessungsvorschläge/Dimensionierung der Seiltragfähigkeiten in der Kronensicherung II
| Trag/Haltsicherung | |
| Durchmesser an der Astbasis | Mindest-Bruchlast während der garantierten Funktionszeit |
| bis 30 cm | 2 to |
| 30-40 cm | 4 to |
| 40-50 cm | 6 to |
| 50-60 cm | 8 to |
Tabelle 2 (ZTV – Baumpflege 2006)
Einsatzdauer
Wichtig ist für den Einbauenden, dass der Hersteller für die Einsatzdauer seines Seil- oder Gurtsystems gerade steht. Fachhersteller kennen die Zeitfestigkeit ihrer Materialien beim Einsatz in Baumkronen. Der Baumpfleger sollte sich hier absichern. Die ZTV schreibt eine Mindesteinsatzdauer von acht Jahren vor. Besser ist natürlich eine längere Einsatzzeit. Es ist selbstverständlich, dass die Systembruchlasten bis zum letzten Tag der garantierten Einsatzdauer erfüllt werden.
Einbaukontrolle
Eine Kronensicherung darf man nicht einbauen und dann sich selbst überlassen. Im Rahmen der Baumkontrolle nach Baumkontrollrichtlinie 2004 muss sie, wie der Baum selbst, einer turnusmäßigen Kontrolle unterzogen werden. Von außen ist nicht sichtbar, wie tragfähig ein Seil noch ist. Aber man kennt die Festigkeitsverluste pro Jahr.
Deshalb ist zuerst einmal die Feststellung des Einbaujahres von wesentlicher Bedeutung. Hier hilft dann eine Plakette mit der jeweiligen Jahresfarbe, wie beim TÜV, die Auskunft geben kann. Sollte eine Kronensicherung einmal durch ein Starkwindereignis überlastet worden sein, sieht man das bei allen Kunststoffseilsystemen an einem auffälligen Durchhang, der durch Geraderecken der Seilfasern entstanden ist.
| Weitere Informationen |
| ZTV – Baumpflege 2006 FLL Baumkontrollrichtlinie 2010 |
| Der Autor: Dr. Ing. Lothar Wessolly (E-Mail) Beauftragter vom Regelwerksausschuss, um die Neuerungen bzgl. Kronensicherung in der Fachpresse zu vermitteln |
| Unser Tipp |
| Haben auch Sie einen Baum, der einen Schaden davon getragen hat und wissen nicht, was zu tun ist? Auf Baumpflegeportal.de finden Sie einen Baumpfleger oder Sachverständigen, der sich damit auskennt.
Wenn Sie selbst Baumgutachter sind, dann vermerken Sie das entsprechend in Ihrem Eintrag auf dem Baumpflegeportal. So werden Sie schnell und zuverlässig von Ihren zukünftigen Kunden gefunden. |
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