Immer wieder der Treppenaufstieg. Vor Jahren noch der – bestenfalls – beschmunzelte Exot, ist er heute eine anerkannte Aufstiegstechnik. Mit noch vielen Optimierungsmöglichkeiten. Er ist deshalb eine Aufstiegstechnik für innovative Tüftler. Eine weitere Stufe zum optimalen Treppenaufstieg nimmt Dennis Stapf.
Der Treppenaufstieg ist inzwischen bei vielen Kletterern die 1. Wahl bei den Aufstiegstechniken am stehenden Seil und wird immer weiter modifiziert (z. B. Der Überhandaufstieg, Kletterblatt 2014).
Einige Details störten mich aber nach wie vor:
• Auch mit der Schlaufe in der oberen Klemme bleibt die Hand dennoch blockiert und kann nicht helfen,
wenn es mal etwas enger ist.
• Erlaubt die Struktur ein „freies“ Hochklettern, wird zwar die Bruststeigklemme durch das Gummiband
hochgezogen, die andere Klemme ist dann aber im Weg.
• Die Koordination des Ablaufes bleibt für einige Kletterer, aber vor allem für Anfänger erst einmal
schwer umzusetzen.
• In der klassischen Zusammenstellung ist der Treppenaufstieg nur für den Aufstieg am stehenden Seil geeignet.
• Die Rettung ist auch wegen der Übersicht anspruchsvoll.
Ist das halt so oder geht es nicht besser? Ich dachte, es muss besser gehen. Der Treppenaufstieg kann optimiert werden. Auf eine Idee hat mich Michael Frankhauser mit seinem HAAS gebracht. Ebenso Kollegen, die wie ich den Treppenaufstieg schätzen und nutzen, aber die Defizite sehen und nicht akzeptieren wollen. Ein „Ist-halt-so“ gibt es nicht. Auch diese Kollegen haben sich Sets ausgedacht, die in meine Idee eingeflossen sind.
Der Treppenaufstieg geht besser!

Man nehme eine Bruststeigklemme (z. B. Croll, Basic, TurboChest etc.), knote ein Stück Seil ein und binde sich am anderen Ende eine Schlaufe für den Fuß. In meinem Fall (siehe Bilder) Hohltau am Ende durchgespleißt, so entsteht eine Schlinge, die am Fuß fixiert werden kann. Die Länge sollte so gewählt werden, dass die Klemme nachher auf Höhe des Knies hängt.
In die obere Öse der Bruststeigklemme wird ein Gummiseil eingeknotet, an das Ende kommt ein Hilfskarabiner. Bei der Länge muss dann ein bisschen ausprobiert werden, also erst mal lang genug lassen, damit nachjustiert werden kann (Abb. 1, Abb. 2).
Das Gummiseil wird durch den zentralen Ring oder einen Hilfskarabiner in der Brücke geführt und am gegenüberliegenden Fuß, an dem die Fußsteigklemme sitzt, in die Schnürsenkel, oder Schlaufen, gehängt.
Die obere Klemme mit der Trittschlinge und Schlaufe für die Hand entfällt also, und nichts muss mehr von Hand nach oben geschoben werden. Damit kommt das nächste Problem: Die Hintersicherung der Bruststeigklemme über die obere Klemme entfällt – eine Verbindung zur jetzt unteren Klemme ist technisch machbar, aber wegen der auftretenden hohen Fangstöße nicht vertretbar. Da Klemmen nicht als alleiniges Sicherungsgerät dienen sollten, habe ich mehrere Geräte ausprobiert. Am besten funktioniert hat es mit dem BUDDY von DMM und dem GOBLIN von CAMP. Einige Kollegen benutzen auch den Rocker, der lief bei mir jedoch nicht so gut, was ich aber nicht verallgemeinern will.
Das Sicherungsgerät der Wahl wird nun mit einem Karabiner mit dem zentralen Ring oder der Brücke verbunden. Ich habe kein Gummiband in das Gerät eingeknotet, sondern ein Gummiband mit eingeknotetem Hilfskarabiner während der Arbeit immer um den Hals. „Ach, dafür ist das! Ich dachte, das ist Baumpflegerschmuck“, sagte mal ein Teilnehmer eines SKT Kurses zu mir.
Dies hat zwei Gründe:
1. Bei allen von mir ausprobierten Sicherungsgeräten muss zum
Belegen der Karabiner entnommen und das Gerät geöffnet
werden.
2. Die Kombination Klemme mit kurzer Trittschlinge und
Gummiband, Fußsteigklemme und Gummiband um den Hals
kann bei jeder Doppel- und Einfachseiltechnik verwendet werden,
vor allem auch sehr schön bei Einfachseiltechniken mit dem
Rope Wrench. Der komplette Aufbau des Systems ist auf Abb. 3
zu sehen.
Beim Aufstieg sind nun also beide Hände „frei“. Man braucht sie lediglich, um den Körper aufrecht zu halten, eine Kombination mit Brustgurt (je nach Einstellung) ist möglich, um das komplette „Handsfree“-Feeling zu haben.
Wer einen HAAS besitzt, kann ihn für dieses System natürlich sehr gut benutzen. Er läuft vielleicht sogar noch etwas besser als mein System. Gestört am HAAS haben mich nur zwei Dinge: Einmal der hohe Preis und dann die Tatsache, dass im HAAS das Gummiseil durch ein Röhrchen im Seil der Trittschlinge läuft, dadurch das Ganze sehr starr wird und nicht kompakt verstaut bzw. am Gurt transportiert werden kann. Aber das nur am Rande. Vielleicht macht ihr eine andere Erfahrung.
Viel Spaß beim Ausprobieren meines Systems. Ich bin mir sicher, dass sich der Treppenaufstieg noch weiter verbessern lässt. Vielleicht habt Ihr neue Ideen. Ich bin gespannt und wäre gerne bei Euren Ideen und Gedanken dabei: Treppenaufstieg@Kletterblatt.de.
| Der Autor: Dennis Stapf (E-Mail) Selbständiger Baumpfleger, Ausbilder der Münchner Baumkletterschule |
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