Hand in Hand veranstalteten Jan Feldmann (Baumkletterei Feldmann) und Janosch Heimbucher (Baumpflegeschule Busemann) vom 18. bis 22. Juli 2020 auf dem Gelände des Hof Schulenberg e. V. gemeinsame Seminartage. An diesen fünf aufschlussreichen Tagen drehte sich alles um Baumpflege, Seilklettertechniken, Rettung im Baum und auch um den Artenschutz. Janosch Heimbucher berichtet für das Kletterblatt von den intensiven Tagen.
Was vor drei Jahren in Hatten bei Oldenburg als „reiner“ Rettungstag begann, weitet sich seit 2018 immer mehr aus. Seitdem gibt es einen zusätzlichen Fortbildungstag rein zum Thema Artenschutz. Der Fokus liegt dabei auf der Bedeutung von Totholz als Habitat.
Rettung im Fokus
Da ein Rettungstag die letzten Jahre recht kurz schien, entschlossen wir uns dieses Jahr dazu, dem Thema zwei komplette Tage zu widmen. Neben den anschaulichen Rettungsübungen ergänzten Vorträge das Seminar. Dabei ging es um Erstversorgung von Schnittverletzungen auf Baustellen, Kranfällung und die Persönliche Schutzausrüstung bei Maßnahmen rund um den Eichenprozessionsspinner. Eine Fragestunde zum Thema Seile bildete den Abschluss.

Die Technik macht’s
Der Workshop zur SRT richtete sich an Kursteilnehmer mit Vorkenntnissen in der Seilklettertechnik. Unsere Referenten stellten verschiedene Arten von Ankerpunkten in der Krone vor. Sie präsentierten diverse Möglichkeiten von Umlenkungen und zeigten Arbeitsplanung sowie Bewegungsabläufe für das Arbeiten mit SRT. Nach kurzen Theorieblöcken durften die Teilnehmer das Erlernte direkt in den Schulungsbäumen umsetzen und vertiefen.
Parallel dazu fand ein praktischer Teil zur Kroneneinkürzung für Anfänger statt. Neben Theorie zu Schnittführung, Baumbiologie und Arbeitspositionierung stand auch hier die praktische Erfahrung im Vordergrund. So konnten die Teilnehmer ihr Wissen unter Anleitung bei einer Kronenteileinkürzung anwenden.
Die Richtlinien im Blick
Thomas Ludwig als Baumsachverständiger schulte die Teilnehmer in der neuen Baumkontrollrichtlinie FLL 2020. Er startete mit einem Theorieteil zu visueller Baumkontrolle. Anschließend zogen die Teilnehmer für einen praktischen Teil in Gruppen durch den Oldenburger Schlossgarten. Dort kontrollierten sie gemeinsam ausgewählte Bäume. Die Erkenntnisse daraus stellten die Gruppen anschließend vor und diskutierten sie.
Auf in den Naturwald
Die Waldpädagogin Carola Freise führte uns durch den Naturwald Hasbruch. Wir besuchten Bäume, die zum Teil etwa 1200 Jahre alt sind. Von Carola Freise erfuhr die Gruppe, wie sich Wald und Bäume ohne menschlichen Eingriff entwickeln. Bis weit in das 19. Jahrhundert hinein nutzten Bauern diesen Wald als Hutewald. Bereits seit 1938 stellte der zuständige Forst eine 29 Hektar große Fläche als „Urwald Hasbruch“ unter Naturschutz. Viele Jahrzehnte später stellten sie ganze 55,5 Hektar zu einem großen Naturschutzgebiet zusammen. Teile des Naturwaldes werden seit über 150 Jahren nicht mehr bewirtschaftet. Damit ist dieser Wald eine deutschlandweite Besonderheit.
Gemeinsam stark
Um die Kosten für unsere Seminartage zu decken, baten wir um Spenden. Unsere Teilnehmer und Zuschauer waren sehr großzügig: Wir erhielten sogar einen Überschuss, den wir an den Hof Schulenberg e. V. als Spende weitergaben. Da wir schon vor Ort waren und uns der Verein sein gesamtes Gelände für unsere Veranstaltung überließ, pflegten wir im Zuge der Seminare und Übungen zum Dank gleich die Bäume vor Ort.
Im Vorfeld der Veranstaltung standen wir vor großen Herausforderungen: COVID-19 stellte alles bisher Geplante in Frage. Unsere Referenten, Teilnehmer und Zuschauer unterstützten uns: Ihre Schulungen reduzierten Referenten auf ein Minimum an Körperkontakt. Teilnehmer und Zuschauer hielten sich an die geltenden Hygienebestimmungen – dank der Achtsamkeit aller Beteiligten liefen unsere Schulungstage reibungslos ab.
Bei dem anschließenden Campen war die Atmosphäre trotz Social Distancing familiär und ein schöner, gemeinsamer Abschluss.
| Verein Hof Schulenberg e. V. |
| Der Verein Hof Schulenberg e. V. ist eine stationäre Erziehungshilfe. Sie fördern Kinder und Jugendliche dabei, in ihre Familien zurückzukehren oder sich in der Gesellschaft zu integrieren. Dabei steht Hilfe zur Selbsthilfe im Vordergrund. |
| Der Autor: Janosch Heimbucher Leidenschaftlicher Baumpfleger und Baumkletterer, Ausbilder im Bereich Seilklettertechnik bei der Baumpflegeschule Busemann |
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