Weltmeisterschaft im Baumklettern – Sydney 2011: Seit 2006 ist Moritz Theuerkauf, Ausbilder der Münchner Baumkletterschule, eine feste Größe bei den deutschen Meisterschaften im Baumklettern. 2011 war für ihn ein Erfolgsjahr. Deutscher Meister im Baumklettern und 2. bei den Europameisterschaften. Damit war klar, Moritz Theuerkauf ist bei den Weltmeisterschaften in Australien dabei. Eukalyptus statt Eiche.
Wenn Regen Segen bringt, dann hätte Parramatta einen Heiligenschein verdient. 127 Milliliter Regen an zwei Tagen, soviel wie in den letzten 50 Jahren nicht mehr. Und wir mitten drin. In Parramatta, einem Stadtteil von Sydney, in dem die Weltmeisterschaften 2011 der Baumkletterer und -kletterinnen stattgefunden haben. Bibbern und Bangen war angesagt. Selbst die ISA Organisatoren schickten Stoßgebete in den verhangenen Himmel.
Der nächste Tag war nicht viel besser. Und die zwei deutschen Teilnehmer Moritz Theuerkauf und Kathrin Blessing gingen mit Jetlag und in Gummistiefeln den Parcours ab. Im Vergleich zu Wien (Europameisterschaft) war es ein relativ einfacher Parcours. Dort hatte der Rettungsdummy 80 Kilo gewogen. Doch hier war noch immer nicht geklärt, ob die Weltmeisterschaften bei dem Dauerregen stattfinden würden, denn die geasteten Eukalyptusbäume waren dadurch glatt wie Schmierseife. Und deshalb gefährlich.
Die Kletterer waren davon unbeeindruckt. Die Stimmung war gut und gemeinsam trotzte man dem Regen beim Materialcheck. Insgesamt starteten 44 Männer und 18 Frauen – die besten Baumkletterer der Welt. Moritz nahmen sie den Achter weg und bei Kathrin gingen ihre Sachen allesamt durch. Dicht gedrängt unter Regenschirmen schaute man auf den Hügel, wo sich der Parcours langsam in eine schwimmende Insel verwandelte. Und dann war klar: Heute würde niemand mehr klettern. Alle Starts wurden auf Samstag verschoben. Moritz und Kathrin, die in derselben Gruppe mit Daniel Stevens, US-Western, Walter Hak, KPB-Dutch, Josephine Hedger, UK; Kariome Karkiko, Shanghai starteten, waren froh über die Entscheidung der ISA. Für sie bedeutete die Verlegung des Wettkampfs mehr Fairness, da sie mit dem Arbeitsklettern und der Rettung hätten beginnen müssen. Glück im Unglück für das deutsche Team.
Am Samstag war es dann so weit. Das Wetter hatte seinen Tiefpunkt überwunden. Außer einigen wenigen Schauern blieb es weitgehend trocken. Moritz und Kathrin starteten mit dem Einwerfen: zwei große Eukalyptusbäume mit schönen Gabeln. Moritz traf beim ersten Wurf den Siebener und verpasste bei dem zweiten Baum nur knapp den Zehner. Am Ende wurden es insgesamt zehn Punkte. Kathrin traf auch die Sieben-Punkte-Gabel. Kein schlechter Start also für die deutschen Meister. Weiter ging es mit dem Footlocken, wo Moritz mit 17,44 Sekunden knapp unter seiner Bestzeit blieb, dafür Kathrin mit einer Zeit von 25,89 Sekunden einen Bestlauf hatte. Das Wetter hielt, die Judger, die Kletterer und die Bäume waren gut drauf und so wurde der gesamte Wettkampf an einem Tag durchgezogen. Moritz absolvierte die Rettung mit einer sehr souveränen, sicheren Leistung und auch Kathrin überraschte mit ihrer Souveränität, da sie erst seit zwei! Jahren in der Baumpflege aktiv ist. Im Speedclimb lagen die Zeiten der beiden Deutschen bei guten 31,01 Sekunden und 55,74 Sekunden. Spannend wurde es dann nochmals beim Arbeitsklettern. Nach einem heftigen Schauer waren die Eukalyptusbäume sehr nass und rutschig. Moritz und Kathrin hingen bereits im Baum. Und wieder hatten sie Glück. Die Sonne schien kurz, aber knackig … und innerhalb von zehn Minuten war die glatte Rinde des Eukalyptus auch schon wieder trocken.
Moritz schlängelte sich durch den Arbeitsbaum, der sehr downhillig war und landete, nachdem er alle vier Glocken getroffen hatte, gut in der Zeit wieder auf der Erde. Kathrin flog mit einem Lächeln auf den Lippen durch die Astgabeln und überraschte das gesamte Publikum mit einer tollen Leistung.
Noch am selben Abend wurden die Mastersteilnehmer bekannt gegeben. Moritz und Kathrin hatten beide gute Chancen. Doch das Feld lag sehr dicht beisammen und Moritz verpasste mit Platz sieben nur knapp das Masters. Kathrin freute sich über einen beachtlichen dritten Platz im Arbeitsklettern und einen achten Platz in der Weltrangliste.
Die Mastersteilnehmer bei den Männern waren: Scott Forrest aus Neuseeland, Jared Abrojena, US Western; Joe Harris, Australien, Johan Gustavsson, Schweden und Jonathon Turnbull aus dem UK. Bei den Frauen waren am Start die Neuseeländerin Chrissy Spence, Kia Martin, Australien/Asia Pac und Jessica Knot aus Australien. Ob es wohl an den vertrauten Eukalyptusbäumen lag, dass die Australier Heimvorteil hatten? Wie auch immer. Die Stimmung bei den Baumkletterern war einsame Spitze, oder besser: astrein. Jeder gönnte jedem den Sieg. Von Herzen. Selten habe ich das so erlebt. Auch wenn bei einem ein Auge weinte, lachte doch das andere und zwinkerte den Mastersteilnehmern zu. Alle warteten gespannt auf den finalen Tag.
Die Mastersbäume waren kleiner als erwartet. Wieder waren es Eukalyptusbäume. Mitten in einer kleinen Anlage in Parramatta. Der Australier Joe Harris startete als erster und fegte wie ein Koala durch die Bäume. Sicher und extrem easy going. Die Australier eben. Da kann manch einer noch was von lernen. Scott aus Neuseeland kletterte im Anschluss, fließend und ebenso gut wie sein Vordermann. Es würde schwer werden für die Jury. Der Amerikaner kam mit den Eukalyptusbäumen nicht so gut klar, dafür legte John Turnbull eine sagenhafte Leistung hin. Sehr überlegt und mit einer geschickten Technik. Johan Gustavsson war souverän, aber nicht überragend, allerdings muss man sagen: alle fünf Mastersteilnehmer haben beim ersten Wurf die Gabel getroffen! Da merkt man: da treffen sich wirklich die Weltbesten. Insgesamt war das Niveau sehr hoch bei den teilnehmenden Kletterern.
Am Ende entschied sich die Jury für Scott Forrest aus Neuseeland als neuen Weltmeister im Baumklettern; Platz 2 ging an den Australier Joe Harris und den dritten Platz belegte John Turnbull aus dem UK. Bei den Frauen siegte mit einem klaren Vorsprung Chrissy Spence aus Neuseeland, dann folgte Kia Martin und den dritten Platz belegte Jessica Knot aus Australien.
Jetzt sind wir wieder in Down Over Deutschland. Was bleibt ist das einzigartige Gefühl mit allen, ob hier oder auf der anderen Seite der Welt, verbunden zu sein. Die Baumwelt ist und bleibt eine große Familie.
| Die Autorin: Kristina Henn (E-Mail) |
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