Zwei bis drei Meter war sie breit: die Kanker in Garmisch-Partenkirchen. Zum Zwecke des Hochwasserschutzes sollte sie verbreitert werden und zwar mit einem Streifen von ca. zweieinhalb bis drei Meter Breite auf jeder Uferseite, gerechnet von der jetzigen Böschungskante. Dort standen auf öffentlicher Fläche und auf Privatgrundstücken sowohl Sträucher als auch Bäume. Es waren also umfangreiche Rodungsarbeiten nötig. Zum Einsatz kam auch ein neues Großgerät. Von Mario Weigl.
Die Baustelle war als maschinelles Baumabtragen (die Uferseite von der aus gearbeitet wurde) und SKT kombiniert mit Autokraneinsatz ausgeschrieben (andere Uferseite). Schlagrodung war ausgeschlossen! Es mussten also alle 250 Bäume abgetragen werden. (140 Bäume zehn bis 30 Zentimeter StD, 60 Bäume 30 bis 50 Zentimeter StD, 30 Bäume 50 bis 70 Zentimeter StD, zehn Bäume 70 bis 90 Zentimeter StD, fünf Bäume 90 bis 120 Zentimeter StD, ein Baum über 120 Zentimeter StD). Nach dem Entfernen der Bäume musste, mit an Holzpfosten befestigtem Maschendrahtzaun, eine Absturzsicherung hergestellt werden.
Wir hatten uns einen Sennebogen 718M angeschafft und dies war nun der erste Auftrag, den wir mit dieser Maschine ausführen konnten. Der Bagger ist mit einer hochfahrbaren Kabine auf ca. fünf Meter Sichthöhe ausgestattet und hat einen Kranarm mit einer Reichweite von 13 Metern. Als Anbaugerät wurde mit einem Bracke 16.b gearbeitet. Dies ist ein Fäll- und Sammelaggregat, das als Schneideinheit über eine rotierende Metallscheibe verfügt, auf der eine Sägekette gespannt ist. Diese Scheibe wird hydraulisch 25 Zentimeter ausgefahren, sodass Bäume bis max. 50 Zentimeter Durchmesser damit gefällt werden können. Die Öffnungsweite des Greifers beträgt ca. ein Meter.
Für Bäume mit bis zu 30 Meter Höhe haben wir mit einem zum Baumfällkran umgebauten 30 Tonnen Autokran gearbeitet. Dieser hatte eine Reichweite von 26 Meter und eine Reichhöhe von max. 40 Meter. Der max. zwickbare Stammdurchmesser belief sich auf 60 Zentimeter. Als Schneideinheit verfügt der Kran über einen Baumgreifer mit hydraulischer Schere.
Das Wetter war bunt gemischt. Am Anfang ca. 20 Zentimeter geschlossene Schneedecke und von sonnigen und wolkenfreien Tagen mit hervorragender Fernsicht in die Berge, über bewölkte und diesige Tage und auch Schneefall. Temperatur war meist zwischen +4°C bis -10°C. Das Wetter konnte unserer Motivation und Stimmung allerdings keinen Abbruch tun. Da die Baustelle doch zwei Fahrstunden von uns weg ist, haben wir vor Ort in einer Pension übernachtet und morgens gab es zuerst einmal ein reichhaltiges Frühstück.
Gearbeitet werden konnte nur von einer Uferseite aus. Auf dieser Seite befanden sich aber auch ein Jugendzentrum, eine Schule und der Fuß- und Radweg. Schüler und Jugendliche sollten trotz der Baumfällarbeiten ungehindert den Weg nutzen können, da ein möglicher Umweg zu lang gewesen wäre. Wir haben den Bereich abgesperrt und meine Bodenleute haben die Verkehrssicherung übernommen und die Schüler schubweise vorbeigelassen. Der restliche Baustellenbereich war entlang einer ruhigen Tempo-30-Siedlungsstraße mit ca. sechs Metern Straßenbreite (ein Parkstreifen, ein Fahrstreifen, ein Gehweg am Ufer). Diese wurde so gesperrt, das die Anlieger noch zu Ihren Häusern und Garagen konnten. Das war ein klarer Vorteil des Sennebogens 718, weil mit ihm der benötigte Arbeitsraum wesentlich kleiner ist als er z. B. für einen Autokraneinsatz nötig gewesen wäre. In Zahlen kann ich das derzeit nicht ausdrücken, aber mein Bauchgefühl sagt mir ca. 30 bis 40 % weniger Flächenbedarf.
Die Bäume auf der gegenüberliegenden Seite mit einer Höhe von zwölf bis max. 15 Metern haben wir noch mit dem 718er abgetragen und dies obwohl das Bracke-Aggregat nicht wirklich für derartige Baumabtragungen ausgelegt ist. Höhere Bäume mit dem Baumfällkran. Die Zeitersparnis im Vergleich zu Arbeiten mit SKT und Autokran ist gewaltig. Wir gehen von min. dem doppelten Zeitaufwand aus, wenn nicht sogar dem dreifachen bei ungünstigen Wetterbedingungen. Außerdem ist das Arbeiten so wesentlich sicherer, körperlich nicht mehr anstrengend, der benötigte Arbeitsraum wesentlich kleiner als z. B. bei Fällung mit Autokran.
Das Material wurde vor Ort in grobe Stücke zerlegt, mit dem Bagger in einen Abroll-Container verladen und auf einen Parkplatz transportiert. Dort wurde dann das meiste Material mit einem Großhacker gehäckselt.
Wir benötigten für diesen Einsatz knapp zehn Tage. Außer der Einlernphase hatten wir am Anfang auch Startschwierigkeiten (gerissene Hydraulikverbindung) und später noch einen gerissenen Hydraulikblock (Materialfehler), der uns nochmal fast einen Tag gekostet hat. Insgesamt können wir von einem erfolgreichen Einsatz sprechen. Der nächste ist zeitlich schon in Sicht, räumlich in 100 Kilometer Entfernung.
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Der Autor: Mario Weigel seit 2004 Fa. Baumpflege Weigl |
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