Tipp 2011

Thomas Schirp hat eine Lösung gefunden, um zu verhindern, dass das Aufstiegsseil vor grober Rinde stoppt. Thomas Fischer stellt eine Methode zum Spleißen von Dyneema Wurfleinen vor.

Wieso stoppt das Aufstiegsseil regelmäßig vor grober Rinde?

Silicon-Kartusche am AufstiegsseilIch habe mir darüber Gedanken gemacht und ein kleines Hilfsmittel entwickelt.

Es begann mit dem immer wieder vorkommenden Problem beim Seil-einbau. Die Wurfleine wurde eingebaut, das Aufstiegsseil eingeknotet und beim Einziehen stoppt das stumpfe Ende des Aufstiegsseils vor grober Rinde oder sonstigen Hindernissen. Was einfach nur ärgerlich ist. Nach einigem Überlegen und Suchen in meiner Werkstatt fand ich dann die Lösung:

Die Spitze einer Silicon-Kartusche.

Die spitze Öffnung wird so weit gekürzt, dass die Wurfleine hindurch passt. Das Aufstiegsseil wird wie gewohnt eingebunden und die Spitze mit dem Gewinde über das Aufstiegsseil gedreht.

Bei einem zehn Millimeter Aufstiegsseil funktioniert das super, die Spitze lässt sich ca. einen Zentimeter über das eingebundene Seil drehen. Dadurch fixiert sich die Wurfleine zusätzlich am Seil und aufgrund der spitzen Form bleibt das Seil nicht mehr hängen.

 

Seilprofis am Werk

Hier eine etwas komplizierte, aber fingerschonende und schnelle Methode zum Spleißen von Dyneema Wurfleinen:

Benötigt wird:

– Vasofix Braunüle, Durchmesser 2,2 Millimeter (Apotheke)
– Sekundenkleber
– Messer
– Feuerzeug
– Metallfeile (fein)
– Papier zum abwischen

Zuerst entfernt man für mindestens 30 Zentimeter den evtl. vorhandenen Nylonkern. Dann trägt man ganz leicht rings um das Ende der Wurfschnur Sekundenkleber auf und wischt ihn mit Papier sofort wieder ab, um eine harte, gleichmäßige Hülle zu bekommen. Danach schneidet man das Ende der Wurfschnur in sehr spitzem Winkel ab, um ein hartes und schräges Ende zu erhalten. Das lockere Innere der Wurfschnur, das sich später beim Durchziehen verkannten könnte, wird nochmals mit Sekundenkleber stabilisiert und das Ende, falls notwendig, erneut schräg angeschnitten.

Danach wird die spitze Seite der Braunüle leicht abgestumpft, um Verletzungen der Wurfleine durch die Spitze zu vermeiden. Nun führt man ca. 25 Zentimeter vom Wurfschnurende die Nadel genau mittig in das Hohlgeflecht der Wurfleine in Richtung Ende ein. Dabei ist darauf zu achten, dass die Braunüle zwischen den ganzen Litzen und nicht einfach irgendwie in die Schnur geschoben wird. Einführungsfehler machen ein späteres Spleißen zur Geduldsprobe. Nach ca. vier Zentimeter verlässt man die Schnur.

Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man lässt einen Zentimeter Zwischenraum und führt dann die Braunüle erneut für weitere vier Zentimeter in die Wurfleine ein oder man verlässt die Schnur wie gehabt und durchsticht diese nach ca. einem Zentimeter. Hier wird ein späteres versehentliches Herausmelken des Spleißes verhindert.

Jetzt folgt der wichtigste Schritt: das Ende mit der geraden abgeschnittenen Seite wird so weit wie möglich in und auf die Spitze der Braunüle geklebt. Der Übergang von Braunüle zur Wurfschnur wird mit Kleber gefüllt und sofort mit Papier abgewischt, um den Durchmesser von Nadel oder Schnur nicht zu vergrößern. Es muss vor allem darauf geachtet werden, dass der richtige Kleber benutzt wird. Sonst kann es vorkommen, dass sich die Verbindung von Nadel und Schnurende löst und man erneut von vorne anfangen darf.

Gut trocknen lassen und dann vorsichtig durchziehen, die Braunüle kann etwas hin und her gedreht werden, dabei wird die aufgeschobene Schnur mit den Fingernägeln über die Braunüle geschoben. Die Schnur voll durchziehen und möglichst nahe an der Austrittsstelle der Wurfleine abschneiden. Das gesplissene Auge nach Belieben herausziehen.

Jetzt an der Nadel die Wurfleine abschneiden. Schnur und Kleberreste abbrennen. Den entstandenen Ruß an der Spitze der Nadel entfernen. Nun kann die Sollbruchstelle (die gelbe, rote oder rot-weiße Wurfleine, wobei die rot-weiße schwerer zu spleißen ist) mit gleichem Verfahren – aber ohne Braunüle – in das Auge der vorherigen Wurfschnur eingespleißt werden. Bei diesen Wurfleinen geht das besonders einfach, wenn man das Ende mit dem Feuerzeug erwärmt und eine Spitze formt. Diese kann meist ohne Hilfsmittel in das Hohlgeflecht eingestochen werden. Falls doch ein Hilfsmittel benötigt wird, kann mit einer Kugelschreibermine vorgestochen werden.

 

Die Autoren:
Wieso stoppt das Aufstiegsseil regelmäßig vor grober Rinde – Thomas Schirp
Kodama Baumpflege, zertifizierter Baum- und Industriekletterer
 
Seilprofis am Werk – Thomas Fischer

 
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