Fußklemmtechnik am umlaufenden Doppelseil: Die S.AU Technik. 15 Sekunden für 15 Höhenmeter! Das ist eine Zeit, die beeindruckt – aber weltweit nur von einigen wenigen, gut trainierten Kletterern erreicht wird. Für uns Alltagskletterer bleiben 15 Sekunden ein schöner Traum, aber bei der Arbeit nicht zu schaffen. Braucht’s auch nicht. Denn ob der Aufstieg in zwei Minuten oder in 15 Sekunden erfolgt, sagt noch nichts darüber aus, wie schnell und wie gut ein Baum geschnitten ist. Trotzdem können auch wir unseren Aufstieg optimieren.
Aufstiegstechniken gibt es viele. Eine sehr einfache und dazu auch noch schnelle Technik ist die Fußklemmtechnik am umlaufenden Doppelseil. Im Gegensatz zur Footlock-Technik am stehenden Doppelseil ist der Aufstieg zwar etwas langsamer, im optimalen Fall halb so schnell, aber für wenig Trainierte viel einfacher und wesentlich ungefährlicher anzuwenden und im Endeffekt dann doch noch schnell. Ich nenne dieses Verfahren die S.AU-Technik: die schnelle Seil.AUfstiegs-Technik.
Vielleicht denken Sie jetzt: A-Kurs-Niveau, die Technik kenn’ und kann ich. Ich stelle aber immer wieder fest, dass auch Profis diese Technik nicht optimal und sauber anwenden. Deshalb ist es mir ein Anliegen, sie etwas ausführlicher darzustellen.


Bewegungsablauf
Die Schnelligkeit dieser Technik hängt von ein paar wesentlichen Details ab. Zuallererst muss darauf geachtet werden, dass die linke Hand mit ausgestrecktem Arm von vorne über den Klemmknoten greift (Bild 1). Für den Aufstieg ist es ratsam, den Klemmknoten etwas länger zu wählen, weil dann mit einem Durchgang mehr Strecke gemacht werden kann. Die rechte Hand wird unterhalb des Klemmknotens positioniert und verbleibt bis zum Schluss in Ruhe. Das Seil läuft zwischen den Knien am rechten Fußspann vorbei, wird mit dem linken Fuß hochgeholt und auf dem rechten Fuß eingeklemmt. Je höher man die Beine anwinkelt, desto mehr Höhe kann man mit einem Durchlauf überwinden (Bild 1).
Typische Fehler in dieser Phase:
Falsch: Der Kletterer versucht, den Knoten nachzuschieben. Das sollte man nicht tun.
Richtig: Erst wenn alle im Folgenden beschriebenen Abläufe beendet sind, schiebt die rechte Hand den Knoten am durchgestreckten Seil nach oben. Das ist erst die letzte Handlung in diesem Zyklus.
Falsch: Die rechte Hand wird wie bei einem Hüftschwung gehalten.
Richtig: Beide Hände müssen das Seil so umgreifen, als würde man einen Besenstiel halten (Stangengriff, Daumen liegen oben, s. Pfeile Bild 1).
Uneffizient: Die Beine werden nicht hoch genug angewinkelt. Dadurch vergibt man sehr viel an Schnelligkeit.


Klettern wir nun weiter: Wenn das Seil auf dem rechten Fuß eingeklemmt ist, zieht die linke Hand am Seil, während gleichzeitig mit den Füßen das Seil durchgedrückt wird (Bild 2). Dabei muss darauf geachtet werden, dass der Druck leicht nach hinten unter das Gesäß erfolgt, sodass die Zug- und Druckrichtungen im Lot des Seiles liegen. Meistens kann man mit der linken Hand zwei oder drei Mal nachgreifen, bevor die Füße durchgedrückt sind (siehe Bildfolge 2 – 5). So kann man im optimalen Fall mit einem Durchlauf die maximal mögliche Höhe (Länge des Klemmknotens) erreichen. Sobald die Füße ganz durchgedrückt sind (Bild 5 – das Seil muss straff gehalten werden) und, ganz wichtig, die linke Hand ganz ausgestreckt nach oben greift, dann und erst dann schiebt man mit der rechten Hand den Klemmknoten bequem am gespannten Seil nach oben (Bild 6). Fertig ist der erste Zyklus. Dies wiederholt man nun nach gleichem Schema.


Resümee
Die Vorteile der S.AU-Technik sind mannigfaltig. Sie ist leicht erlern- und anwendbar, weil kein Umbau des Systems notwendig ist und durch das umlaufende System nur die halbe Kraft für einen Zyklus benötigt wird. Klar, man kommt mit dieser umlaufenden Seiltechnik im Vergleich zu Techniken an „stehenden“ Seilen aufgrund des Flaschenzugprinzips nur halb so schnell nach oben. Doch sie ist für kleine bis mittelgroße Bäume ausreichend schnell, zumal nach dem Aufstieg kein System gewechselt und umgebaut werden muss. Man kann also auch problemlos zu jeder Zeit zwischen Aufstieg und Klettern wechseln. Richtig angewandt sieht die Technik fast so elegant aus wie die Footlock-Technik, weshalb der Beifall von möglichen Zuschauern nicht ausbleiben muss.
Das Ganze ist ein komplexer Bewegungsablauf und erfordert natürlich ein bisschen Übung, wenn es geschmeidig aussehen und fließend funktionieren soll. Aber es lohnt sich, diese Technik einmal richtig zu erlernen. Sie ist die Basis für die verwandte Footlock-Aufstiegstechnik, die Königsdisziplin unter den Aufstiegstechniken. Vielleicht klappt es dann doch mal mit den 15 Sekunden.
Viel Spaß beim Üben und Perfektionieren.
| Der Autor: Johannes Bilharz Mitgründer und Schulleiter der Münchner Baumkletterschule, dipl. Agrarwissenschaftler, seit 28 Jahren Baumpfleger, passionierter Obstbaumschneider und begeisterter Baumkletterer |
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