Baumklettermeisterschaften

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Sportliches im Baum: Seit Anfang der 90er Jahre gibt es in Deutschland Baumklettermeisterschaften. Diese Meisterschaften sind Wettkämpfe zur Baumpflegeklettertechnik mit sportlichem Charakter. In einem internationalen Wettbewerb wird dann nach den nationalen Ausscheidungskämpfen der Weltmeister ermittelt.

1976 gründete Dick Alvarez aus Kalifornien den ersten Baumpflegewettbewerb in St. Louis, Missouri. Dieser erste Wettbewerb bestand aus vier Wettkampfveranstaltungen: dem Arbeitsklettern, der Höhenrettung, dem Seilwerfen und der Fußklemmtechnik. Heute wird der Wettkampf als „Internationale Baumklettermeisterschaft” ( ITCC ) in 20 Ländern rund um den Globus abgehalten. Ziel der Veranstaltung ist es, sichere Arbeitstechniken zu fördern, Verbesserungen von Ausrüstung und Technik zu demonstrieren und das Publikum auf die Baumpflege aufmerksam zu machen. Für die Kletterer ist es eine Möglichkeit, mit anderen Fachleuten zusammenzukommen und Ideen auszutauschen. Die Weltmeisterschaften finden während der jährlichen Konferenz der International Society of Arboriculture, ISA, statt. In der Regel in den USA. Jeder Landesverband (chapter) der ISA ist berechtigt, je einen männlichen Teilnehmer und eine weibliche Teilnehmerin zu schicken, die den jeweiligen Landesverband bei der Veranstaltung repräsentieren. Die Kletterer werden bei den nationalen Wettbewerbsveranstaltungen ermittelt. Auch die Sieger der alle zwei Jahre stattfindenden Europameisterschaften dürfen an den Weltmeisterschaften teilnehmen.

Deutsche Meisterschaften gibt es seit Anfang der 90er Jahre. Diese wurden zwar offiziell vom Chapter Germany der ISA durchgeführt, kamen aber tatsächlich häufig nur auf Initiative einiger Kletter-Enthusiasten zustande. Es ist unglaublich, wie viel Organisationsaufwand dahinter steckt. Dutzende von Freiwilligen sind als Organisatoren, Helfer und Schiedsrichter Tage, nein Wochen beschäftigt. Mit erheblichen Kosten, die sie in der Regel selbst aufbringen. Aber der Spaß am Wettkampf und das Gemeinschaftsgefühl haben bis jetzt noch jeden entschädigt. Seit 2002 hat das Chapter Germany der ISA in Zusammenarbeit mit den bisherigen Ausrichtern wieder die Organisation übernommen.

Wer bei den deutschen Meisterschaften im September 2005 mitmachen will, ist herzlich willkommen. Bei einer großen Teilnehmerzahl werden Qualifikationen durchgeführt. Die ersten Zehn des Vorjahreswettkampfes sind aber für den Hauptwettbewerb gesetzt. Die Meisterschaften finden in Worms statt und werden vom ISA – Mitglied Frank Bressler organisiert.

Sowohl bei der Deutschen Meisterschaft als auch bei der Weltmeisterschaft treten die Teilnehmer in fünf Disziplinen gegeneinander an. Die fünf besten Teilnehmer kämpfen dann in der Meisterschaftsrunde, der „Master’s Challenge”, um den Titel des Deutschen Meisters bzw. des Weltmeisters.

Die Wettbewerbe im Einzelnen
Arbeitsklettern

Die sogenannte Königsdisziplin dieses Wettbewerbs steht zumeist im Mittelpunkt des Geschehens, da hier für den Zuschauer gut erkennbar das „eigentliche” Klettern im Baum demonstriert wird. Hier muss jede Stelle im Baum erreicht werden können. Deshalb wurde im Baum ein Kletterparcours mit verschiedenen Stationen eingerichtet, die erklettert werden müssen. An einigen dieser Stationen werden im Berufsalltag vorkommende Tätigkeiten simuliert.
Neben den zu bewältigenden Aufgaben werden in erster Linie die Sicherheit, aber auch der Stil, die Seilführung, die Lösung verschiedener Problemsituationen sowie die benötigte Zeit bewertet.

Rettung
Baumkletterer arbeiten häufig an für Hubarbeitsbühnen nur sehr schwer zugänglichen Stellen. Der Baumkletterer ist am besten fähig, eine verunfallte Person schnell und sicher nach unten zu bringen und Erste-Hilfe-Maßnahmen durchzuführen. Bewertungskriterien in dieser neben dem Arbeitsklettern wichtigsten Disziplin sind das richtige Ansprechen des Verunfallten, das korrekte Einschätzen der Situation, der sichere Aufstieg des Retters und das schnelle und vor allem sichere Abseilen der verunglückten Person.

Seilwerfen
Das Werfen des Wurfseils gilt als effiziente und sichere Methode, da ein Aufstieg bis in den oberen Kronenbereich möglich ist, ohne dass ein Wechseln des Sicherungssystems nötig ist. Um die Fähigkeiten der Teilnehmer zu prüfen, werden im Baum einige Astgabeln markiert. Diese gilt es nun innerhalb einer Zeitfrist zu treffen, so dass ein Kletterseil eingezogen werden kann.

Schnellklettern am Baum
Hier soll der Baumkletterer das tun, was er bei der täglichen Arbeit nie machen darf: Möglichst schnell und ohne Eigensicherung den Baum „hochrennen”. Natürlich wird der Teilnehmer beim Wettbewerb vom Boden aus gesichert.

Fußklemmtechnik
Der gesicherte Aufstieg am Seil mit Hilfe der Fußklemmtechnik (Footlock) ist eine Methode, die in den USA entwickelt wurde. Sie gilt bei entsprechender Übung als beste Methode, um vor allem hochkronige Bäume schnell zu erklettern.
Es gilt das frei hängende Seil möglichst schnell bis zum Markierungspunkt in 15 Meter Höhe hochzuklettern.

Finale (Master Challenge)
Der Name sagt es schon: Die letzte und alles entscheidende Disziplin wird zwischen den besten Wettbewerbern ausgetragen. Die in der Gesamtwertung der vorherigen Disziplinen fünf Bestplatzierten kämpfen hier um den Meistertitel. Das Finale bietet eine Mischung aus den anderen Disziplinen. Nach einer Bedenkzeit zur Einschätzung der Situation und Entwicklung einer sinnvollen Vorgehensweise wird am Boden gestartet. Der Teilnehmer setzt mit Hilfe des Wurfseils sein Aufstiegsseil und “erklettert” die markierten Arbeitsstationen im Baum.
Bewertet wird dabei die Sicherheit, der Stil und die Taktik. Die Zeit spielt hier eine eher untergeordnete Rolle. Hier zeigt sich also, wer ein Meister ist. Dazu gehört am Ende eines langen Tages Nervenkraft, das Beherrschen aller Techniken, Phantasie, Kraft, Ausdauer, Glück und die Liebe zu Bäumen.

Quellen:
„Klettermeisterschaften in der Baumpflege“ Übersetzung aus dem Amerikanischen, Broschüre der ISA

Der Autor: Carsten Venzke (E-Mail)
1. Vorsitzender des Chapters Germany der ISA, Fachdozent für Baumpflege, ö.b.v. Sachverständiger für Baumpflege, Supervisor für Zertifizierungen „European Treeworker“, Prüfungsausschussmitglied „European Treeworker“ und „Fachagrarwirt Baumpflege“

 
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