Die überragende Bedeutung des Bodenmannes beim Rigging: Nicht jeder Kletterer ist ein guter Bodenmann – und umgekehrt. Das dürfte wohl jedem klar sein. Dass aber das gute oder fast perfekte Zusammenspiel von „Oben” und „Unten” leistungssteigernd sein kann, ist vielleicht nicht mehr jedem klar. Die Arbeitsleistung kann sich, bei gleicher oder größerer Sicherheit, leicht verdoppeln.
Die Praxis sieht leider oft anders aus, wobei man drei Gruppen von Firmen unterscheiden kann. Erstens gibt es Gartenbaubetriebe, die ab und zu mal einen Baum abholzen, was wie folgt aussieht: Leiter ran, Seil dran, absägen.
Zweitens gibt es semiprofessionelle Firmen, die aus einem selbstständigen Kletterer und einem mehr oder weniger gut ausgebildetem Hilfsteam bestehen. Dabei ist oft kein zweiter Kletterer anwesend, der retten könnte. Bei beiden Gruppen ist die Arbeit mühsamer und gefährlicher als nötig. Bestimmungen der BG werden nicht eingehalten, bei einem Unfall droht Ärger mit Gesetz und Versicherung indegenerique.be.
Drittens gibt es die Profis. Wo also die Kletterer in den ersten beiden Gruppen schnell an ihre durch die Muskelkraft bestimmte Grenze kommen und Gewichte nur unter großer Gefahr für alle Beteiligten händeln, kann der Profi diese Grenze durch Einsatz von Riggingsystemen verschieben.
Riggingsysteme sind Seilsysteme, die es in Verbindung mit Bremsgeräten erlauben, selbst Gewichte von mehreren hundert Kilo ohne einen nennenswerten Fangstoß sanft zu Boden zu lassen. Aus Sicherheitsgründen sind das Kletterseilsystem und das Riggingseilsystem strikt zu trennen und dürfen nie vermischt werden.
Der alleinige Einsatz von Technik bringt allerdings nicht den gewünschten Erfolg, der Weg führt über geschultes Bodenpersonal. Damit der Kletterer seine Arbeit möglichst ohne störende Einflüsse erledigen kann, fallen dem Bodenpersonal mehrere Aufgaben zu, die sich aber am besten in einer Person konzentrieren: dem Bodenmann. Er sorgt für ein sicheres Umfeld am Boden, d.h. er dirigiert die restlichen Mitarbeiter und sorgt mit für deren Sicherheit durch ständigen Blickkontakt zum Kletterer. Der Bodenmann kontrolliert alle Tätigkeiten des Kletterers als Rückversicherung für den Kletterer und die Bodenmannschaft, dazu gehören u. a.:
• Kontrolle des Ankerpunktes vom Ablassseil
• Kontrolle von Anbindepunkten an Lasten
• Seilhygiene zwischen Ablass- und Kletterseil
Er bedient das Bremssystem und sitzt quasi wie eine Spinne im Netz, die alle Fäden in der Hand hat, ist sozusagen das Bindeglied zwischen den oben und unten Arbeitenden.
Um all diese Dinge leisten zu können, ist es unabdingbar, dass der Bodenmann auch klettern kann, denn nur so kann er die Aktionen des Kletterers bewerten, um Unfälle zu vermeiden und im Notfall auch retten zu können. Dazu ist eine gute Kommunikation zwischen Kletterer und Bodenmann nötig, Kritik muss als absolut positiv und notwendig verstanden werden. Sonst sind Fehler vorprogrammiert, die in diesem Beruf lebensgefährlich sein können.
Dabei ist das Gefühl des sich aufeinander verlassen Könnens für Kletterer und Bodenmannschaft äußerst wichtig. Niemand arbeitet gerne „unter“ einem Kletterer, der unberechenbar mit Ästen von oben schmeißt, und kein Kletterer möchte das Gefühl haben, Rodeo zu reiten, wenn der Bodenmann am Bremsgerät versagt. Zusätzlich ist es für den Kletterer sicher ein schönes Gefühl, im Fall der Fälle zu wissen, er wird gerettet. Also: Auf gute Zusammenarbeit.
| Der Autor: Andreas Köhler Design und Herstellung baubiologischer Möbel aus Holz und Stahl, seit 1999 tätig als Baumpfleger bei der Fa. Benk Baum und Boden, Leiter Bodenmannschaft, Kletterer mit B-Schein bei der Münchner Baumkletterschule |
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