Qualitätssicherung durch Fortbildung: Ausbilder sind Vorbilder und sollten deshalb immer auf dem aktuellsten Wissensstand sein. Die Kenntnisse, die für einen hohen Qualitätsstandard erforderlich sind, machen daher Fortbildungen unumgänglich. Für Ausbilder der Münchner Baumkletterschule wurde deshalb ein einwöchiger interner Fortbildungslehrgang auf der Katlenburg organisiert.
Die Gartenbau-BG hat im Jahr 2001 in Zusammenarbeit mit bereits bestehenden Baumkletterschulen den Grundstein für eine geregelte Ausbildung nach vorgegebenen einheitlichen Lehrinhalten festgelegt.
Folgerichtig gibt es nun auch Zulassungskriterien für Ausbilder und Schulen. Schulen werden in einem Verfahren durch die BG akkreditiert (oder eben nicht). Ausbilder müssen eine Prüfung in Theorie und Praxis ablegen, bevor sie den begehrten Ausweis erhalten. Die Prüfungskommission setzt sich aus Vertretern der BG und der einzelnen Schulen zusammen. Nach bestandener Prüfung muss der frischgebackene Ausbilder nur noch darauf achten, dass er im geforderten Zwei-Jahres-Turnus die arbeitsmedizinische Untersuchung und den Ersthelferkurs auffrischt. Ist das aber ausreichend? Ich sage, das ist es nicht!
Die Münchner Baumkletterschule setzt zur Qualitätssicherung auf interne Fortbildung: Einarbeitung neuer Ausbilder durch erfahrene Ausbildungsleiter, stetige Information des gesamten Teams über neue Techniken und Regelungen und jährlich mehrere mehrtägige Arbeitstreffen. Kein Ausbilder soll sich während eines Kurses fragen: „Wie war das nochmal?“ Um diesen hohen Standard zu halten, fand in der Zeit vom 10. bis 14. Juni ein Ausbildermarathon auf der Katlenburg statt. Die Hauptthemen dieser Fortbildung waren: Sicherung von Arbeitsstellen, Rettung und PSA-Sachkunde.
1. Disziplin: Sicherung von Arbeitsstellen
Die Bewältigung dieser Disziplin war in Organisation und Ausführung einfach, weil zu diesem Thema die Gartenbau-BG ein Standard-Seminar mit abschließender Prüfung anbietet. Das Seminar hielt sich eng an ein Skript des Sicherheitstechnischen Dienstes und war zeitlich auf dessen Abarbeitung eingerichtet. Leider blieben einige speziellere Fragen aus der Praxis der Baumpflege unbeantwortet. Das Ziel wurde aber im Wesentlichen erreicht: Jeder weiß nun, wie er den ermittelten Gefahrenbereich korrekt absperren muss, welche Befugnisse das Bodenpersonal hat und wo unser geliebtes Flatterband als Absperrung rechtlich einzuordnen ist.
2. Disziplin: Rettung
Die zweite Disziplin war schon etwas schwieriger. Denn hier sollen wir ja die Fachleute sein. An dieser Stelle tritt ein wichtiges Argument für die schulinterne Fortbildung zutage. Die Ausbilderprüfung der BG ist eine Momentaufnahme mit Stichprobencharakter. Die simulierte Rettungssituation deckt nur einen, wenn auch sehr wahrscheinlichen Notfall, ab: Die Rettung im Außenbereich. Andere Situationen wie z.B. die Rettung aus dem Aufstiegssystem oder die Rettung des in Kurzsicherung und Steigeisen stehenden Kletterers werden nicht geprüft. Weil diese Notfälle aber während der Ausbildung schon ab dem Level B-Kurs eintreten können, trainierten wir einen Tag lang die Rettungsvarianten für die verschiedensten Sonderfälle. Natürlich gilt auch für uns, was wir unseren Schülern mit auf den Weg geben: Nicht nur das Wissen, sondern auch die Übung macht den Meister!
Die medizinische Seite der Rettung war Thema des dritten Tages. Dafür hatten wir uns Knut Foppe und Andreas Mitschke eingeladen. Schwerpunkt war der verletzungsgerechte Ablauf der Rettung. Schließlich erfordern unterschiedliche Verletzungsmuster unterschiedliches, manchmal sogar gegensätzliches Vorgehen. Sehr anschaulich und beeindruckend waren die Sturzversuche mit einem Dummy in kompletter Baumkletterausrüstung zur Ermittlung der auftretenden Fangstöße.
3. Disziplin: PSA-Sachkunde
Auf jedem B-Kurs wird das von den Teilnehmern mitgebrachte Material geprüft und über dessen Verwendung auf dem Kurs entschieden. Das ist wichtig, weil der Ausbilder dann fünf Tage die Verantwortung für die Ausrüstungen trägt. Was liegt also näher, als die Ausbilder zu Sachkundigen für PSA zu machen? Da wir Knut Foppe vom FISAT als einen der kompetentesten Ausbilder auf diesem Gebiet gerade für die Rettung engagiert hatten, nutzten wir die Gelegenheit und vervollständigten unsere Seminarwoche noch mit einem Sachkundelehrgang. Wenngleich bislang schon Klarheit über die Aussonderungskriterien von Ausrüstung bestanden hatte, war es durchaus wichtig und lehrreich für alle, sich mit dem Wortlaut, den Inhalten und Bedeutungen von Normen und Regeln zu beschäftigen. Auch dieser Lehrgang schloss mit einer Prüfung ab. Für den praktischen Teil musste unter anderem die Ausrüstung eines Kollegen geprüft werden. Und siehe da: trotz der immer wieder geforderten und angestrebten Vorbildwirkung hatten nur wenige Ausbilder eine komplett mängelfreie Ausrüstung. Die Selbstkontrolle wird also in Zukunft eine noch größere Rolle spielen.
Die Kurswoche auf der Katlenburg war ein voller Erfolg. Nahezu alle Ausbilder der Münchner Baumkletterschule konnten daran teilnehmen. Und mit dem erworbenen Wissen und den bestandenen Prüfungen war wieder einmal nachdrücklich bewiesen: „Wir ziehen alle am gleichen Seil. Aber das auf hohem Niveau.“
| Der Autor: Bernhard Schütte Dipl.-Ing. Forstwissenschaft, Fa. happy tree Baumpflege, seit 4 Jahren Ausbildungsleiter im Team der Münchner Baumkletterschule |
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