Global Players

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Die Welt der Industriekletterer: Sie arbeiten in schwindelnder Höhe an Fernsehtürmen, hängen an Täler überspannenden Brücken oder sorgen für klare Sicht bei der Deutschen Bank. Heute ist ihr Arbeitsplatz eine kleine Dorfkirche in Südschleswig und morgen kann es ein Hochhaus in Dubai sein. Ein kurzer Blick in die spannende und abwechslungsreiche Arbeitswelt der Industriekletterer.

Die Höhenarbeit ist schon in heimischer Umgebung spannend. Sie stellt die Akteure bei jedem Einsatz vor neue, oft schwierige, anspruchsvolle und interessante Aufgaben. So ist auch im Alltag immer für genug Abwechslung gesorgt, die große Flexibilität und oft mutige Entscheidungen verlangt. Ein Klettereinsatz an anderen Plätzen der Welt ist aber auch für uns immer wieder von neuem eine große Herausforderung und die Garantie für Aufregung und Abenteuer.

Italien
Im vergangenen Jahr bekamen wir einen Anruf und mussten stante pede nach Italien aufbrechen. Ein Überseeschiff sollte neu beschriftet werden. Wir sagten zu und waren schon am Planen, Packen und Organisieren. Das Schiff bekam eine neue schöne Beschriftung und wir nach einiger Zeit einen Folgeauftrag in Kesselberg. Kesselberg, das ist so in etwa die deutsche Bedeutung für Busan, eine Hafenstadt in Südkorea und mit um die 4 Mio. Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Landes.

Fernost
Wenn Kletterer beruflich reisen, haben sie natürlich diverse Gegenstände dabei. Auf dem Weg nach Korea hat uns der Zoll an die Seite genommen und unsere Ausrüstung „gefilzt“. Berufsgemäß waren Messer und Klingen im Gepäck. Die Situation wurde kritisch, bis ein hilfreicher Zollbeamter, der anscheinend unseren Berufsstand kannte, erfreut rief: „Oh, climbers, that´s fine!“. Danach gab es glücklicherweise keine weiteren Schwierigkeiten.
Erst wieder beim Rückflug. Aber diesmal nicht wegen unserer Ausrüstung: Bei einem Zwischenstopp in Peking machten uns die Sicherheitsbeamten große Schwierigkeiten. Nicht wegen unserer diversen Messer und Klingen, sondern wegen eines in Korea gekauften Glücksbringers, der sich im Handgepäck befand. Es handelte sich um einen Drachen, der komplett aus Metall bestand und so geformt war, dass er, mit der entsprechenden bösartigen Energie, als Waffe zu benutzen gewesen wäre. Weil unser Englisch nicht gerade das Beste ist, leisteten wir mit Händen und Füßen Überzeugungsarbeit, um das eigentlich harmlose „Tier“ doch noch mit nach Deutschland nehmen zu dürfen. Mittlerweile ziert er unser Büro.

Nahost
Das Jahr 2008 begann viel versprechend mit einem weiteren Auslandsauftrag. In der zweiten Jahreshälfte 2007 hatte uns ein Kletterer angerufen, der noch eine Ausbildung zum Industriekletterer machen wollte. Einen Auftrag hatte er auch schon: Gleich nach absolviertem Grundkurs sollte er an einem 50 m hohen Gebäude Glasreinigungsarbeiten durchführen. Wir schluckten erst einmal und berieten ihn ausführlich zu den Ausbildungskursen. Danach erklärten wir ihm jedoch, dass solche Arbeiten zuerst von einem aufsichtsführenden Höhenarbeiter professionell geplant werden müssen, bevor sich ein „Level-1er“ einfach mal so eben an eine Fassade hängen kann. Ihm wurden die möglichen Gefahren klar und so bat er uns, die Aufsicht für diese Baustelle zu übernehmen. Es gäbe dabei nur eine Kleinigkeit zu bedenken: das Gebäude stehe in Dubai. Im Vergleich zu anderen Einsatzorten eigentlich relativ nahe, und viel Zeit zum Planen. So saßen wir, nach erfolgreicher Termin- und Preisverhandlung, Anfang 2008 im Flugzeug nach Dubai.

Vor dem Abflug
Die besonderen Herausforderungen bei solchen Einsatzorten gehen schon beim Packen los. Das Gepäck ist in der Regel auf 20 Kilo begrenzt und schon 6 Kilo Übergepäck verursachen erhebliche Kosten. Man ist daher gut beraten, so wenig wie möglich, aber so viel wie nötig einzupacken. Jeder Kletterer weiß, dass eine Grundausrüstung mit zwei 65 m Seilen schon locker auf 20 Kilo kommt. Und damit können noch nicht einmal unerwartete Gegebenheiten gemeistert werden.
Außerdem braucht man neben der Kletterausrüstung auch noch Arbeits- und Privatkleidung. Da hilft nur ein ausgeklügeltes Packsystem und zusätzlich muss jeder bereit sein, zugunsten des Arbeitsmaterials auf einen Großteil seiner persönlichen Sachen zu verzichten – außer der Kreditkarte natürlich!

Zusammenfassend können wir sagen, dass jeder Auslandseinsatz aufgrund der oft kurzfristigen Planung im Vorfeld mit viel Aufregung und Stress verbunden ist. Außerdem mussten wir während der harten Arbeitseinsätze ständig gegen die Zeit und die Müdigkeit ankämpfen. Trotzdem waren wir nach der Fertigstellung des Auftrags glücklich und zufrieden. Es ist ein gutes Gefühl, viel geleistet und erlebt zu haben. Wir werden wieder fliegen. Egal wohin es geht, wir sind darauf vorbereitet.

Der Autor: Benedikt Goldbeck (E-Mail)
Inhaber von Top-Work-Team, zertifizierter Höhenarbeiter und -retter, Fisat e. V. Arbeitskreis Ausbildung, unterrichtet an der Hamburger Meisterschule Fachtechnologie und PSA gegen Absturz

 
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