Thomas Vogel, alias Jonathan – so nennen ihn seine Freunde –, arbeitet neben seiner Tätigkeit als Baumpfleger und Waldorfpädagoge seit 15 Jahren im Bereich Kinderklettern. Für das Aufsteigen in Bäume hat er 2007 im Kletterblatt seine Tukk-Technik vorgestellt, damals noch mit Knotentechnik. Inzwischen hat er die Methode weiter verfeinert und optimiert.
Während sich die Fach-Kletterwelt darüber streitet, ob Einfachseiltechnik (SRT) oder die umlaufende Doppelseiltechnik (SKT) mehr Vorteile beim Klettern bietet, kombiniert die TUKK-Methode von Jonathan beide Welten miteinander: Aufstieg an stehenden Seilen mit ergonomischem Bewegungsablauf, der dem natürlichen Wechsel beim Treppensteigen entspricht; gleichzeitige Verfügbarkeit von umlaufendem Seilsystem (mit den Vorteilen des geschmeidigen Dosierens und des kraftsparenden Flaschenzug-Effekts) und Stehendseil-System (mit den Vorteilen des direkten Aufstiegs ohne Wegverlust oder Verhinderung von Reibung oder Blockieren von Seilsträngen z. B. bei Ast-Umlenkungen).
In der im Kletterblatt 2007 vorgestellten Aufstiegsvariante TUKK hängt der Kletterer im durchhängenden Klemmknotenseil. Das ist mittels Blake-Knoten an beiden Seilsträngen befestigt und mittels zweitem durchhängendem Klemmknotenseil auch in der Länge verstellbar.
Später hat Jonathan die Blake-Knoten durch Klemmen ersetzt (er schwört auf das mitlaufende Sicherungsgerät von Camp) und einige Jahre damit gearbeitet. Die Anordnung war exakt die gleiche, d. h. bei der „Walking“-Bewegung waren die Klemmen Überhand angeordnet.
Bei einem Besuch im Freeworker-Shop kam er mit dem Fachberater Bernd Hartl ins Gespräch. Bernd ist nicht nur gelernter Werkzeugmacher, sondern auch begeisterter T5-Geocacher und hat Spaß am Tüfteln. Zuerst erprobten sie die Idee, die Klemmen direkt an die Gurtzentrale kurz zu hängen und beim Aufstieg mit den Händen über den Klemmen wechselweise zu greifen. Das Nachziehen der Klemmen wurde mit Gummizug um den Hals sichergestellt, wie es viele beim Einfachseilaufstieg praktizieren.
Das System funktionierte sehr gut beim Aufstieg, nicht aber beim Wechsel vom Stehendseil (SRT) zum umlaufenden Seil (SKT). Denn aus dem Handgelenk lassen sich die mitlaufenden Klemmen nicht so feinfühlig dosieren wie mit ausgestrecktem Arm bei der vorher verwendeten Langversion. Kurz nachgedacht, im Shop umgeschaut und Lösung gefunden. Klemmen und Klettergurt wurden einfach mittels längenverstellbarer Schlinge verbunden (Adjust I von Petzl).

Das Übergreifen mit den Händen war Jonathan zu anstrengend (60 Jahre hinterlassen auch bei ambitionierten Baumkletterern ihre Spuren), weshalb er über den Klemmen noch zwei Handsteigklemmen einbaute, die er wie schon bei seiner ersten TUKK-Version kommunizierend mittels Schlinge (A) durch Karabiner (B) umgelenkt mit den Klemmen verband. Dadurch spart er sich den Gummizug um den Hals, der vorher die Klemmen mit hochschob. Stattdessen werden die Klemmen jetzt mit jedem Hochschieben einer der Handsteigklemmen automatisch nachgezogen. Jonathan ist begeistert über den leichtgängigen Aufstieg, selbst für einen Baumpfleger wie ihn „im fortgeschrittenen Alter“ (Original-Zitat).
Und hier noch einige Details:
Die mitlaufenden Seilklemmen sollen beim Aufstieg möglichst unbeweglich miteinander verbunden sein. Deshalb mit Mini-Zurrgurt fixieren (D). Klemmen dabei nah am Gurt führen. Bei Übergang in die umlaufende Doppelseiltechnik einfach den Mini-Zurrgurt entfernen, Handsteigklemmen ausbauen und die verstellbare Schlinge (E) verlängern, damit die mitlaufenden Seilklemmen (C) hoch hängen (besser zu dosieren). Je nach verfügbarer Seillänge der einzelnen Seilstränge wird mal die eine, mal die andere mitlaufende Seilklemme gelöst. Für schnelles Abseilen nutzt Jonathan das Robot von Camp (F). Wie schon bei TUKK 1.0 braucht es zwei Fußsteigklemmen für den Treppenaufstieg (inzwischen gibt es Fußsteigklemmen für Rechts und Links). Beim Aufstieg am stehenden Seil nicht vergessen, Seilstränge zu beschweren. Damit auch das Kambium geschont wird und er beim Wechsel zwischen stehend und umlaufend nicht umgebaut werden muss, empfiehlt Jonathan den E-Tuber.
Eines weiß Jonathan aber schon jetzt: Auch bei dieser Lösung müssen noch ein paar Details verbessert werden. Deshalb hofft er auf kreativen Input von anderen jüngeren Kollegen (E-Mail). Wir freuen uns schon jetzt auf neue Varianten.
| Der Autor: Thomas Vogel (E-Mail) Gartenbau-Ingenieur, Waldorfpädagoge; seit 1976 Baumpflege im Obstbau; Arbeit mit SKT seit 1999; organisiert seit 2001 Erlebniskletterkurse mit Schulklassen im „Baum-Raum“ |
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