Wettklettern im Hochseilgarten: Der Fernsehsender VOX hatte mit seiner Sendung „Wildes Wohnzimmer“ zum großen sportlichen Wettkampf aufgerufen. Wer klettert besser: ein menschlicher Meisterkletterer oder ein Nasenbär?
Angetreten zum Wettklettern sind der neunmalige deutsche Meister im Sportklettern, Christian Bindhammer und der eineinhalbjährige Berliner Nasenbär „Sunny“, begleitet von Tiertrainerin Nicolle Müller aus Berlin. Austragungsort der Wettkämpfe: der Hochseilgarten Ammersee im bayerischen Utting.
Kommen wir zu den Wettkämpfern. Christian Bindhammer ist jedem Kletterer ein Begriff. Aber Nasenbär Sunny? Nun, Nasenbären (Nasua sp.) sind ihrerseits exzellente Kletterer. Ihre Heimat sind die Wälder im Süden der USA bis hinunter nach Argentinien. Nasenbären können ihre Gelenke an den Pfoten extrem dehnen und die Krallen nach hinten drehen. Das verschafft ihnen exzellenten Halt und macht sie zu wahren Meisterkletterern.
Das Hochseilgarten-Team hatte bereits im Vorfeld alle Hände voll zu tun, die besten Voraussetzungen für den Wettbewerb zu schaffen. Dazu gehörte neben der professionell gesicherten und spannend gestalteten Kletteranlage auch eine passende Ausrüstung für die Wettbewerber. Gebraucht wurde zum einen ein gut sichtbares Seil, das die Kamera leicht erfassen konnte. Außerdem musste das Material stimmen, denn für Nasenbär Sunny kamen Stahlseile nicht in Frage und der Durchmesser musste für Mensch und Tier gleichermaßen geeignet sein.
Das Klettergarten-Team entschied sich für ein 60 Meter langes rotes Stahlseil (14 Millimeter) mit PP Ummantelung und einem Gesamtdurchmesser von 18 Millimetern. Es wurde auf den bereits vorhandenen Bodenfundamenten abgespannt und oben an den Anschlagpunkten der Masten angeschlagen. Ein dynamisches Kletterseil (Vertical) sicherte Christian Bindhammer, hier kamen zwei mal 50 Meter und zwei mal 30 Meter zum Einsatz. Sunny wurde mit einem extra gepolsterten Hundegeschirr und Reepschnüren gesichert, dafür brauchte das Team einmal 30 und einmal 50 Meter Reep.
Außerdem waren etwa 25 Bandschlingen im Einsatz, sieben Tandem Speeds als mitlaufende Sicherungen (zwei für Nicolle, eine für den Nasenbär, zwei für Christian und zwei als Umlenkung für die Sicherungsstrecke), zwei selbstblockierende Sicherungsgeräte (Grigri) für die Sicherung vom Boden aus, 20 3-Wege-Karabiner für die Personensicherung (Under Cover) und sechs große Stahlkarabiner mit Automatikverschluss für die Befestigung der Stahlseile (Big Dan Arborist), ein Gurt für Christian (Soleus D) und ein Klettergurt (Radialis) sowie ein Klettersteigset mit Fangstoßdämpfer für Nicolle (Brenta de Luxe).
Schiedsrichter war Steffen Pfau, Baumpfleger, Kletterspezialist und einer von zwei Geschäftsführern des Hochseilgartens. In dieser Funktion war er auch für die Sicherung der Teilnehmer zuständig. Die Personensicherung von Christian Bindhammer war natürlich Routine, sowohl für Steffen als auch Christian ist das alltägliches Business, aber eine Sicherung für Sunny herzustellen, war dann doch eine kleine Herausforderung, der sich das Hochseilgarten-Team, bestehend aus Steffen Pfau, Michael Bauer, Angela Bosch und Michaela Erhart, voller Engagement widmete.
Der Wettkampf war in drei Disziplinen unterteilt. Die erste war das Netzklettern. Sunny kletterte in diesem Teil ohne Sicherung, Christian Bindhammer mit Klettergurt. Er war superschnell, hatte aber gegen Sunny keine Chance. Die Nasenbär-Dame fetzte das Taunetz hoch und zwar in der Diretissima. Mit ihrem geringen Gewicht setzte sie das Tauwerk kaum in Schwingung und brauchte daher auch wenig zusätzlichen Kraftaufwand. Blitzschnell war Sunny oben bei ihrer Trainerin angelangt und holte sich ihren Leckerbissen. Stand: 1:0 für Sunny!
Disziplin Nummer zwei erforderte auch für Sunny einen Gurt. Hier ging es darum, eine Seiltraverse zu bewältigen, 35 Meter lang, Starthöhe zwölf Meter, gut gesichert mit allen Vieren am Seil festhaltend und sich rückwärts übergreifend bis ans andere Ende zu hangeln. Für diese Disziplin wurden zwei Punkte vergeben, und zwar für Geschwindigkeit und Ausdauer. Steffen Pfau: „Die Schwierigkeiten sind hier für Mensch und Tier gleich verteilt. Für beide ist es ungewöhnlich, sich rückwärts und quasi kopfüber am Seil abwärts zu hangeln.“ Sunny hatte in dieser Disziplin Startprobleme und verlor gegen Christian. Stand: 2:1 für Christian.
Mit der dritten Aufgabe kam die Königsdisziplin: an einem acht Meter langen Seil senkrecht nach oben klettern. Das erforderte nun die „letzten“ Kraftreserven und deshalb waren hier auch drei Punkte zu vergeben. Dieser Wettkampf war wirklich spannend, denn über die erste Hälfte der Strecke lieferten sich die beiden Kletterer ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Erst im letzten Drittel wurden Sunnys große Vorteile im Langstreckenklettern deutlich. Sie gewann mit klarem Vorsprung. Stand: 4:2 für Sunny. Christian Bindhammer nahm’s mit Humor: „Da hat der Nasenbär halt die Nase vorn gehabt!“
| Information |
| Hochseilgarten Ammersee Der Hochseilgarten Ammersee hat die Form eines Piratenschiffes. Die Anlage ist durch den TÜV-Süd in München geprüft, besitzt die Zertifizierung des europäischen Verbandes der Hochseilgartenbetreiber ERCA und erfüllt die gültige EU-Norm für Hochseilgärten. Im „Piratenschiff“ kann jedermann hinauf bis dreizehn Meter zu den regulären Öffnungszeiten ohne Voranmeldung klettern. Innerhalb von „Team Yacht“, einem reinen Top-Rope-Sicherungsbereich, geht es um Spaß und die Zusammenarbeit innerhalb von Gruppen. Die drei Angebote Teamevent, Teamtraining und Teamentwicklung unterscheiden sich in Zielsetzung und Zeitdauer. Für diesen Bereich ist eine Buchung erforderlich. |
| Die Autorin: Britta Arnold (E-Mail) M.A. Germanistik München und Boston, Redakteurin, Übersetzerin, Lektorin, Unternehmenskommunikation |
Schreibe einen Kommentar
Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.