Sicherung lässlich oder unerlässlich? – Warnhinweise zum Doppelten Palstek

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Reicht es aus, wenn beim Doppelten Palstek nur eine Schleife eingehängt und auf eine Sicherung verzichtet wird? Dirk Lingens hat sich dieser Frage gestellt und Varianten des Doppelten Palsteks in verschiedenen Anwendungen getestet.

Der Doppelte Palstek gilt als sicherer Anseilknoten im Bergsport. Mit ihm wird das Seil am Gurt angeschlagen. Der Vorteil gegenüber der Achtschlaufe ist die leichtere Lösbarkeit. In meinem Buch Baumknoten sowie im Kletterblatt 2004 sage ich, dass der Doppelte Palstek nicht gesichert werden braucht und er es einem verzeiht, wenn nur eine Schlaufe eingehängt wird. Das kann ich so nicht mehr stehen lassen.

Mir wurde berichtet, dass sich im vergangenen Jahr beim Canyoning ein tödlicher Unfall im Zusammenhang mit dem Doppelten Palstek ereignet hat. Da ich keine genaueren Informationen bekommen konnte, versuchte ich herauszufinden, was passiert sein könnte.

Zuerst muss festgestellt werden, dass es zum Doppelten Palstek mehr Varianten gibt, als einem lieb ist:

I. Eine unüberschaubare Anzahl mit schlechter Sortierung. Keine wird hier untersucht.
II. Die Abbildungen A und B sind verschieden: Eine Möglichkeit sie zu binden ist es, den Doppelten Palstek mal vom Rechts- und mal vom Links-Palstek ausgehend zu stecken. Auch beim Legen in der Seilmitte können beide Möglichkeiten entstehen. Durch Umordnung lässt sich ebenso die eine Form in die andere überführen. Da beide Varianten in Bezug auf ihr Versagen ähnlich reagieren, unterscheide ich hier nicht zwischen diesen beiden Varianten.
III. Zu jeder Variante gibt es noch ein Spiegelbild.
IV. Bei Betrachtung der Belastungsrichtung ergeben sich weitere wichtige Unterschiede: Es ist nicht das Gleiche, ob die beiden Schlaufen des Doppelten Palsteks in eine Richtung belastet werden (wie beim Anseilen am Gurt) oder ob sie gespreizt werden (z.B. bei einer Ausgleichsverankerung). Da die Untersuchung des gespreizten Doppelten Palsteks genauso interessant wie umfangreich ist, konzentriere ich mich hier auf die parallele Belastung.

Variante A+B Doppelter PalstekFolgende Belastungen sind möglich:

a) 1 + 3
b) 1 + 4
c) 2 + 3
d) 2 + 4
e) 1, 3 + 4
f) 2, 3 + 4
g) 1, 2 + 3
h) 1, 2 + 4
i) 1, 2, 3 +4
j) 1 + 2 (gespreizt, Schlaufen unbelastet)
k) 3 + 4 (gespreizt, Enden unbelastet)

Wenn ich diese 11 Möglichkeiten auf die Abbildungen A und B projiziere, ergeben sich – ohne Spiegelbilder und ohne verschiedene Spreizungswinkel – 22 Varianten!

Schritt für Schritt:
a) Der Doppelte Palstek wird nur in der zuletzt gesteckten Schlaufe belastet. Bei Zugversuchen mit je elf Millimeter Statik- und Dynamikseil konnte ich bei über zwei bis drei kN kein Durchrutschen feststellen. Allerdings rutscht das lose Ende (2) raus, wenn nur an einem Strang der Schlaufe (3) gezogen wird (in den Abbildungen A und B jeweils die rechte Seite, die dem losen Ende am nächsten ist). Diese Situation stellt eine Ringbelastung dar und führt zum Versagen des Knotens wenn nur diese Schlaufe belastet wird. Zwei mögliche Szenarien sind denkbar:
• Bei einer Rettung nach oben wird der Verletzte in die zuletzt gesteckte Schlaufe des Doppelten Palsteks eingehängt. Es kommt zu einer Ringbelastung eines letztlich ungesicherten Einfachen Palsteks mit bekannten Folgen.
• Es wurde eine Ausgleichsverankerung mit dem Doppelten Palstek gebaut. Wenn sich jemand als Standplatzsicherung in die zuletzt gesteckte Palstekschlaufe hängt und diese belastet, kann es auch hier aufgrund der Ringbelastung zum Versagen des Knotens kommen.
b) Belastung auf 1+4 halte ich für sicher. Hier habe ich kein Durchrutschen feststellen können. Diese Situation könnte eintreten, wenn beim direkten Einbinden der Anseilschlaufe am Klettergurt zwar der erste Palstek korrekt gemacht wurde, beim Zurückschlaufen des Palsteks aber die Anseilschlaufe vergessen wurde und somit die 2. Schlaufe des Doppelten Palsteks „in der Luft hängt“. Beim Anschlagen am Gurt ist die Variante a) sehr unwahrscheinlich: man müsste den ersten Palstek „in der Luft“ machen und erst beim Zurückschlaufen mit dem zweiten Palstek die Anseilschlaufe erwischen.
c) Belastung auf 2 + 3 ist eine Variante von b), die durch Umordnen entsteht – das halte ich für sicher.
d) Bei Belastung auf 2 + 4 (eine Ordnungs-Variante von a)) verrutschen die Schlaufen gegeneinander, aber das lose Ende (1) rutscht nicht durch. Das ist auf keinen Fall schön, und vor allem kann es auch hier – wie bei a) zum Durchrutschen des losen Endes kommen, wenn nur an einem Strang der Schlaufe gezogen wird (in den Abbildungen der rechte Strang der Schlaufe). Das entspricht wieder der Ringbelastung.
e) und f) sind sicher.
g) und h) Hier kann es bei einer Ringbelastung zum Verrutschen der Schlaufen gegeneinander kommen.
i) ist sicher.
j) und k) wurden nicht untersucht.

Wird der Doppelte Palstek falsch gebunden und es entsteht eine Schlinge, ist diese sicher, wenn beide Stränge eingehängt werden. Falls nur ein Auge dieser Schlinge im Karabiner ist, kann es mit 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit zu einem Versagen kommen (das lose Ende rutscht durch).

Fazit:
1. Ein völliges Versagen halte ich für unwahrscheinlich, aber möglich.
2. Bei der Verwendung im Bergsport, bei der keine Rettung nach oben stattfindet, ist der Doppelte Palstek sicher.
3. In allen anderen Fällen muss eine Spierenstichsicherung den Knoten sichern.

Der Autor: Dirk Lingens
Selbständiger Baumpfleger, Ausbilder der Münchner Baumkletterschule, Autor des Buches Baumknoten
Weitere Informationen

 
Online blättern im Kletterblatt 2013: "Sicherung lässlich oder unerlässlich?" Nach oben
 

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