Weiterkommen durch Weiterbildung I

Bildungswege in der Baumpflege: Die Baumpflege hat sich vom Paradiesvogel zum gängigen Tätigkeitsfeld im Garten- und Landschaftsbau gemausert. Mit gestiegenen Anforderungen hat auch die Zahl der Bildungsangebote zugenommen. Um langfristig erfolgreich arbeiten zu können, sollten die Aus- und Fortbildungen auf einer breiten Basis geplant werden.

Das Berufsbild des Baumpflegers ist kein geschützter Beruf und somit nicht an eine feste Ausbildung gebunden. Dies erleichtert den Quereinsteigern den schnellen Weg in die Praxis, ohne lange Ausbildungszeiten, hat jedoch den Nachteil, dass es keine einheitlichen Qualitäts- und Sicherheitsstandards gibt. Aber jeder, der in der Baumpflege seine Kenntnisse und Fähigkeiten vertiefen will, hat inzwischen die Möglichkeit, aus vielen Bildungsangeboten auszuwählen und sich individuell seine Ausbildung zu gestalten.

Grundsätzlich können drei Kurstypen unterschieden werden:

1. Zugangstechniken und Arbeitsverfahren
2. baumpflegerisches Fachwissen
3. Zusatzinformationen rund um die Baumpflege

1. Zugangstechniken und Arbeitsverfahren:

Kursart Kursziel
SKT-A Vermittlung der Klettertechnik zur sicheren Positionierung im Baum
SKT-B Mit bestandener Prüfung dürfen die Teilnehmer mit der Motorsäge im Baum arbeiten
AS Baum Vermittlung der Motorsägenfachkenntnisse
AS Baum 2 Mit bestandener Prüfung dürfen die Teilnehmer in der Hebebühne mit der Motorsäge zu zweit und ohne Trenngitter arbeiten

Kursinhalte und Zulassungsvoraussetzungen dieser Kurse sind durch die Gartenbau-Berufsgenossenschaft in der VSG 4.2 geregelt. Nach Absolvieren der entsprechenden Kurse übernimmt die BG die Unfallversicherung für diese Arbeiten.

2. Qualifizierung zum Baumpfleger

Kursart Kursziel
„Zertifizierter
Baumkontrolleur“
Vermittlung der Grundlagen zur Baumdiagnose gemäß der FLL-Richtlinie zur Überprüfung der Verkehrssicherheit von Bäumen
European Tree
Worker (ETW)
Vermittlung der Grundlagen zur allgemeinen Baumpflege und zur Baumdiagnose; klassische Ausbildung zur Baumpflege-Fachkraft; diese Qualifikation ist europaweit anerkannt und entspricht in etwa dem Status des Gesellen
European Tree
Technician (ETT)
Vermittlung der Grundlagen von Betriebswirtschaft und Recht, Vertiefung der Inhalte aus dem ETW-Lehrgang; aufbauend auf den ETW-Lehrgang; Zielgruppe: Verantwortungsträger wie Vorarbeiter, Bauleiter, Unternehmer; wie der ETW europaweit anerkannt
Fachagrarwirt
Baumpflege/
Baumsanierung
Vermittlung der Grundlagen zur allgemeinen Baumpflege, Baumdiagnose, sowie von Betriebswirtschaft und Recht; ist als Fortbildung im Berufsbildungsgesetz der Bundesrepublik Deutschland verankert und entspricht dem Status des „Meisters“; parallel zur FAW-Prüfung kann die Qualifizierung zum ETT erworben werden
Arborist (Bachelor) Vermittlung der Baumpflege und Baumdiagnose, Betriebswirtschaft, Recht, Städteplanung und -verwaltung; Zielgruppe: Verantwortungsträger in Planung, Verwaltung und Unternehmen

Die Inhalte dieser fachlichen Ausbildungen werden durch die Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V. (FLL), durch den European Arboricultural Council und das Berufsbildungsgesetz der BRD vorgegeben.

3. Zusatzinformationen rund um die Baumpflege

Kursart Kursziel
Aufstiegstechniken
Rettung, Riggingkurs
Vermittlung und Vertiefung fortführender Techniken aus den SKT-A und SKT-B-Kursen
Baumbeurteilung,
Baumschnitt,
Kronensicherung
Kurse für Neueinsteiger in die Baumpflege und diejenigen, die Einzelaspekte auffrischen und vertiefen wollen
Sachkundelehrgang Fortbildung zum Sachkundigen zur Überprüfung von persönlicher Schutzausrüstung gegen Absturz
Spleißkurs Herstellen von Seilspleißen
Obstbaumschnittkurs Schnittkurs mit Schwerpunkt Obstbäume mit Ausrichtung auf Privatkunden
Rechtliches Überblick über die geltenden Rechtsgrundlagen für Unternehmer

 

Ich empfehle folgende bewährte Fortbildungsvarianten:

Neueinstieg in die Baumpflegepraxis

• SKT-A Kurs
• Kurse mit Schwerpunkten der Baumbeurteilung, -schnitt und Kronensicherung
• AS Baum 1
• SKT-B Kurs oder alternativ AS Baum II für Nichtkletterer
• Intensive Baumpflegeausbildung als ETW oder FAW/ETT

Quereinstieg in die Baumpflege für Förster oder Landschaftsgärtner:

• SKT-A
• Intensive Baumpflegeausbildung als ETW oder FAW/ETT
• SKT-B

alternativ:

• Ausbildung zum FAW mit integriertem SKT-A Kurs
• SKT-B

Auch danach sollten weiterführende Kurse obligatorisch sein. Fachkenntnisse über Baumpflege und Zugangstechniken bedingen sich gegenseitig und gehören zu einer fundierten Ausbildung. Fehlt das Baumwissen, nützt gutes Klettern wenig; fehlen die Kletterkenntnisse, bleibt das Arbeitsverfahren im Baum recht uneffektiv. Nicht nur bei der Beurteilung der Stand- und Bruchsicherheit. Gute Baumpflege heißt fachlich fundierte Pflege und effizientes Arbeiten.

Die Autorin: Tanja Sachs
Sachverständige für Baumpflege, Referentin des European Tree Worker und Fachagrarwirt Baumpflege

 

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Weiterkommen durch Weiterbildung II von Matthias Goede (Kletterblatt 2008)

 
Online blättern im Kletterblatt 2008: "Weiterkommen durch Weiterbildung I" Nach oben
 

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