Viele Wege zur Qualifikation – Baumpflegeausbildung

Tree Worker, Tree Technician, Fachagrarwirt, der Studiengang Arboristik oder ein Seiteneinstieg: Viele Ausbildungswege führen zur Baumpflege. Den einen klassischen Weg wie in anderen Berufen gibt es – noch – nicht. Das muss nicht von Nachteil sein, es fördert vielleicht sogar Eigenverantwortung und Eigeninitiative, wie nachfolgende Beispiele zeigen.

Stephan Geistdörfer, Diplom-Ingenieur der Forstwirtschaft, ist Inhaber einer Baumpflegefirma im schwäbischen Altbach. Schwierige Fällungen sind sein Spezialgebiet. Er beschäftigt vier Mitarbeiter und seit September 2005 auch einen Auszubildenden für den Beruf des Forstwirts. Aber das ist noch nicht das Besondere. Stephan Geistdörfer hat erfahren müssen wie schwierig es ist, schnell Mitarbeiter zu finden, die auch für die Baumpflege gut gerüstet sind. In der Regel bereiten die klassischen Ausbildungs- und Studiengänge den späteren Baumpfleger nicht auf die Alltagsarbeit vor. Was fehlt, sind die theoretischen Kenntnisse, die Fähigkeit locker und versiert mit der Motorsäge im Baum zu arbeiten, sowie Grundkenntnisse der Seilklettertechnik. Und hier greift das Konzept von Stephan Geistdörfer: er bildet einen Forstwirt mit Schwerpunkt Baumpflege aus. Neben den klassischen Ausbildungsinhalten des Forstwirts erhält der Lehrling eine fundierte Ausbildung im Bereich Baumpflege. Dazu gehören selbstverständlich die Teilnahme an den A- und B-Kursen Seilklettertechnik, die Arbeit im Baum, und natürlich fundierte Motorsägenkenntnisse. Während seiner Ausbildung kann der Lehrling im Forst der Stadt Esslingen in verschiedenen Rotten mitarbeiten. Nach drei Jahren hat er einen staatlich anerkannten Abschluss als Forstwirt und zusätzlich eine qualifizierte Ausbildung für den Bereich Baumpflege.

Die Baumpflegefirma „Baumhörnchen Express – Garten- und Landschaftsarchitektur“ von Uwe Karl hat ihren Sitz in Hürth-Kendenich in Nordrhein-Westfalen. In Absprache mit der Berufsgenossenschaft bildet sie seit September 2005 einen Auszubildenden gezielt zum Baumpfleger aus, mit der Fachrichtung Baumpflege, Baumsanierung: die komplette Ausbildung rund um die Baumpflege. Die Ausbildung dauert drei Jahre und beinhaltet auch die Teilnahme an einem SKT-A-Kurs, einen Baumgutachten-Lehrgang, den Motorsägen-Lehrgang und endet mit der Abschlussprüfung zum European Treeworker.

Seit dem Sommersemester 2004 haben die Studenten des „grünen Bildungszentrums“ Weihenstephan die Möglichkeit, sich in der professionellen Baumpflege und den Aspekten der Baumsicherheit fortzubilden. Ausgehend von dem Fachbereich Wald und Forstwirtschaft wurde Dipl. Ing. (FH) Udo Kaller der Lehrauftrag für zwei einschlägige Wahlfächer erteilt. Das Wahlfach im Sommersemester beschäftigt sich hauptsächlich mit den theoretischen Grundlagen der Baumbeurteilung. Ergänzend zu den Vorlesungen finden in zwei- bis dreiwöchigem Turnus Übungen statt, um insbesondere die Sichtbeurteilung von Bäumen sowie die katastermäßige Erfassung zu schulen. Schwerpunkt im Wintersemester ist die praktische Baumpflege. Es werden grundlegende Dinge, wie fachgerechte Schnittführung, aber auch fachspezifische Dinge, wie Bewässerungs- und Belüftungssysteme, ausgiebig behandelt. Die ergänzenden Übungen dienen überwiegend zur praktischen Vermittlung des Erlernten mit Hilfe der Hebebühne, der Seilklettertechnik oder vom Boden aus. Am Ende des jeweiligen Semesters erhält der Student nach bestandener Prüfung ein entsprechendes Zertifikat. Ein Praxistag in der Münchner Baumkletterschule gab Einblicke in den Berufsalltag: Materialkunde und Baumklettern unter professioneller Anleitung der Ausbilder.

Weitere Informationen

Online blättern im Kletterblatt 2006: "Viele Wege zur Qualifikation" Nach oben
 

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