ART-Romantik

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Zehn Jahre Klemmgeräte in der SKT: Die Klemmgeräte LockJack und Spiderjack haben die heile Welt der Klemmknoten gehörig durcheinander gewirbelt. Ihr Erfinder, Hubert Kowalewski, entwickelt seit 15 und vertreibt seit zehn Jahren Spezialausrüstung für die Baumpflege. Mit seinen Geräten hat er erheblich zur Popularisierung der SKT beigetragen. Zeit für einen Rückblick und eine Bilanz vom Erfinder des LockJacks.

Kinder, wie die Zeit vergeht! Dieser launige Satz kommt mir in diesen Tagen nicht von ungefähr häufiger in den Sinn. Gibt es doch für mich allen Grund dazu.

Während der Augsburger Baumpflegetage anno 1998, vor zehn Jahren also, wurden erstmals Geräte mit dem Namen LockJack unter dem legendären Banner der Firma  „High Tree Tech“ offiziell vorgestellt und verkauft. Es war das erste und einzige multifunktionale Auf- und Abseilgerät für das „laufende Doppelseil“. Mit diesem Gerät mischte ich plötzlich mit, im Wettstreit um die Beherrschung des „laufenden Doppelseils“, einem der ganz zentralen und sehr komplexen Kernstücke der Seilklettertechnik (SKT). Im Faltprospekt von High Tree Tech hieß es: „LockJack, ein innovatives Gerät, das die Seilklettertechnik revolutionieren wird“. Starke Worte also für meinen Einstieg.

Es war die Zeit der Pioniere, die sich bereits einen Namen gemacht hatten, ob als fachgerecht arbeitende Baumpfleger, als Sicherheitsbeauftragte, national oder international bekannte Wettkampf-Baumkletterer oder Entwickler. Von einer offiziellen Anerkennung dieser Arbeitstechnik oder gar europaweit geltenden Standards und Ausbildungsrichtlinien waren wir allerdings noch meilenweit entfernt. Die Amerikaner gaben den Stand der Technik vor, auch wenn bereits damals leistungsstarke Baumpfleger aus Europa und besonders aus Deutschland selbst bei Weltmeisterschaften ganz weit vorne lagen. Es herrschte Aufbruchstimmung, das Gefühl, viel gestalten und entdecken zu können und wegen der noch nicht vorhandenen Reglementierung auch ein Flair von Freiheit und Abenteuer.

ART-Romantik: PositionerAuch ich selbst hatte dieses Flair seit 1991 genossen, als ich begann, Baumpflege mit Seilklettertechnik zu betreiben. Eigenverantwortlich arbeiten, mit teils selbst gebauter und stetig modifizierter Ausrüstung klettern, dabei die baumpflegerische Aufgabe gut meistern und permanent auf der Suche nach effizienten Techniken: Es war eine sehr intensive und aufregende Zeit für mich und andere im Mikrokosmos des Baumkletterns. Dabei war ich von Anfang an bestrebt, die eigenen Bewegungsabläufe dynamischer und weniger anstrengend zu machen und das alles mit einer Mischung aus Begeisterung, Initiative, Risikobereitschaft, Einfallsreichtum und Selbstvertrauen.

In Augsburg 1998 war ich mit dieser Vorgeschichte nicht allein, da gab es durchaus weitere Exemplare meiner Gattung. Ich gehörte also dazu, zum Kreis der Pioniere. Gleichzeitig hatte ich aber bereits hier eine Sonderstellung, denn es gab niemanden sonst, der sich wie ich auf den Weg gemacht hatte, mit allen Konsequenzen Hersteller von PSA zu sein. Die damit verbundenen Reglementierungen waren nach meinen eigenen Erfahrungen von Freiheit ein, sagen wir, notwendiges Übel; die geltenden gesetzlichen Bestimmungen lange Zeit ein Handicap. Gerne hätte ich ein individuell einstellbares Gerät auf den Markt gebracht, ganz so, wie es möglich ist, einen Machard oder Valdotain individuell „einzustellen“. Die Normen erlauben dies aber leider nicht. In der Rolle des Herstellers gab und gibt es zur Zertifizierung auch für mich keine Alternative.

ART-Romantik: CocoonBedeutend und maßgebend für alle war, dass die Berufsgenossenschaft im Jahre 2001 in Abstimmung mit den damals kompetenten Praktikern die Seilklettertechnik als definierte Arbeitstechnik für die Baumpflege anerkannt hat. Die Baumkletterer hatten endlich ihre Anerkennung gefunden. Dass mit dieser Anerkennung aber gleichzeitig die Zeit des freien Gestaltens von Ausrüstung und Techniken in der professionellen Baumpflege zu Ende gehen würde, wollten in dieser Zeit einige noch nicht wahrhaben. Besonders diejenigen, die sich mit großem Geschick, Eigenverantwortung und Hingabe im Baumklettern ein hohes Maß an Effizienz und Sicherheit erarbeitet hatten, wollten sich von niemandem reglementieren lassen. Diese Einstellung war auch völlig nachvollziehbar, gab es doch auf Seiten der Berufsgenossenschaft zu dieser Zeit kaum jemanden, der das Baumklettern in seiner Komplexität hätte verstehen oder gar kontrollieren können. Woher sollten diese Fachleute auch plötzlich gekommen sein? Durch die Schaffung von einheitlichen Richtlinien für Arbeitsverfahren, Ausbildung, Kletterschulen und Ausbilder expandierte hierzulande die SKT. Durch die notwendig gewordene Normierung verlor sie zwar mehr und mehr den Hauch von Exotik, gleichzeitig setzte aber die Seilklettertechnik zu einem rasanten Siegeszug in der professionellen Baumpflege an.

ART-Romantik: SpiderJackIn dem Maße, wie die Einhaltung von sicherheitstechnischen Vorschriften gefordert wurde, wuchs das Angebot an kompetenter Ausbildung und Spezialausrüstung, was, wie ich meine, für die überwiegende Zahl von Baumpflegern zu mehr Sicherheit, Effizienz und Körperschonung geführt hat. Hierzu nur ein Beispiel. Man stelle sich vor, dass es für den Aufstieg in die Baumkrone lediglich die Footlock-Technik gäbe, ganz ohne metallische Geräte. In der Praxis würde dies zu einem massiven Schwund an Baumkletterern führen, da diese Technik ein hohes Maß an Können und Fitness verlangt. Selbst Spitzenkletterer, die diese Technik perfekt beherrschen, setzen mehr und mehr auf den energiesparenden Aufstieg mit diversen, zertifizierten Geräten. Die Tatsache, dass das Footlocking oder Klemmknoten-Klettern eines ambitionierten Elite-Kletterers nicht nur anmutig, sondern auch sehr schnell ist, bedeutet eben nicht, dass diese Technik per se optimal ist, sondern es zeigt vielmehr, welch geniale Kletterer es in den Reihen der Baumpfleger gibt.

ART-Romantik: RopeGuideGeräte und professionell gefertigte Komponenten haben ab einem bestimmten technischen Niveau das größere Potential, die Funktionsvielfalt, Effizienz, Sicherheit und Körperschonung zu vereinen. Diese Geräte müssen allerdings zertifiziert sein. Seit einigen Jahren weiß ich, dass gerade diese unangenehme Hürde der Zertifizierung und aller damit verbundenen Konsequenzen dazu führt, dass gute, sinnvolle und wohl durchdachte Produkte erscheinen. Produkte, die konkurrenzfähig sein müssen, der gesamten Wertschöpfungskette gerecht werden und dem Anwender spürbar und dauerhaft ein besseres und leichteres Arbeiten am Seil ermöglichen.

Nach zehn Jahren ziehe ich, was meine Arbeit, die stetig wachsende Zustimmung zu ART-Geräten und die Entwicklung in der SKT angeht, eine insgesamt positive Bilanz, freue mich darüber, dass mir die neuen Ideen bislang nicht ausgegangen sind und wünsche allen Baumkletterern weiterhin ein sicheres und angenehmes Arbeiten am Seil.

Auflistung meiner Schutzrechte
Lockjack T1 und T2:
Markteinführung 1998, Patent
Lockjack Sport und Twin:
Markteinführung 2001, Patent
RopeGuide:
Markteinführung 2003, Patent
Positioner:
Markteinführung 2003, mit LockJack-Funktionsprinzip
DoubleSnapper:
Markteinführung 2005, Patent
RopeGuide 06/07:
Markteinführung 2006, Patent
Bandfalldämpfer:
Markteinführung 2006, Gebrauchsmuster
Cocoon:
Markteinführung 2007, Gebrauchsmuster
SpiderJack:
Markteinführung 2007, Patent

 

Der Autor: Hubert Kowalewski (E-Mail)
Rettungsassistent und Baumpfleger, Entwickler des bisher einzigen mechanischen Klemmgeräts für die Baumklettertechnik, Inhaber der Entwicklungsschmiede ART

 
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