Wer denkt schon daran? Oder sollte am falschen Ort gespart werden? Nach zehn Jahren verlangt eine Glaskuppel nach einer Reinigung. Wenn das beim Bau berücksichtigt worden wäre, hätten schon entsprechende Vorrichtungen mit eingebaut werden können. So wurde es ein schweißtreibender Einsatz für Höhenarbeiter. Ein Bericht von Josef Heidenberger.
Als mich der zuständige Projektmanager einer großen Möbelhandelsgesellschaft anrief und mir die Frage stellte, ob ich in der Lage sei, ein Glaskuppeldach zu reinigen, war meine spontane Antwort: Ja, überhaupt kein Problem. Denn wo sollte da ein Problem sein? Hatte ich doch zusätzlich die Information, dass dort wegen umfassender Renovierungsmaßnahmen eine Baustelle sei und, so schlussfolgerte ich, deshalb keine Publikumsverkehr unter der Kuppel sei.
Der Projektmanager war nicht ganz überzeugt, ob dies wirklich so einfach sei. Er hakte nach, doch für mich gab es nur die Devise: Geht nicht, gibt’s nicht!
Ich vereinbarte mit ihm einen Besichtigungstermin und bat ihn, mir vorab die Baupläne und ein paar gute Bilder zu schicken. Als ich dann Pläne und Bilder vor dem Termin intensiv analysierte, lief mir doch eine Gänsehaut über den Rücken und ich verbrachte eine schlaflose, weil überlegungsreiche Nacht. Denn auf den Bildern waren nur Vierkantrohre zu sehen, keine Haken oder Profilleisten. Es gab also nirgendwo die Möglichkeit, ein Seil anzuschlagen!
Beim Termin im Möbelhaus benötigte ich allein für die Sichtung des Glasdaches eine gute halbe Stunde. Dann wurde mir auch noch mitgeteilt, dass während der Arbeiten das Möbelhaus geöffnet und somit das Treppenhaus in Betrieb sei. Wir sollten deshalb nur nachts und sonntags die Arbeiten durchführen, und ein Gerüst aufzustellen, das käme schon gar nicht in Frage. Die einzige Lösung, die mir dazu einfiel, war die, an die Stahlkonstruktion Ringösen anzusetzen. Für diese Lösung benötigte ich allerdings die Freigabe eines Statikers. Wenn das nicht ginge, wäre ich, zwar zähneknirschend, aber definitiv aus dem Rennen. Doch diese Idee gefiel meinem Auftraggeber außerordentlich gut. Am Rande sei bemerkt, dass ich anscheinend der einzige Anbieter war, der willens war, sonntags und nachts zu arbeiten und außerdem auf ein Gerüst verzichten konnte. Letzteres hatte von mir schon viele Überlegungen gefordert und sollte mich noch viel Schweiß kosten.
Wir bekamen den Auftrag und vom Statiker erhielt ich einen Plan, in den ich die Ringösen einzeichnen konnte, 52 Stück! An jedem Träger im äußeren Ring und an jedem zweiten Träger in der Mitte der Glaskuppel und vereinzelt dazwischen, um sich beim Bohren besser positionieren zu können. Nach zwei Wochen kam das O. K. vom Statiker.
Bewaffnet mit zwei leistungsstarken Akkuschraubern, vielen Bohrern und Gewindeschneidern, sowie den Ringösen M12 ging es dann in die Glaskuppel. Den Zugang zum äußeren Ring bekamen wir mit einer Leiter über den Aufzugsschacht. Von dort aus konnten wir, mit PSAgA gesichert, die ersten Ringösen setzen. Weitere Ösen setzten wir einmal bis hoch zur Mitte der Glaskuppel im Abstand von ca. 60 Zentimeter und einmal im äußeren Ring um die Glaskuppel herum. Das alles gelang mit der Punkt-zu-Punkt-Fortbewegung (Traversieren). Bei dieser Technik bewegt sich der Industriekletterer mit zwei Systemen von Anschlagpunkt zu Anschlagpunkt. Die Systeme werden abwechselnd be- und entlastet. Beim Umhängen wird mit einem zusätzlichen Verbindungsmittel die Redundanz sichergestellt. In der Mitte der Glaskuppel wurden mehrere Ringösen nebeneinander gesetzt, um später mit den äußeren Ösen ein horizontales Sicherungsseil zu installieren (ein Seilgeländer, das zwischen zwei Anschlagpunkten gespannt wird und nicht planmäßig belastet wird). Das Setzen der Ringösen dauerte einen ganzen Sonntag und zwei weitere Nächte!
Ein echtes Problem war die heiße, stehende Luft in der Glaskuppel, bestimmt gefühlte 60 Grad. Nach eineinhalb Stunden Arbeit war immer eine 30-minütige Pause fällig. Auch die Reinigung der Glaskuppel forderte neue Lösungen in der Höhenarbeit: Um sich beim Reinigen in der Glaskuppel besser positionieren zu können, habe ich eine Art Trägerklemme gebaut. Das Vierkantrohr hatte das Maß 100 Millimeter mal 250 Millimeter. Auf dem Vierkantrohr war ein Aluprofil installiert, auf dem wiederum die Glasplatten befestigt waren. Das Aluprofil hatte aber nur eine Breite von 50 Millimeter, somit konnte man das Vierkantrohr umgreifen. Die Trägerklemme wurde mit zwei M12 Gewindestangen an das Vierkantrohr fest geklemmt und war während der Arbeit/Positionierung nicht beweglich. Leider ist sie etwas schwer geworden, erfüllte ihren Zweck jedoch zu meiner vollen Zufriedenheit.
Beim Setzten der Ringösen wurden gleich zwei Seilstrecken in der Mitte der Glaskuppel installiert (pro Seilstrecke ein Sicherungsseil und ein Tragseil), an dem wir von unten in die Glaskuppel einsteigen konnten. Der Industriekletterer blieb ständig mit seiner Seilstrecke verbunden und war somit redundant gesichert (doppelt gesichert an zwei voneinander unabhängigen Anschlagpunkten). Zusätzlich gab es noch ein Verbindungsmittel zum horizontalen Sicherungsseil, um einen Pendelsturz auszuschließen. Von oben nach unten konnten wir uns dann unter der Glaskuppel mit den selbstgebauten Trägerklemmen positionieren, um die Glasflächen zu reinigen. Das verstellbare Verbindungsmittel zur Klemme sowie zum horizontalen Sicherungsseil wählten wir mit einer Länge von 5 Meter, um im Rettungsfall die hilflose Person in die Mitte zu bringen zu können. Dies hätte eine Rettung nach unten sehr erleichtert.
Ein Problem war das Abtropfwasser. Da die Glaskuppel zehn Jahre nicht gereinigt worden war, war das Abtropfwasser schwarz und fettig. Deshalb besorgten wir uns „Abziehlippen mit Sauger“, die das Abtropfwasser aufsaugten, das dann nicht mehr ins Treppenhaus tropfen konnte. Nach zweimaliger Reinigung waren die Glasscheiben sauber. Insgesamt dauerte die eigentliche Reinigungsaktion vier Nächte. Vier schweißtreibende Nächte. Immerhin durften wir die Getränke zum Einkaufspreis entnehmen und konsumierten dennoch eine stolze Summe von 150 Euro, um unseren Wasserhaushalt stabil zu halten. Der Rückbau der horizontalen Sicherungsseile sowie der Seilstrecken erfolgte ebenfalls mit der Punkt-zu-Punkt-Fortbewegung.
Wir hatten unseren Job gehabt, der eine Herausforderung gewesen war, uns aber Spaß gemacht hatte. Doch alles hätte einfacher sein können, wenn bei der Konstruktion der Kuppel nicht auf eine Gondel verzichtet worden wäre. In dieser hätte man mit PSAgA gesichert, alle Flächen der Glaskuppel erreichen können.
| SKT – SZT | Auch für Baumpfleger ist die Seilzugangs- und Positionierungstechnik sinnvoll, da wir in Sachen Wildwuchsentfernung mit der Doppelseiltechnik immer wieder an unsere Grenzen stoßen. Vor allem dann, wenn die Seile um Kanten laufen. Bei Schneidearbeiten redundant gesichert sein, ist auch so eine Sache. |
| Der Autor: Josef Heidenberger (E-Mail) Aufsichtsführender Höhenarbeiter (FISAT Level 3), European TreeTechnican, Ausbilder SZP (FISAT), Sachkundiger für PSA, weitere Informationen |

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