{"id":6217,"date":"2015-04-08T00:50:41","date_gmt":"2015-04-07T22:50:41","guid":{"rendered":"https:\/\/baumkletterschule.de\/kletterblatt\/?p=6217"},"modified":"2015-05-28T13:02:18","modified_gmt":"2015-05-28T11:02:18","slug":"seilklettertechnik-in-der-feuchten-hoehe-des-regenwaldes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/baumkletterschule.de\/kletterblatt\/archiv\/2015\/seilklettertechnik-in-der-feuchten-hoehe-des-regenwaldes","title":{"rendered":"Seilklettertechnik: <br \/>In der feuchten H\u00f6he des Regenwaldes"},"content":{"rendered":"<p><a name=\"up\"><\/a><strong>Bei der Suche nach Spinnen und deren Beobachtung kann die Beherrschung der Seilklettertechnik von Vorteil sein. Insbesondere, wenn es sich bei den Spinnen um nachtaktive Jagdspinnen handelt, die in den Baumkronen des tropischen Regenwaldes leben. Das stellt aber besonders hohe Anforderungen an Kletterer und Material. Ein Bericht von Witold Lapinski.<\/strong><br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p lang=\"de-DE\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/baumkletterschule.de\/kletterblatt\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/KB15_10_Regenwald-Costa-Rica-02-300x199.jpg\" alt=\"KB15-10: Regenwald Costa Rica, Abbildung 2\" width=\"300\" height=\"199\" class=\"alignright size-medium wp-image-6225\" srcset=\"https:\/\/baumkletterschule.de\/kletterblatt\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/KB15_10_Regenwald-Costa-Rica-02-300x199.jpg 300w, https:\/\/baumkletterschule.de\/kletterblatt\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/KB15_10_Regenwald-Costa-Rica-02-83x55.jpg 83w, https:\/\/baumkletterschule.de\/kletterblatt\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/KB15_10_Regenwald-Costa-Rica-02.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>\u201eLeben im Dach des Dschungels\u201c so hei\u00dft das Buch des Biologen Donald Perry, das in mir den Traum von Forschung in den Baumkronen weckte. Perry spannte ein horizontales Netzwerk aus Seilen zwischen besonders hohen Almendrob\u00e4umen; in einem davon baute er sogar eine Plattform, in der er n\u00e4chtigte. Schon seit meiner Jugend besch\u00e4ftige ich mich mit Spinnentieren, jedoch faszinieren mich Regenw\u00e4lder im Allgemeinen. Die Baumkronen immer im Hinterkopf, absolvierte ich ein Austauschstudium an der Universit\u00e4t von Costa Rica und der Regenwald des Bioreservates Tirimbina in der Sarapiqu\u00ed Region im karibischen Tiefland zog mich in seinen Bann. Von der Hauptstadt San Jos\u00e9 aus f\u00e4hrt man durch den wundersch\u00f6nen Bergregenwald des Braulio Carrillo Nationalparkes (Abb. 2). Tirimbina sollte mein Hauptuntersuchungsgebiet werden.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Tropische Regenw\u00e4lder beherbergen extrem viele Arten von Lebewesen, welche um die begrenzt verf\u00fcgbaren Ressourcen konkurrieren. Eine der Fragen, die sich Biologen stellen, ist: Wie schaffen es auf den ersten Blick \u00e4hnliche Tierarten, die also auch \u00e4hnliche Ressourcen nutzen, miteinander denselben Lebensraum zu bewohnen?<\/p>\n<p lang=\"de-DE\"><strong>Konkurrenz um begrenzte Ressourcen<\/strong><\/p>\n<p lang=\"de-DE\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/baumkletterschule.de\/kletterblatt\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/KB15_10_Regenwald-Costa-Rica-01-200x300.jpg\" alt=\"KB15-10: Regenwald Costa Rica, Abbildung 1\" width=\"200\" height=\"300\" class=\"alignleft size-medium wp-image-6228\" srcset=\"https:\/\/baumkletterschule.de\/kletterblatt\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/KB15_10_Regenwald-Costa-Rica-01-200x300.jpg 200w, https:\/\/baumkletterschule.de\/kletterblatt\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/KB15_10_Regenwald-Costa-Rica-01-37x55.jpg 37w, https:\/\/baumkletterschule.de\/kletterblatt\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/KB15_10_Regenwald-Costa-Rica-01.jpg 266w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/>Um der Antwort auf diese Frage n\u00e4her zu kommen, beschloss ich, die \u00d6kologie gro\u00dfer nachtaktiver Jagdspinnen als Beispielorganismen zu untersuchen. Im Gegensatz zu Netzspinnen bauen sie keine Netze, um ihre Beute zu jagen, man kann ihren Jagdstil eher mit dem einer Katze vergleichen. In Tirimbina teilen sich die gro\u00dfen Jagdspinnen-Arten ihren Lebensraum ziemlich deutlich auf. Zwei der acht Arten leben in Gew\u00e4ssern\u00e4he (semi-aquatisch) und drei sind Bewohner des Waldbodens, die nur wenig klettern. Besonders interessant waren f\u00fcr mich jedoch drei pflanzenbewohnende Arten. Zwei davon kamen auf Waldlichtungen mit sehr hohem Gras und Helikonien vor, die dritte mit dem wissenschaftlichen Namen <em>Cupiennius coccineus<\/em> (Abb. 4) jedoch war nur auf Waldvegetation zu finden. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/baumkletterschule.de\/kletterblatt\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/KB15_10_Regenwald-Costa-Rica-04-200x300.jpg\" alt=\"KB15-10: Regenwald Costa Rica, Abbildung 4\" width=\"200\" height=\"300\" class=\"alignright size-medium wp-image-6229\" srcset=\"https:\/\/baumkletterschule.de\/kletterblatt\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/KB15_10_Regenwald-Costa-Rica-04-200x300.jpg 200w, https:\/\/baumkletterschule.de\/kletterblatt\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/KB15_10_Regenwald-Costa-Rica-04-37x55.jpg 37w, https:\/\/baumkletterschule.de\/kletterblatt\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/KB15_10_Regenwald-Costa-Rica-04.jpg 266w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/>Ich nutzte die beiden H\u00e4ngebr\u00fccken, die zwischen Baumkronen verlaufen (Abb. 1), um erste Daten \u00fcber die Vertikalverteilung dieser Spinnen zu gewinnen. Ungl\u00fccklicherweise hat man von solchen Br\u00fccken aus sehr eingeschr\u00e4nkte Beobachtungsm\u00f6glichkeiten. Wenigstens konnte ich so herausfinden, dass diese Spinnenart in H\u00f6hen von bis zu elf Meter vordringt. Ich vermutete, sogar noch h\u00f6her. Doch wie \u00fcberpr\u00fcfen, wie beweisen? Und, wenn in Bodenn\u00e4he mehrere verschiedene Arten vorkommen, wie sieht das in den Baumkronen aus? Welche Parameter beeinflussen die Vertikalverteilung dieser Tiere? Diese und viele andere Fragen spukten mir im Kopf herum und ich entwarf das Thema meiner Dissertation. Dazu wollte ich diesmal auf die Regenwaldb\u00e4ume klettern. So absolvierte ich im November 2009 den <a title=\"SKT-A-KURS M\u00fcnchner Baumkletterschule\" href=\"http:\/\/www.baumkletterschule.de\/cms\/front_content.php?idart=53\" target=\"_blank\">SKT A-Kurs<\/a> der M\u00fcnchner Baumkletterschule und im M\u00e4rz 2010 sollte es f\u00fcr zwei Jahre nach Tirimbina gehen.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\"><strong>Klettermaterial f\u00fcr den Regenwald<\/strong><\/p>\n<p lang=\"de-DE\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/baumkletterschule.de\/kletterblatt\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/KB15_10_Regenwald-Costa-Rica-06-300x200.jpg\" alt=\"KB15-10: Regenwald Costa Rica, Abbildung 6\" width=\"300\" height=\"200\" class=\"alignleft size-medium wp-image-6233\" srcset=\"https:\/\/baumkletterschule.de\/kletterblatt\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/KB15_10_Regenwald-Costa-Rica-06-300x200.jpg 300w, https:\/\/baumkletterschule.de\/kletterblatt\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/KB15_10_Regenwald-Costa-Rica-06-83x55.jpg 83w, https:\/\/baumkletterschule.de\/kletterblatt\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/KB15_10_Regenwald-Costa-Rica-06.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Perry und viele andere Biologen verwendeten f\u00fcr den Aufstieg auf die hohen Regenwaldb\u00e4ume nicht das m\u00fchsame umlaufende Seilsystem. Also kaufte ich neben Klemmknotenseilen, <a href=\"http:\/\/shop.freeworker.de\/catalogsearch\/result\/index\/?cat=4&#038;q=SpiderJack&#038;ssub=Search\" target=\"_blank\" title=\"ART SpiderJack bei Freeworker\">SpiderJack<\/a> und Kletterseil f\u00fcr das umlaufende System auch <a href=\"http:\/\/shop.freeworker.de\/seile\/aufstiegseile.html\" target=\"_blank\" title=\"Aufstiegsseile bei Freeworker\">semistatische Aufstiegsseile<\/a> (60 und 80 Meter) sowie <a href=\"http:\/\/shop.freeworker.de\/seilgerate\/handsteigklemmen.html\" target=\"_blank\" title=\"Handsteigklemmen bei Freeworker\">Handsteigklemmen<\/a> und f\u00fcr das Abseilen den <a href=\"http:\/\/shop.freeworker.de\/catalogsearch\/result\/index\/?cat=104&#038;q=Petzl+I%27D\" target=\"_blank\" title=\"Petzl I\u2019D bei Freeworker\">Petzl I\u2019D<\/a> und einen <a href=\"http:\/\/shop.freeworker.de\/seilgerate\/abseilachter.html\" target=\"_blank\" title=\"Abseilachter bei Freeworker\">Abseilachter<\/a>. Statt der Big Shot benutzte ich einen Compoundbogen (Abb. 6) mit 55 Pfund Zuggewicht. Da der Bogen aus meinem Rucksack ragte, wurde ich am Flughafen angewiesen, das Gep\u00e4ckst\u00fcck als Sperrgep\u00e4ck aufzugeben. An der Annahmestelle fragte mich der verantwortliche Angestellte, was das sei. Ich antwortete, es sei ein Bogen. Darauf der Angestellte: \u201eAlso, sowas wie eine Armbrust?\u201c \u201eNein, sowas wie ein Bogen \u2013 wie bei den Indianern, nur etwas st\u00e4rker.\u201c Da heutzutage jeder ein potenzieller Terrorist ist, witterte er wohl Gefahr und forderte Unterst\u00fctzung von seiner Vorgesetzten an, die das Terrorproblem schnell aufl\u00f6ste: Der Bogen gilt als Sportger\u00e4t.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">In Tirimbina angelangt, nutzte ich die Anfangszeit, um auf kleinen B\u00e4umen meine Klettertechnik einzu\u00fcben und mich mit den Gegebenheiten auf den Regenwaldb\u00e4umen vertraut zu machen. Fr\u00fch durfte ich herausfinden, dass der Stich der \u00fcber zwei Zentimeter langen 24-Stunden-Ameise doch nicht so weh tut, wie der englische Name \u201ebullet ant\u201c suggeriert. Angeblich soll der Stich bis zu einem Tag lang schmerzen (daher der deutsche Name), oft soll die Stelle auch stark anschwellen. Trotzdem, angenehm ist er nun auch wieder nicht. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, wie oft ich in den folgenden 24 Monaten dieses zweifelhafte Vergn\u00fcgen haben w\u00fcrde. Die Ameisen sind meist nachtaktiv und klettern bis in die Baumkronen auf der Suche nach Beute, bevorzugt an Kletterpflanzen oder Lianen \u2013 ein Kletterseil hat gewisse strukturelle \u00c4hnlichkeiten mit solchen Pflanzen.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\"><strong>Lebensvielfalt in den Baumkronen<\/strong><\/p>\n<p lang=\"de-DE\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/baumkletterschule.de\/kletterblatt\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/KB15_10_Regenwald-Costa-Rica-03-300x200.jpg\" alt=\"KB15-10: Regenwald Costa Rica, Abbildung 3\" width=\"300\" height=\"200\" class=\"alignright size-medium wp-image-6235\" srcset=\"https:\/\/baumkletterschule.de\/kletterblatt\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/KB15_10_Regenwald-Costa-Rica-03-300x200.jpg 300w, https:\/\/baumkletterschule.de\/kletterblatt\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/KB15_10_Regenwald-Costa-Rica-03-83x55.jpg 83w, https:\/\/baumkletterschule.de\/kletterblatt\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/KB15_10_Regenwald-Costa-Rica-03.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Der Plan war, ca. 20 B\u00e4ume wiederholt monatlich \u00fcber den gesamten Zeitraum nach Jagdspinnen und Skorpionen abzusuchen. Au\u00dferdem wollte ich die Temperatur und Luftfeuchte in Bodenn\u00e4he und in den Kronen mittels dauerhaft angebrachter Dataloggern (Abb. 3) messen. Bevor es mit der Forschung richtig losgehen konnte, musste ich die B\u00e4ume \u201evorbereiten\u201c, d. h. einen f\u00fcr die Suche optimalen Ankerpunkt finden und dort eine dauerhafte Zugschnur anbringen, mit der ich das Kletterseil ohne weiteres Schie\u00dfen leicht einbauen konnte. Einerseits sollte der Ankerpunkt m\u00f6glichst hoch sein, andererseits sollte das Aufstiegsseil nicht zu weit vom Stamm verlaufen. Ich besorgte mir im lokalen Baumarkt Stahlbolzen, die ich auf Pfeill\u00e4nge zuschneiden lie\u00df. Sie wogen dann etwa 200 Gramm und ich spr\u00fchte sie noch orange an, um sie auf dem Waldboden besser finden zu k\u00f6nnen. So ausger\u00fcstet nahm ich die B\u00e4ume in Angriff. Die Blicke der Touristen verrieten, dass sie mich nicht ganz einordnen konnten. Das Zielen auf \u00c4ste in 20 bis 32 Metern H\u00f6he durch teilweise dichte Vegetation war schon eine Herausforderung, die noch gesteigert wurde, wenn M\u00fccken von allen Seiten ihre Chance auf eine saftige Blutmahlzeit witterten. Die dichte Vegetation zwischen mir und dem angepeilten Ast sowie der teilweise dichte Epiphytenbewuchs des Zielastes machten die Sicherheitseinsch\u00e4tzung vom Boden aus selbst mit einem Fernglas meist unm\u00f6glich. Wenn nach vielen schwei\u00dftreibenden Versuchen und M\u00fcckenstichen der Pfeil \u00fcber den gew\u00fcnschten Ast flog, war ich manchmal einen Schritt weiter. \u00d6fter aber doch nicht, denn die vielen Epiphyten bewirkten, dass sich die Angelschnur oder die Zugschnur in das Pflanzendickicht hineinfra\u00df. Wie sich der kletterkundige Leser denken kann, war das Spiel noch nicht zu Ende, denn das Kletterseil musste ebenfalls solche Stellen passieren. Wegen der schwierigen Sicherheitseinsch\u00e4tzung war der Erstaufstieg immer eine sehr spannende Sache.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Insgesamt hatte ich mit br\u00fcchigen \u00c4sten oder Wespen nie Probleme. Bienen hingegen waren h\u00e4ufig und teilweise aggressiv. Gl\u00fccklicherweise handelte es sich fast immer um Stachellose Bienen, so dass die Angriffe an sich nicht wirklich gef\u00e4hrlich, aber dennoch sehr unangenehm waren. Viele der Arten haben Nester in Baumh\u00f6hlen oder in alten Termitennestern und einige Arten sind sehr angriffslustig. Sie kommen scheinbar aus dem Nichts, krabbeln in s\u00e4mtliche K\u00f6rper\u00f6ffnungen, verbei\u00dfen sich in Haut und Haaren. Auch wenn ich den Angriff von einigen zig Bienen problemos aussitzen konnte, entschied ich mich bei schweren Angriffen doch f\u00fcr den R\u00fcckzug. Sicherheitsrelevante Probleme k\u00f6nnen eher aus \u00fcberst\u00fcrzten Reaktionen des Kletterers bei einem solchen Angriff resultieren. Zum Gl\u00fcck waren nur zwei meiner B\u00e4ume betroffen und nachts stellte sich dieses Problem nicht. Am vorl\u00e4ufigen Ankerpunkt angekommen, nutzte ich das umlaufende Doppelseil, um einen besseren Ankerpunkt zu suchen. Die Vielfalt an Epiphyten auf manchen B\u00e4umen ist enorm. Da sind kleine Flechten und Orchideen, Moospolster, riesige Kletterpflanzen, Kakteen und Bromelien, von handlich klein bis spagatgro\u00df. Und schon ging meine Fantasie mit mir durch: Welche Tiere hier wohl hausen mochten? Andere B\u00e4ume hatten wiederum kaum Epiphyten. Der Sur\u00e1-Baum (<em>Terminalia oblonga<\/em>) beispielsweise wirft regelm\u00e4\u00dfig seine Borke in langen Streifen ab und damit alles, was daran haftet. Die neue Borke hat einen feinen pulverigen \u00dcberzug, was das Anhaften wohl erschweren d\u00fcrfte. Beim Klettern am Tag bekam ich manchmal Besuch von neugierigen Br\u00fcllaffen und kurz vor dem Sonnenuntergang suchten Amazonen-Papageien lautstark kreischend ihre Ruhepl\u00e4tze auf, w\u00e4hrend aus der Ferne ein Gewitter nahte.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\"><strong>Regenwald frisst Material<\/strong><\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Nachdem alle B\u00e4ume vorbereitet waren, konnte die Forschung beginnen. Die Nacht ist eine faszinierende Zeit im tropischen Regenwald. Das Licht der Stirnlampe leuchtet nur einen kleinen Teil des Gesichtsfeldes aus, jenseits des Lichtkegels liegt das Unbekannte und die anderen Sinne versuchen, die Augen zu ersetzen. \u00dcberall piept, zirpt oder quietscht etwas. Das Leben ist \u00fcberall, und ich mittendrin. Unterwegs zu meinen B\u00e4umen muss ich immer den Sarapiqu\u00ed Fluss mittels einer H\u00e4ngebr\u00fccke \u00fcberqueren.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/baumkletterschule.de\/kletterblatt\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/KB15_10_Regenwald-Costa-Rica-05-300x200.jpg\" alt=\"KB15-10: Regenwald Costa Rica, Abbildung 5\" width=\"300\" height=\"200\" class=\"alignleft size-medium wp-image-6239\" srcset=\"https:\/\/baumkletterschule.de\/kletterblatt\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/KB15_10_Regenwald-Costa-Rica-05-300x200.jpg 300w, https:\/\/baumkletterschule.de\/kletterblatt\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/KB15_10_Regenwald-Costa-Rica-05-83x55.jpg 83w, https:\/\/baumkletterschule.de\/kletterblatt\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/KB15_10_Regenwald-Costa-Rica-05.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Schon dort treffe ich auf manchen Waldbewohner, mal ist es eine Waschb\u00e4rfamilie, mal ein Baumstachler oder ein Wickelb\u00e4r. Das ewige Flussrauschen unter mir, aus der Vegetation das metallische \u201eTink\u201c des allgegenw\u00e4rtigen Tink-Frosches (<em>Diasporus diastema<\/em>). Ich hoffe oft genug, es m\u00f6ge trotz des Blitzens nicht regnen, oft genug tut es das doch, aber erst nachdem ich das Seil eingebaut habe. Bei tropischen Schauern ist klettern nicht unm\u00f6glich, aber das Forschen wird extrem behindert. Abgesehen davon verziehen sich auch die Tiere und es gibt dann nichts zu forschen. Ich breche dann ab, lege die durchn\u00e4sste Ausr\u00fcstung in den provisorischen Trockenschrank. Nach einem Jahr feuchter W\u00e4rme korrodieren diverse aluminiumlegierte Teile meines Klettergurtes und einige Karabiner (Abb. 5). Selbst die Berater von Freeworker, die ich aus dem Forschungsgebiet per Mail kontaktiere, haben so etwas in ihrer langen Praxis noch nie gesehen. Ersatz muss her, Ersatz kommt \u2013 und ihm steht ein \u00e4hnliches Schicksal bevor.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Neuer Abend, neues Gl\u00fcck. Ich gehe an mir schon bekannten Wohnh\u00f6hlen von Vogelspinnen vorbei, immer auch auf der Suche nach Lanzenottern, die ab und zu auf den Waldwegen liegen. Beim Seileinbau in der Nacht achte ich auf die 24-Stunden-Ameisen, die gerne die Zugschnur als Weg in die Krone nutzen. Ist das Seil eingebaut, suche ich noch die bodennahe Umgebung nach meinen Spinnen ab. Ich notiere die verschiedenen Werte und dann kann es hoch gehen. Langsam kletternd und alle zwei Meter anhaltend suche ich nach Spinnen, schalte meine Stirnlampe aus und das UV-Licht ein. So kann ich die fluoreszierenden Skorpione finden. Die H\u00f6he der Tiere \u00fcber dem Boden messe ich mittels eines 50 Meter langen Messbandes, an dessen losem Ende ich einen Wurfbeutel zum Beschweren befestigt habe. Das Seil verschwindet in der Schw\u00e4rze. Beim Klettern in dichter Vegetation bin ich besonders vorsichtig. Neben den schon bekannten Ameisen kommt hier oben auch die Greifschwanz-Lanzenotter (<em>Bothriechis schlegelii<\/em>) vor. Sie ist recht selten und auch kaum angriffslustig, aber wenn man ihr zu nahe kommt, bei\u00dft auch sie. Und so etwas kann ich mir nicht leisten, wenn ich gerade alleine klettere. In den zwei Jahren treffe ich beim Klettern aber nur zweimal auf diese wundersch\u00f6ne Schlange und immer bleiben die Tiere ruhig und ziehen sich zur\u00fcck. Ich bin mir des potenziellen Risikos beim Alleine-Klettern bewusst und werde nie waghalsig. Letztendlich muss jeder m\u00fcndige Mensch seine F\u00e4higkeiten selber einsch\u00e4tzen k\u00f6nnen und sein Handeln entsprechend seinen Erfahrungen ausrichten. Eine Fahrt mit dem Fahrrad vom Reservat zum n\u00e4chsten St\u00e4dtchen ist bei weitem gef\u00e4hrlicher, weil ein Menschenleben den oft betrunkenen und manchmal ohne Fahrerlaubnis fahrenden LKW-Fahrern nicht viel Wert ist. W\u00e4hrend ich auf einigen B\u00e4umen auch in gro\u00dfen H\u00f6hen die h\u00e4ufige <em>Cupiennius coccineus<\/em> und noch zwei weitere kleinere und seltenere Jagdspinnenarten finde, ist die Ausbeute auf anderen B\u00e4umen zuverl\u00e4ssig gering. Daneben finde ich immer wieder andere Tiere. Da sind nachtaktive Gottesanbeterinnen, die blitzschnell auf dem Stamm laufen, die R\u00fcbenschwanzgeckos klettern auch immer wieder auf denselben B\u00e4umen und ein m\u00e4nnlicher Tink-Frosch lockt tinkend seine Auserw\u00e4hlte den Stamm eines <em>Vitex cooperi<\/em> Baumes hinab. Im Nachbarbaum streiten sich lautstark zwei Wickelb\u00e4ren \u2013 oder balzen sie eher? Eines Nachts dringen aus der Krone eines <em>Alchorneopsis floribunda<\/em> Baums seltsame Laute. Als ich h\u00f6her klettere, sehe ich nur ein erwachsenes Zweifinger-Faultier, aber solche Laute machen die doch nicht, denke ich mir. Ich suche nach der Quelle und siehe da, ein Baby-Faultier krabbelt h\u00e4ngend und quietschend umher. Wohl durch meine Anwesenheit verunsichert, sucht es die beruhigende N\u00e4he seiner Mutter. Ich scanne die Umgebung nach meinen Spinnen ab und beobachte die beiden eine Weile, bis sie sich wiederfinden und vereint von dannen klettern.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Der Regenwald ist ph\u00e4nomenal, die berauschenden Erlebnisse f\u00fcllen mich mit Energie. Ich bin nur ein Besucher dieses hochkomplexen, seit Jahrmillionen existierenden Lebensraumes und bin mir bewusst, dass ich ihn nie ganz verstehen werde. Durch meine Blutopfer an die Moskitos werde ich bleibender Teil des Waldes. Die knatternden Motorbremsen der Lastwagen durchdringen die Waldger\u00e4usche selbst in tiefster Nacht. Der Wald in Tirimbina wird vorerst vom Geld der Touristen besch\u00fctzt, viele andere W\u00e4lder hatten nicht das Gl\u00fcck. Doch die W\u00e4lder dieser Erde haben schon ganz andere Katastrophen \u00fcberstanden.<\/p>\n<table border=\"1\" bgcolor=\"#E1E1E1\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>Der Autor: <strong>Witold Lapinski<\/strong> (<a href=\"mailto:wito.l@gmx.de\">E-Mail<\/a>)<br \/>\nDiplom-Biologe<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table border=\"1\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr bgcolor=\"#808080\">\n<td><font color=\"#FFFFFF\"><strong>Unser Tipp<\/strong><\/font><\/td>\n<tr>\n<td valign=\"top\" align=\"left\" bgcolor=\"#FFFFFF\">Sind auch Sie auf der Suche nach einem erfahrenen Baumkletterer?<br \/>\nAuf dem <a title=\"Das Baumpflegeportal\" href=\"http:\/\/www.baumpflegeportal.de\" target=\"_blank\">Baumpflegeportal<\/a> finden Sie einen Profi in Ihrer N\u00e4he.<\/p>\n<p>Oder sind Sie selbst professioneller Baumkletterer? 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Dort werden Sie schnell und zuverl\u00e4ssig von potenziellen Kunden gefunden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<br \/>\n<a title=\"Bildergalerie Costa Rica, Kletterblatt 2015\" href=\"..\/..\/..\/?p=6052\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-4266\" src=\"https:\/\/baumkletterschule.de\/kletterblatt\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/but_galerie.png\" width=\"120\" height=\"30\" alt=\"Bildergalerie Costa Rica, Kletterblatt 2015\" \/><\/a> <a title=\"Online bl\u00e4ttern im Kletterblatt 2015: &quot;Seilklettertechnik: In der feuchten H\u00f6he des Regenwaldes&quot;\" href=\"..\/..\/blaettermagazin\/ausgabe-2015\/#84\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2908 alignleft\" title=\"Online bl\u00e4ttern im Kletterblatt 2015: &quot;Seilklettertechnik: In der feuchten H\u00f6he des Regenwaldes&quot;\" alt=\"Online bl\u00e4ttern im Kletterblatt 2015: &quot;Seilklettertechnik: In der feuchten H\u00f6he des Regenwaldes&quot;\" src=\"https:\/\/baumkletterschule.de\/kletterblatt\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/buttons_onlinblaettern.png\" width=\"120\" height=\"30\" \/><\/a> <a href=\"#up\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2909 alignleft\" alt=\"Nach oben\" src=\"https:\/\/baumkletterschule.de\/kletterblatt\/wp-content\/uploads\/2004\/04\/but_top.png\" width=\"120\" height=\"30\" \/><\/a><br \/>\n&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei der Suche nach Spinnen und deren Beobachtung kann die Beherrschung der Seilklettertechnik von Vorteil sein. 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