Baumfachkundenachweis für SKT-A-Kurs

Neue Vorschrift der SVLFG für SKT-A Kurse

Seit der Neufassung der VSG 4.2 im Jahre 2021 wird von der Berufsgenossenschaft zwingend der Nachweis der Baumfachkunde als Zulassungsvoraussetzung für den SKT-A-Kurs gefordert.

Im Anhang 2 der VSG 4.2 wird unter 1.2c als Zulassungsvoraussetzung folgendes formuliert:

  • Nachgewiesene Fachkunde in der Baumbeurteilung mit Schwerpunkt Bruch und Standsicherheit von Bäumen (z. B. zertifizierter Baumkontrolleur oder
  • Fachkunde für baumschädigende Pilze und Käfer) oder
  • Ausbildung als Gärtner oder Landwirt mit mindestens dreijähriger Praxis in der Baumpflege oder
  • Ausbikldung als Forstwirt oder
  • langjährige aktive (mindestens 5 Jahre) Tätigkeit in der Baumpflege.

Inzwischen wurde seitens der BG zugestanden (Information am Runden Tisch, Stand März 2022), dass Forstwirte die Baumfachkunde anerkannt bekommen, auch ohne zusätzliche dreijährige Praxis in der Baumpflege.

Wer noch keine Baumfachkunde hat, oder den schriftlichen Nachweis nicht erbringen kann, hat die Möglichkeit, direkt vor Kursbeginn eine Prüfung zum Nachweis der Baumfachkunde abzulegen. Dazu buchen Sie bei Anmeldung zum SKT-A-Kurs einfach das „Baumfachkunde-Package-SKT-A“ mit. Es umfasst die Vorbereitungsunterlagen, mit denen Sie sich optimal auf die Prüfung vorbereiten können. Die bestandene Prüfung wird als Nachweis der Baumfachkunde als Zulassungsvoraussetzung des SKT-A-Kurses nach Vorgabe der VSG 4.2 anerkannt. Im Package-Preis sind neben den Unterlagen zur Vorbereitung auf die Prüfung die Durchführung der Prüfung, die Prüfungsgebühr und die Bescheinigung der Baum-Fachkunde inbegriffen. Die Vorbereitungsunterlagen erhalten Sie von uns zugesandt. Die Prüfung erfolgt am ersten SKT-A-Kurstag vor Beginn des SKT-Kurses.

Natürlich haben wir auch Präsenz-Kurse zum Thema Baumfachkunde, z.B. den eintägigen Kurs „Fachliche Baumbeurteilung“ oder den 4-tägigen Kurs „Zertifizierter Baumkontrolleur“. Diese Kurse gelten ebenfalls als Nachweis der Baumfachkunde als Zulassungsvoraussetzung für den SKT-A-Kurs.

Weiterhin besteht natürlich auch die Möglichkeit der betriebsinternen Fortbildung in Fachbetrieben. Wir sind leider nicht befugt zu entscheiden, ob die jeweilige Fortbildung die geforderte Baumfachkunde bescheinigt. Das alleine kann nur die SVLFG. Bitte erkundigen Sie sich in solchen Fällen direkt bei der SVLFG und lassen sich die Gültigkeit schriftlich bescheinigen.

Hintergrund-Info und Kommentar

Baumfachkunde ist für das Baumklettern wichtig und sinnvoll. Dass Menschen, die gewerblich in Bäume klettern, nun auch Baumfachkunde nachweisen sollen, ist nur folgerichtig. Trotzdem setzen wir uns als Baumkletterschule dafür ein, die Regelung dahingehend zu ändern, die Baumfachkunde nicht zwingend vor dem SKT-A-Kurs vorzuschreiben. Die neue Regelung führt aus unserer Sicht zu einem nicht gerechtfertigten organisatorischen Mehraufwand für alle. Nicht gerechtfertigt deshalb, weil Baumfachkunde aus unserer Sicht nicht zwingend vor dem SKT-A-Kurs erforderlich ist. Denn bisher hatten wir die für das Klettern wichtigen Themenpunkte im SKT-A Kurs integriert und müssen es auch weiterhin sein.

Es wäre völlig ausreichend und würde sogar durchaus Sinn machen vorzusehen, die Kenntnisse nach dem SKT-A-Kurs zu erweitern. Zum einen dauert es nach dem SKT-Lehrgang sowieso eine Zeit, bis man Fortschritte erzielt und mehr Kenntnisse benötigt. Außerdem gilt die Regel, kann die Sicherheit nicht beurteilt werden, kann der Baum nicht geklettert werden. Zum anderen schreibt die BG auch vor, nach dem SKT-A-Kurs erst mal Praxis zu sammeln, bis Stufe 2 gezündet werden kann (SKT-B). Zeit genug, bis zum SKT-B-Kurs Theorie und Praxis zu vervollständigen und miteinander zu verschmelzen. In diesem Zeitraum würde es Sinn machen, neben den Erfahrungen in der Praxis Baumfachkunde durch Theorie zu untermauern.

Es gibt viele – auch fachliche – Gründe, es den Teilnehmer*innen selbst zu überlassen, ob sie den Kurs vor oder nach dem ersten Kletterkurs machen. Der eine kapiert besser, wenn er schon mal den Baum berührt, im Baum geklettert und den Baum erlebt und gerochen hat. Die andere tut sich leichter, erst einmal eine theoretische Einführung zu bekommen. Warum soll nicht jede/r für sich entscheiden, welche Reihenfolge die Richtige ist. Fakt dürfte aber sein, viele Menschen begreifen Theorie schneller, wenn sie einen praktischen Bezug zur Thematik haben.

Skurril wird es, wenn man vergleicht, wann laut VSG4.2 Baumfachkunde nachgewiesen ist. Es reicht als absoluter Laie aus, einen eintägigen Kurs zu belegen, ganz ohne Prüfung. Sie müssen nicht einmal nachweisen, ob sie geistig anwesend waren. Inzwischen ist immerhin eine Lehre als Forstwirt*in diesem eintägigen Kurs für Laien gleichgestellt. Forstwirt*innen beschäftigen sich immerhin zwei oder drei Jahre mit den Thema Baum. Was nicht zählt ist eine Lehre als Gärtner*in oder Landwirt*in. Da müssen schon noch zusätzlich 3 Jahre in der Baumpflege nachgewiesen werden. Wie wollen Sie drei Jahre als Gärtner*in oder Landwirt*in der Baumpflegepraxis arbeiten, ohne etwas von Bäumen zu verstehen? Geht sicherlich irgendwie,  trotzdem werden sie nicht gleichgestellt mit jemandem, der bei dem eintägigen Lehrgang schläft und nur durch Anwesenheit glänzt. Sie können natürlich auch erst mal 5 Jahre in der Baumpflege arbeiten, dann werden Sie gleichgestellt mit dem Laien, der den eintägigen Baumfachkundekurs bezahlt hat. Fragen Sie nicht uns, wenn Sie diese Logik nicht verstehen.

Es würde an dieser Stelle zu weit führen, alle Nachteile des neu geforderten starren und unlogischen Systems aufzuführen. Dazu gibt es viel zu sagen und wir hätten die Argumente dafür auch gerne vorab in die Beratungen eingebracht. Doch leider wurde die sinnvolle und wertvolle Einrichtung des Runden Tisches mit Expert*innen aller Kletterschulen erst darüber informiert, als es schon beschlossen war. Die Argumente wurden gehört, aber abgewiesen, weil nichts mehr geändert werden könne. Nobody is perfect! Fehler sind zwar ärgerlich, aber auch nicht der Weltuntergang, solange man aus Fehlern lernt. Niemand bricht sich einen Zacken aus der Krone, wenn Fehler korrigiert werden. Schlimm finde ich es erst dann, wenn alle den Fehler anerkennen und das System es nicht erlaubt, unsinnig Beschlüsse zu revidieren.

Bleibt zu hoffen, dass das System nicht so starr ist, dass die Sache nicht doch irgendwann angepasst und korrigiert werden kann. Unser Plädoyer: Erst unter Fachleuten beraten und alle Betroffene mit einbeziehen, gemeinsam einen Weg bereiten und danach das Konzept den verantwortlichen Beschluss-Gremien vorlegen – nicht umgekehrt. Sonst macht es keinen Sinn, Fachleute am Runden Tisch zu versammeln.

Politische Entscheidungsträger sind immer auf Expertise angewiesen, und natürlich gibt es viele Punkte, die beachtet und mit einbezogen werden müssen. Fachleute argumentieren durchaus auch kontrovers und sind nicht immer einer Meinung. Es bleibt immer ein Ringen um Entscheidungen. Die Diskussion sollte aber auf fachlich fundierten Informationen beruhen, die vor Entscheidungen eingeholt werden und nicht erst dann, wenn Entscheidungen nicht mehr revidiert werden können. Und die Entscheidungen und Beschlüsse sollten für alle nachvollziehbar sein und einer Logik folgen.

Wir informieren selbstverständlich sofort, wenn sich doch etwas bewegt. Wir glauben fest daran und arbeiten weiter darauf hin, mehr Flexibilität bei Behörden und Gremien erreichen und Vertrauen wiederherstellen zu können.

Johannes Bilharz